Ambulant Angestellte brauchen eine eigene Interessenvertretung in der KV!

Interview mit Spitzenkandidatin Dr. Kristina Zimmermann

Eigene Interessenvertretung in der KV Baden-Württemberg - kompetente Beratung durch die KV - Reduzierung von bürokratischen Hürden für Angestellte und eigene Tarifverträge in der ambulanten Anstellung! Das sind unter anderem die Forderungen der Spitzenkandidatin der MB-Landesverbandsliste Baden-Württemberg für die KV-Wahlen 2016. Dr. Kristina Zimmermann arbeitet seit 2007 als angestellte Ärztin im ambulanten Bereich, zunächst zwei Jahre als Weiterbildungsassistentin und dann als Fachärztin für Allgemeinmedizin. Sie ist Spitzenkandidatin auf der Liste Nr. 13 „Marburger Bund - angestellte und ermächtigte Ärztinnen und Ärzte“ und tritt zur Wahl der Vertreterversammlung in der KV Baden-Württemberg an – zusammen mit 12 weiteren Kandidatinnen und Kandidaten.

Warum ist es jetzt notwendig, sich als angestellte/r Ärztin/Arzt in der KV zu engagieren bzw. den MB in die KV-Vertreterversammlung zu wählen?

"Eine eigenständige Vertretung von Ärztinnen und Ärzten, die sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich angestellt sind, fehlt bislang in der KV-Vertreterversammlung, so dass es höchste Zeit wird, unsere Vorstellungen einzubringen und versuchen durchzusetzen. Gerade in Anbetracht der steigenden Zahl von angestellten Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Bereich wollen wir in einem Gremium mit überwiegend niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die andere Interessen haben als wir, unsere eigenen Schwerpunkte setzen. Wir wollen auf der einen Seite einen Gegenpart zu den Niedergelassenen darstellen, sind aber bemüht, gemeinsam konstruktive und zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten. Wir haben jetzt die Möglichkeit, einen Fuß in die Türe zu bekommen: eine Chance, die sich ansonsten erst wieder in sechs Jahren bietet."

Welche Themen liegen den ambulant angestellten Kolleginnen und Kollegen besonders auf dem Herzen?

"Der Tendenz von Einzelpraxen hin zu Praxen mit mehreren Ärztinnen und Ärzten muss mit noch flexibleren Arbeitszeitmodellen begegnet werden. Um die ambulante Medizin, v. a. im ländlichen Raum, zu stärken, muss die generelle Skepsis der Niedergelassenen gegenüber Neugründungen von MVZs, die politisch und von vielen jüngeren Kolleginnen und Kollegen gewollt sind, abgebaut werden. Es ist absolut notwendig, Stellen mit geschulten Ansprechpartnern für angestellte Ärztinnen und Ärzte bei der KV einzurichten, da die KV bislang ausschließlich für die Belange der niedergelassenen Kollegen zuständig war und die Anliegen der Angestellten häufig nur unzureichend behandelt werden konnten."

Haben Sie schon konkrete Ideen, was die Rolle der Angestellten im ambulanten Bereich verbessern und wie das beiderseitige Verständnis zwischen dem/der Vorgesetzten niedergelassenen Ärztin/Arzt und einer/einem angestellten Kollegen noch besser gestaltet werden kann?

"Entscheidend ist gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung sowie gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Beide Seiten und alle Beteiligten müssen sich in möglichst vielen Belangen auf Augenhöhe begegnen, nur dann ist ein gutes kollegiales Zusammenarbeiten möglich. Aber dass die Chemie zwischen zwei oder mehr Menschen passt, kann man leider nicht verordnen; dass sie passen sollte, ist für den wirtschaftlichen Erfolg und das persönliche psychische Wohlergehen wichtig, umso mehr, je kleiner der Betrieb ist."

Warum sollte man als Arzt/Ärztin das Prinzip der ärztlichen Selbstverwaltung unbedingt nutzen?

"Die ärztliche Selbstverwaltung ist ein Privileg, um das uns viele andere Berufe beneiden. Würden wir den Spielraum, den uns die ärztliche Selbstverwaltung innerhalb des gesetzlichen Rahmens ermöglicht, nicht nutzen, müssten wir uns Beschlüssen nicht-ärztlicher Entscheidungsträger voll und ganz fügen. Nur mit einer hohen Wahlbeteiligung können wir der Politik zeigen, dass die ärztliche Selbstverwaltung aktiv ist und funktioniert."

Was ist Ihr ganz persönliches Anliegen, für das Sie sich in der Gremienarbeit einsetzen wollen?

"Ich wünsche mir, dass sich die KV zukünftig gegenüber der Politik und KBV (= Kassenärztliche Bundesvereinigung) auch für die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte einsetzt. Mir ist - auch aufgrund eigener Erfahrungen - wichtig, dass wir Angestellten kompetente Ansprechpartner bei der KV finden.
Außerdem möchte ich mich für eine Verschlankung der Bürokratie und weitere Gebührensenkungen, z. B. bei Neuanstellung eines Arztes/einer Ärztin in der ambulanten Medizin oder bei Arbeitszeitveränderungen, z. B. im Rahmen der Elternzeit, einsetzen.
Ein zentrales Anliegen des MB ist die Einführung eines Tarifvertrages für angestellte Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Bereich. Hier liegt sicher noch ein weiter Weg vor uns, da erst noch ein Arbeitgeberverband gegründet werden muss."