Besserer Zugang zu medizinischen Fachpublikationen für Ärztinnen und Ärzte

127. HV 2015 / Beschluss Nr. 29

Die 127. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat beschlossen:

Um eine Medizin nach dem Stand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse praktizieren zu können, sind Ärztinnen und Ärzte auf einen möglichst breiten Zugang zu denen in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlichten Forschungsergebnissen angewiesen.

Über einen solchen freien Zugang zu aktueller Fachliteratur verfügen jedoch derzeit in Deutschland im Wesentlichen nur die an Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen tätigen Kolleginnen und Kollegen. Ermöglicht wird dies über vertragliche Vereinbarungen zwischen den medizinischen Fachverlagen und z.B. Universitätsbibliotheken.

Das Gros der Ärztinnen und Ärzte, die den Hauptteil der medizinischen Versorgung schultern, verfügt jedoch nicht über einen solchen breiten Zugang zu medizinischer Fachliteratur. Auch wenn in den letzten Jahren Forschungsergebnisse zunehmend frei verfügbar publiziert werden (sog. „Open Access“) liegen die Preise für den Abruf oft nur eines einzigen Fachartikels bei rund 30 EUR und mehr. Gleichzeitig wird jedoch beklagt, dass der Transfer neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Regelversorgung viel zu lange dauere und Patienten verzögert zugutekomme.

Der Marburger Bund vertritt daher die Position, dass der Zugang aller Ärztinnen und Ärzte zu denen in medizinischen Fachzeitschriften publizierten Forschungsergebnissen dringend verbessert werden muss.
Er fordert daher die Bundesärztekammer auf, zu untersuchen, mit welchen Kosten die Ermöglichung eines Zugangs aller Ärztinnen und Ärzte zu medizinischer Fachliteratur nach dem Vorbild der in Universitätskliniken beschäftigten Kolleginnen und Kolleginnen verbunden wäre.

In einem zweiten Schritt soll die Bundesärztekammer untersuchen und darlegen, welche Möglichkeiten zur Finanzierung eines solchen Zugangs bestehen könnten.