Notfallversorgung

Eine strukturelle Reform der Notfallversorgung gelingt am besten durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten!

Statement von Dr. Frank J. Reuther, 1. Vorsitzender des Marburger Bund Landesverbandes Baden-Württemberg zum ZI-Papier „Rolle der Krankenhäuser in der Notfallversorgung in Deutschland“ des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI)

01.12.2017 – Der Marburger Bund hat sich bereits auf seiner 131. Hauptversammlung im Mai 2017 in Freiburg klar für einen sachlichen Dialog zur Notfallversorgung mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausgesprochen. Ziel bleibt die Entlastung der Krankenhausärztinnen und -ärzte in den Notaufnahmen und eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Bereitschaftsdiensten der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen.

Dr. Frank J. Reuther betont dies noch einmal ausdrücklich:

„Ich fordere zur Rückkehr eines sachlich-konstruktiven Dialogs auf, wie wir ihn auf Bundesverbandsebene mit der KVB bereits führen, so dass wir eine patientengerechte Notfallversorgung und eine Entlastung der Notaufnahmen – also der Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern – erreichen können. Die Notfallversorgung muss auch weiterhin rund um die Uhr sichergestellt sein – das gehört zur Daseinsvorsorge. Die Patientinnen und Patienten benötigen eine individuelle Einschätzung ihrer Beschwerden mit denen sie in die Notaufnahme kommen. Das können wir mit unserer ärztlichen Kompetenz steuern und lenken, wenn wir sektorenübergreifend eine strukturelle Reform der Notfallversorgung auf den Weg bringen. Wie gesagt – das geht am besten mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit."

Bereits Anfang 2016 hatte der MB-Landesverband Baden-Württemberg in einer nicht-wissenschaftlichen Umfrage insgesamt rund 1.100 Ärzte zur Situation in der Notfallversorgung an ihren Krankenhäusern befragt und ein vielschichtiges Bild der gesamten Problematik erhalten.

Bestätigt wurde dabei die Tendenz, dass manche Patientinnen und Patienten mit Bagatellbeschwerden oder solchen, die nicht akut behandlungsbedürftig sind, in den Notaufnahmen erscheinen, mit denen sie im ambulanten Bereich hätten versorgt werden können. Zusätzliche Gründe für den großen Zulauf an Patienten und die häufige Überlastung in den Notaufnahmen sind hoher bürokratischer Aufwand durch die ausführliche Dokumentationspflicht, Personalmangel aber auch Angst vor haftungsrechtlichen Folgen bei einem möglicherweise nicht erkannten echten Notfall – besonders bei jüngeren und unerfahreneren Kolleginnen und Kollegen. Notfallpatienten dürfen nämlich nicht einfach abgewiesen werden. Ebenso spielen die hohen Ansprüche der Patienten nach einer Komplettversorgung 24 Stunden am Tag eine Rolle oder lange Wartezeiten beim niedergelassenen Facharzt sowie ungünstige Praxisöffnungszeiten.

Als mögliche Lösungen wurden neben einer kostendeckenden Vergütung der Notfallbehandlungen unter anderem eine bessere Aufklärung der Patientinnen und Patienten über die Erreichbarkeit der Notrufnummern 112 beziehungsweise 116 117 sowie die Etablierung eines „Filtersystems" (Triage) zur Identifizierung echter Notfälle durch entsprechend geschultes Personal.

„Eine gute Qualität in der Notfallversorgung kann man dann hinbekommen, wenn genug qualifiziertes Personal sowie ausreichend Zeit für die Patienten vorhanden sind und eine bessere Koordination der Abläufe und Zuordnungen nach Behandlungsdringlichkeit erfolgt. In einem Flächenland wie Baden-Württemberg spielen auch die tatsächlichen Versorgungsverhältnisse mit unseren regionalen Besonderheiten eine Rolle", so Dr. Frank J. Reuther.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse finden Sie unter:
http://www.marburger-bund.de/landesverbaende/baden-wuerttemberg/artikel/allgemein/2016/mit-abgebrochenem-kuenstlichen-fingernagel-die-notaufnahme