Entlassmanagement

Botzlar: Bürokratie bindet Zeit und Arbeitskraft der Ärzte

16.11.2017 – Die Entbürokratisierung der Arbeit in Klinik und Praxis muss eine Hauptpriorität der Gesundheitspolitik der nächsten vier Jahre sein, fordert der Marburger Bund. Jüngstes Beispiel für eine Überregulierung im Krankenhaus sind die Vorgaben für das neue standardisierte Entlassmanagement.

Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes

„Die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern sind jeden Tag darum bemüht, für ihre Patienten einen möglichst nahtlosen Übergang zur ambulanten Nachversorgung zu organisieren. Mit manchen Patienten müssen dazu längere Gespräche geführt werden, bei anderen ist schnell klar, wie es nach dem Krankenhaus weitergeht. Diese formlose Kommunikation hat bisher gut funktioniert. Nun aber ist ein administrativer Mehraufwand entstanden, der geradezu irrwitzig ist. Das neue Verfahren bindet jeden Tag zusätzliche Zeit und Arbeitskraft von Ärzten, Pflegenden und anderen Berufsgruppen im Krankenhaus, die Patienten auf die Entlassung vorbereiten ", kritisierte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes, das seit 1. Oktober 2017 gültige neue Verfahren zum Entlassmanagement.

Den Marburger Bund erreichten immer häufiger Klagen von Klinikärzten, die das neue Entlass-Prozedere im Klinikalltag für nicht umsetzbar halten. „Unsere Mitglieder beklagen auch die unzureichende Ausstattung der Krankenhäuser mit der für ein modernes Datenmanagement erforderlichen Hard- und Software. Ohne eine solche digitale Infrastruktur aber ist ein möglichst effizienter und reibungsloser Informationsaustausch zwischen Krankenhäusern und ambulanter Versorgungsebene kaum möglich", so Botzlar.

Nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erfordert das standardisierte Entlassmanagement für die jährlich mehr als 19 Millionen Patienten in deutschen Krankenhäusern ca. 100.000 zusätzliche Arbeitstage. Auch deshalb fordert der Marburger Bund eine Generalinventur im Gesundheitswesen, bei der unnötige bürokratische Verpflichtungen identifiziert und danach ersatzlos gestrichen werden. Vordringlich ist zu überprüfen, inwieweit die auf politischen Vorgaben beruhende Rahmenvereinbarung für das Entlassmanagement so geändert werden kann, dass es zu keinem bürokratischen Mehraufwand für Ärzte und andere Berufsgruppen kommt.