"Sie müssen keine Angst haben"

Die 127. Hauptversammlung in Frankfurt/Main am 9./10. Mai

18.05.2015 – Auf der 127. Hauptversammlung des Marburger Bundes nahm unser Landesverband Berlin/Brandenburg mit 16 Delegierten teil. Viele Beschlüsse, unter anderem zu Themen wie der Koalitionsfreiheit, Krankenhausreform und Fort- und Weiterbildung, wurden gefasst und größten Teils auch auf den Deutschen Ärztetag eingebracht.....

Die Tagesordnung der 127. Hauptversammlung am 09./10.05.2015 in Frankfurt am Main bot ein breites Spektrum an Themen. Neben dem Bericht von Herrn Rudolf Henke als 1. Vorsitzenden stand das Tarifeinheitsgesetz im Fokus des ersten Sitzungstages. Der Lehrstuhlinhaber des Instituts für Völkerrecht und Europarecht an der Georg-August-Universität Göttingen, Herr Prof. Dr. Frank Schorkopf, wird den Marburger Bund vor dem Bundesverfassungsgericht vertreten, bei dem unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes Verfassungsbeschwerde eingereicht wird. Schorkopf verdeutlichte in seinem Vortrag anschaulich, weshalb das Tarifeinheitsgesetz einen massiven Eingriff in das Grundrecht der Koalitionsfreiheit darstellt. Die Koalitionsfreiheit ist im Grundgesetz ausdrücklich "für jedermann und für alle Berufe gewährleistet". "Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig." Gemessen an diesem hohen grundgesetzlich verbrieften Gut beschlossen die Delegierten, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aufzufordern, das Tarifeinheitsgesetz nicht zu beschließen, um die Tarifpluralität als verfassungsrechtlich vorgesehenen Normalfall zu erhalten.

Am Sonntag ging es dann bereits um 9:00 Uhr mit einem impulsiven und äußerst informativen Vortrag von Herrn Prof. Dr. Matthias Volkenandt zur kommunikativen Kompetenz im ärztlichen Alltag weiter. Prof. Volkenandt erläuterte anschaulich, warum auf die Aussage eines Patienten, er habe Angst vor einer Operation, der Arzt nicht antworten solle: „Sie müssen keine Angst haben.“ Stets sei ein Patient zuerst auf der emotionalen, danach auf der fachlichen Ebene anzusprechen. Nach diesem Vortrag waren alle Teilnehmer wach. Und es ging weiter mit dem durchaus nachdenklich stimmenden Vortrag von Herrn Prof. Dr. August Stich zum Thema „Medizin in Zeiten globaler Epidemien“ sowie des Berichts von Herrn Dr. Franz-Joseph Bartmann zum Sachstand der Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung.

Aus Sicht des Landesverbandes Berlin/Brandenburg ist der Bericht von Herrn Dr. Udo Wolter in seiner Funktion als Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer zur Teilnovellierung der Musterberufsordnung für Ärzte hervorzuheben. Ferner wurden aus dem Landesverband heraus drei Anträge auf der Hauptversammlung behandelt. So wurde der vom Landesverband und vom Bundesverband gemeinsam eingebrachte Antrag „Künftige Ausgestaltung der Beschäftigung von Gastärzten – Kein Verkauf von Weiterbildungsstellen“ durch die Hauptversammlung beschlossen. Daneben wurden die von unserem Mitglied Herrn Philipp Stachwitz eingebrachten Anträge „Position der Ärzteschaft zum Einsatz von Apps in der Medizin“ und „Besserer Zugang zu medizinischen Fachpublikationen für Ärztinnen und Ärzte“ angenommen.

Neben den vielen behandelten Themenbereichen, kam aber auch das kulinarische Wohl nicht zu kurz. Über den Dächern von Frankfurt am Main hatten die Delegierten und Hauptamtlichen bei einem „Flying Dinner“ und anderen Köstlichkeiten den Abend des 1. Sitzungstages ausklingen lassen.

Lars Grabenkamp, Dr. Markus Dreyer