Sprachkenntnisse verbessern

121. HV 2012 / Beschluss Nr. 8

Die 121. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat beschlossen:

Zur Erteilung einer Erlaubnis zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufes nach
§ 10 der Bundesärzteordnung (BÄO) und zur Erteilung einer Approbation nach den §§ 3 oder
14 b der Bundesärzteordnung (BÄO) ist u.a. die Vorlage einer Bescheinigung eines
anerkannten Sprachinstitutes über Sprachkenntnisse auf B2-Niveau (entsprechend
europäischem Referenzrahmen) erforderlich.
Diese Sprachkenntnisse sind für den klinischen Alltag nicht hinreichend. Die Erfordernisse
an die Qualität ärztlicher Arbeit sind derart, dass Kolleginnen und Kollegen, die lediglich
Basiskenntnisse der deutschen Sprache aufweisen, erkennbar überfordert sind. Es kommt
zu gefährlichen Missverständnissen zu Lasten von Patienten, es kommt zu erheblichen
zusätzlichen Belastungen in den Kliniken.

Nach den derzeitigen Erfahrungen des Klinikalltags muss das Niveau B2 (GER) als im Alltag
nicht ausreichend angesehen werden.
Im Hinblick auf die demnächst im Patientenrechtegesetz kodifizierte Dokumentationspflicht
regt der Marburger Bund an, zusätzlich zu einem Test, der allein die mündliche Sprachkompetenz
prüft, die Sprachkenntnis in Wort und Schrift in Anlehnung an die Juristenausbildung
durch einen Kurzvortrag eines Falles zu prüfen.
Anzufertigen ist in dem Zusammenhang auch ein Arztbrief an einen weiter behandelnden
Arzt unter Nennung der Anamnese, Epikrise und der wesentlichen Untersuchungsergebnisse
sowie Therapieempfehlungen. Als bestanden ist der schriftliche Teil erst dann zu
werten, wenn dieser Brief lediglich einiger orthografischer Korrekturen bedarf und ansonsten
so an einen auswärtigen Arzt im Geschäftsverkehr gesendet werden könnte.
Die Fälle, die als Prüfungsfall durch Kliniken an die Approbationsbehörden eingereicht
werden könnten, können in Zusammenarbeit mit den Ärztekammern erstellt und geprüft
werden. Die Finanzierung könnte über die Gebühren des Approbationsverfahrens erfolgen.
Der Nachweis durch Prüfung aus einem immer gleichen Fallpool wird der Bedeutung der
Sache nicht gerecht und würde nur dazu führen, dass die bekannten Fälle auswendig gelernt
werden.
Das Sprachniveau muss mindestens dem Level C1 entsprechen.
Wir sehen zusehende Probleme für die erfolgreiche Integration der betroffenen Kolleginnen
und Kollegen.
Wir sehen Belastungen im kollegialen Miteinander innerhalb der Ärzteschaft aber auch der
berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit im Krankenhaus.
Insbesondere sehen wir die Patientensicherheit gefährdet. Dies gilt insbesondere wenn in
Abteilungen gleich mehrere Kolleginnen und Kollegen mit unzureichenden
Sprachkenntnissen und unterschiedlicher Herkunft arbeiten.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
Wir fordern eine bessere Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die aus dem Ausland
zu uns kommen.
Wir beauftragen den Bundesverband des Marburger Bundes, sich dieses Themas anzunehmen.