FORUM Wissen und Gesundheit

Versorgungsstärkungs- oder Versorgungsschwächungsgesetz?

Gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht!

08.09.2015 – Am 7. September war es wieder so weit, der MB Landesverband hatte zum 8. FORUM in die Akademie der Wissenschaften eingeladen und über 40 Gäste der Berliner Fachöffentlichkeit diskutierten über bessere Patientenversorgung, flächendeckend und zeitnah. Dazu hatten auf dem Podium und am Expertentisch Vertreter aller Interessengruppen Platz genommen.....

Karin Stötzner, die Patientenbeauftragte des Landes Berlin, die Juristin Jessica Beyer von der Apo-Bank, Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD Fraktion in Berlin, Dr. Udo Wolter, Ärztekammerpräsident aus Brandenburg und MB Vorstandsmitglied, Florian Lanz vom GKV Spitzenverband, Dr. Werner Wyrwich vom Vorstand des Landesverbandes und Rolf-Dieter Müller, Berater des Senates und ehemaliger AOK –Vorsitzender, der auch am Anfang nach der Begrüßung mit seinem Intro in das etwas sperrige Thema einführte.

Klar war allen Beteiligten, dass das eigentliche brennende Thema z. Zt. die „Versorgungsstärkung für Flüchtlinge“ wäre, denn wer wie einige im Raum persönlich die Situation am LaGeSo in Augenschein genommen hat, weiß, dass es hier nur Dank der herausragenden Leistung von Ehrenamtlern überhaupt eine medizinische Grundversorgung der neuankommenden Flüchtlinge gibt. (s. Artikel v. Peter Bobbert)

Frau Professor Grüters-Kieslich, die als neue Vizepräsidentin der Berlin Brandenburgischen Akademie das Grußwort hielt, ging dann beim eigentlichen Thema primär auf die Herausforderung ein, dass gerade im ländlichen Bereich, wo eine flächendeckende Grundversorgung nicht mehr vorhanden ist, innovative Modelle, Netzwerkstrukturen und neue Versorgungsstrukturen benötigt werden….und ob das das neue Gesetz leisten kann, sollte Gegenstand der Diskussion des Abends werden.

Natürlich ging auch Rolf Dieter Müller auf diese Anforderungen an das Gesetz ein und gab in seinem Intro Anregungen und Fragestellungen für die Diskussion          

  • Wie können die Beteiligten Versorger sinnvoll die Vorgaben ausgestalten?
  • Wer löst dabei die berechtigten beruflichen und privaten Interessen der Versorger?
  • Wie kann im Rahmen delegierbarer Leistungen der einzelne Versorger unter Beibehaltung der Versorgungsqualität entlastet werden?
  • Wer realisiert die berechtigten Erwartungen der Patienten, die sich ja krankheitsbedingt in einer Ausnahme-Situation befinden?
  • Wer fühlt sich für die dauerhafte Finanzierung des Gesundheitssystems in Deutschland verantwortlich?

Allerdings nahm dann die Diskussion, die wieder einmal hervorragend von Jacqueline Boyce moderiert wurde,  im ersten Teil des Abends einen ganz anderen Verlauf. Denn die Kontroverse entspann sich hauptsächlich an der ärztlichen Zweitmeinung, die die einen als große Chance des Patienten nach mehr Therapiesicherheit aber auch der Leistungserbringer nach mehr evidenzbasierter Medizin lobten, die anderen als primär kostendämpfend motiviert und das Arzt-Patient-Vertrauensverhältnis gefährdend kritisierten, zumal noch nicht die einzelnen Therapieformen benannt sein.

Erst im 2. Teil des Abends, der wieder mit Musik der Swinging Partisans aufgelockert wurde, kamen Themen, wie Sektor übergreifende Versorgung, kommunale und Klinik-  und Hochschulambulanzen, sowie die stetig wachsende Rolle von MVZ zur Sprache und die Frage nach einer möglichst objektiven Bedarfsplanung. Hier hätte auch die Diskussion wesentlich kontroverser verlaufen können, wäre der Vertreter der KV, Dr. Kraffelt, wie angekündigt als Podiumsdiskutant anwesend gewesen.

  Alles in allem hat sich die am Anfang von der Moderatorin zur Abstimmung gestellte Frage, „wer findet das Gesetz eher Versorgung stärkend“, „wer findet es eher Versorgung schwächend“ in der Diskussion bestätigt, denn die Positionen hielten sich die Waage.

Und es  zeigt dem Veranstalter aber auch, dass es wahrscheinlich für dieses Veranstaltungsformat zu komplex ist, über ein Bundesgesetz zu debattieren. Hier wäre WENIGER, nämlich die Diskussion zu einem Thema die Patientenrechte, die Versorgungsstruktur oder die ärztlichen Selbstverwaltung betreffend  MEHR gewesen.

 So bestätigte sich für uns selbst auch ein wenig der eigene Untertitel der Veranstaltung: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, aber wir arbeiten daran!

Das nächste FORUM findet erst wieder am 25. April in der BBAW statt. Das Thema wird rechtzeitig bekannt gegeben. Wir freuen uns auf Ihr Interesse und auf die Weiterführung der Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften!

Reiner Felsberg
Geschäftsführer


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