Neue Wege gehen und neue Ideen entwickeln - Perspektiven der ärztlichen Ausbildung und Versorgung in Baden-Württemberg

30.01.2018 – Am 24. Januar fand in der Sparkassenakademie Stuttgart die gemeinsame Fachveranstaltung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie des Ministeriums für Soziales und Integration statt. Dabei standen die aktuelle Situation der ärztlichen Ausbildung und Versorgung, die Ermittlung bestehender Bedarfe sowie die Suche nach geeigneten Maßnahmen und Instrumenten zur Verbesserung des Status quo im Fokus.

In seiner Begrüßung wies Minister Manne Lucha MdL darauf hin, dass Bund und Länder in der zurückliegenden Legislatur bereits wichtige Themen und Maßnahmen zur Ausbildung und Förderung von medizinischem Nachwuchs angestoßen haben. Zu nennen seien der Masterplan Medizinstudium 2020, die Diskussion um die Landarztquote, Reformansätze in der Allgemeinmedizin sowie die Entwicklung von Förderprogrammen zur besseren medizinischen Ausbildung und Gesundheitsversorgung.

Ministerin Theresia Bauer MdL, erläuterte in ihrem Einführungsvortrag, dass für den Bedarf in Baden-Württemberg an Nachwuchsmedizinern geklärt werden müsse, wohin die fertigen Ärztinnen und Ärzte gehen, auch angesichts der zu erwartenden Ruhestandswelle in den nächsten Jahren. Zu berücksichtigen seien dabei Faktoren wie veränderte Erwartungen an die ärztliche Erwerbstätigkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Maßnahmen zur Stärkung der Allgemeinmedizin.
Neben der quantitativen Frage müsse die Qualität der medizinischen Ausbildung und die damit verbundenen Kosten berücksichtigt werden.

Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums ist sowohl die medizinische Ausbildung für die Versorgung als auch die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs notwendig und gleichrangig zu sehen.
Mit zahlreichen Initiativen auf Landesebene sei man hier auf einem guten Weg: die Bereitstellung finanzieller Mittel für die medizinischen Fakultäten, für Projekte in der Wissenschaft, für die Qualifizierung von wissenschaftlichem Nachwuchs sowie z.B. für die Einrichtung von Lehrstühlen Allgemeinmedizin.

Ein wichtiger Aspekt sei die Strukturierung von medizinischen Versorgungsprozessen durch Kooperationen mit anderen Gesundheitsberufen. Die Akademisierung der Gesundheitsberufe spiele dabei eine wichtige Rolle. Man wolle den gesteigerten fachlichen Anforderungen, der demografischen Entwicklung und den komplexeren Krankheitsbildern bei einer älter werdenden Gesellschaft Rechnung tragen. Notwendig sei eine höhere Akzeptanz für diese Berufe sowie eine attraktivere Bezahlung. Insgesamt gehe es um maßvolle Schritte und weiter im Gespräch zu bleiben, so Theresia Bauer.

Minister Manne Lucha MdL ergänzte, dass besonders die Versorgung im ländlichen Raum weiter entwickelt werden müsse. Natürlich sei auch in Baden-Württemberg die Tendenz erkennbar, dass junge Ärztinnen und Ärzte lieber in Ballungsgebieten mit guter Infrastruktur arbeiten, das verstärke die Nachwuchsproblematik bei den Hausärzten im ländlichen Bereich.

In Bezug auf die Landarztquote und dem Ruf nach mehr Studienplätzen in der Medizin sei zu beachten, dass die „Früchte" eines solchen Regulierungsprozesses erst nach ca. 11 Jahren erkennbar sein werden. In der Zwischenzeit gelte es, die aktuelle Versorgung zu sichern. Man setze dies z.B. mit Stipendienprogrammen, Quartiersentwicklungen und Förderprogrammen um.
Ausgelotet würden die Möglichkeiten der Digitalisierung mit dem Ziel, eine schnelle und unkomplizierte Versorgung zu erreichen.

Anschließend diskutierten Ministerin Theresia Bauer MdL und Minister Manne Lucha MdL zusammen mit Prof. Dr. Ingo B. Autenrieth, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen, Dr. FrankDieter Braun vom Hausärzteverband, Prof. Dr. Jana Jünger, Direktorin Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, Alina Reeg, Bundeskoordinatorin für Medizinische Ausbildung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) sowie Prof. Dr. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung vom Universitätsklinikum Heidelberg über konkrete Beispiele zu Ausbildungsprojekten an den Universitätsstandorten in Baden-Württemberg und frühestmögliche Gelegenheiten für Studierende zu schaffen, ärztlichen Alltag in Praxen kennenzulernen. Geworben wurde ebenfalls für die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen und ein besseres Verständnis füreinander, denn die Versorgungskontexte müssten transparenter werden.

Es sei im Übrigen auch Aufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung und der Körperschaften, Ausbildung und Versorgung zu begleiten und jungen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit zu geben, Strukturen zu verändern.
Diskutiert wurden schließlich die Möglichkeiten für Habilitationen. Es sei notwendig - neben der Grundlagenforschung - auch hier abzubilden, was für die Gesundheitsversorgung der Gesellschaft notwendig sei.