MB-Forum Wissen und Gesundheit am 10. Oktober in der Akademie der Wissenschaften

Ärztliche Weiterbildung

11.10.2016 – Grundlage für Patientensicherheit und hohes Gut der ärztlichen Selbstverwaltung, aber kein Selbstläufer! So lautete das zugegeben etwas sperrige und auch vermeintlich Ärzte spezifische Thema des Abends im Einsteinsaal der Akademie.

Auf dem Podium saßen diese Mal:

- Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Vizepräsidentin der BBAW, ehem. Dekanin der Charité
- Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin
- Dr. Werner Wyrwich, MB-Landesvorstand und Ärztekammer Berlin
- Dr. Ullrich Fleck, Mitglied im Weiterbildungsausschuss LÄK Brandenburg

am Expertentisch:

- Prof. Dr. Duska Dragun, Berlin Institut of Health
- Dr. Matthias Albrecht, Geschäftsführer Ev. KH Hubertus
- Dr. Knut Reuter, Chefarzt Bundeswehrkrankenhaus Berlin
- Dr. Matthias Raspe, Vertreter Bündnis Junger Ärzte und

Was der Grund für den etwas gedämpften Besucherandrang war, lässt sich nur anhand der Gästeliste erahnen, auf der die Zielgruppe, nämlich Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung kaum auftauchte: Es muss einfach an der never ending story einer seit vielen Jahren unzureichend organisierten und ausfinanzierten Weiterbildung einer Berufsgruppe liegen, die einen fertigen Berufsabschluss hat und noch nicht fertig ist mit der Facharztausbildung.

Und auch genau diese Fragen, was ist der Gesellschaft eine hochwertige, praxisbezogene , Erfahrung vermittelnde Weiterbildung zum Facharzt, zur Fachärztin wert?, wie sind die Bedingungen für die Weiterzubildenden  u n d  für die Weiterbilder und für die Einrichtungen?  wer finanziert das?, wer kontrolliert das?  prägten den Verlauf einer hochkarätigen von der Journalistin Jacqueline Boyce moderierten zweistündigen Diskussion sowohl auf und zwischen Podium, Expertentisch und Plenum.

Nach Begrüßung durch den Geschäftsführer und einem kurzen Grußwort der Akademievizepräsidentin, Prof. Grüters-Kieslich, die sich dann im weiteren Verlauf auf dem Podium insbesondere zur Situation in den Uniklinika und zum internationalen Vergleich mit USA und GB  äußerte, folgte unser Vorstandsmitglied und Kammervorstand Werner Wyrwich mit eine Einführung in das Thema und einen Problemaufriss, der deutlich machte:

1. Die Weiterbildungsvoraussetzungen sind auf Grund des Ökonomisierungsdruckes in den Häusern noch schlechter geworden, weil viel zu wenig Weiterbilder für zu viele Weiterzubildende zuständig sind, schlicht die Zeit fehlt und sich deshalb bis zu 83% der Ärzte i. W. externe Weiterbilder einbeziehen, einbeziehen müssen.

2. Die Ausfinanzierungen durch DRGs (keine Abbildung der ärztlichen Weiterbildung) oder Landes- bzw. Bundesmittel fehlen, da muss was on top!  

3. In vielen Häusern fehlt eine Kultur des Weiterbilden dürfens, dass es eine Ehre und Freude sein muss, weiterzubilden. Ohne diese Kultur fehlen aber dann auch Strukturen, Kurrikula und ein verlässlicher Weiterbildungsablauf.

Dort, wo eine Drittfinanzierung möglich ist, wie im Charité Clinical Scientist Programm oder in einem rein der Daseinsvorsorge dienen Haus, wie dem Bundeswehrkrankenhaus, sind Bedingungen für eine qualitativ hohe Weiterbildung geschaffen worden.

Alle Beteiligten sprachen sich dafür aus, dass es neben einer modernisierten und bedarfsorientierten Musterweiterbildungsordnung unbedingt notwendig ist,  die Rolle der Ärzte in Weiterbildung zu stärken! Gerade durch den Einsatz des Marburger Bundes werden sie nicht mehr als unterbezahlte AiPler behandelt, sondern als vollwertige Ärzte, aber …und da liegt das Problem,  oftmals auch als solche voll inhaltlich und vor allem voll zeitlich eingesetzt, mit der Folge, dass dann kein Platz für Weiterbildung bleibt.

Grüters-Kieslich: „Jeder approbierte Arzt wird als VK (Vollkraft) behandelt und jeder Weiterbilder auch, aber wo soll das die Zeit für die Weiterbildung herkommen?“

Von der Qualität der ärztlichen Weiterbildung hängen ärztliche Fachkompetenz und letztendlich damit auch die Patientensicherheit maßgeblich ab. Wichtigste Voraussetzung ist dabei eine gute Weiterbildungsstätte mit guten Weiterbildern. Und hier sind die Landesärztekammern gefragt, zu evaluieren, zu hinterfragen und zur Not auch die Weiterbildungsbefugnis zu entziehen. Staatssekretär Krach zog an dieser Stelle den Vergleich mit der Freiheit der Wissenschaft, die jeder gern macht und dem Lehrauftrag, der auch oftmals wirklich nur als Auftrag notdürftig umgesetzt wird, und so scheint es ihm auch mit dem Weiterbildungsauftrag mancher Häuser und Weiterbilder zu sein.

Das Schlusswort hatte Armin Ehl, der HGF des Bundesverbandes, der einen doch optimistischen Ausblick wagte, nicht zuletzt wegen der heranwachsenden jungen emanzipierten Ärztegeneration, die sich lautstark meldet und auch in ihrem aber insbesondere im Interesse der PatientInnen eine qualitativ hochwertige Weiterbildung einklagt. Im Marburger Bund werden sie die besten Unterstützer finden!

Der Abend wurde musikalisch Begleitet von der Sängerin Helena Goldt und dem Gitarristen Konstantin Margaritis.

Das nächste FORUM Wissen und Gesundheit ist für Montag, d. 24. April 2017 geplant, wieder am gleichen Ort. Und das Thema wird sicher in unmittelbarer Abhängigkeit zum Urteil des Verfassungsgerichtes über unsere Klage gegen das Tarifeinheitsgesetz stehen.

Reiner Felsberg


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