FORUM Wissen und Gesundheit

Medizin ist eine soziale Wissenschaft – Berlin ist arm aber gesund?

26.04.2016 – Unter diesem Thema hat am 25. April das 9. FORUM Wissen und Gesundheit des Marburger Bundes Berlin/Brandenburg im Einsteinsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften vor diesem Mal fast vollem Haus stattgefunden.

Der Podiumsdiskussion stellten sich Mario Czaja (Senator für Gesundheit und Soziales), Dr. Günther Jonitz (Präsident der Ärztekammer Berlin) sowie Thomas Isenberg (MdA, Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD Fraktion im AH von Berlin). Durch den Abend begleitet wurde das interessierte Publikum durch die Moderation von Hannes Heine (Tagesspiegel), die musikalische Begleitung kam von Dimitri Dragilew und den Swinging Partisans.

Geschäftsführer Reiner Felsberg begrüßte die über 60 Gäste im Namen des Landesvorstandes und ging am Anfang auf den Zitatenmix des Titels ein. Zum einen das 1848-er Virchowzitat „Medizin ist eine soziale Wissenschaft und die Politik ist weiter nichts als die Medizin im Großen". das bis heute nicht an Bedeutung verloren hat, denn Armut macht krank, soziale Determinanten wie Arbeitslosigkeit, Einkommen, Bildung, soziale Einbindung und Partizipation haben Einfluss auf gesundheitliche Chancen.

Zum anderen war das abgewandelte Wowereitzitat mit „Berlin ist arm aber gesund?" im Veranstaltungstitel natürlich provokant gewählt und sollte an diesem Abend auf den Prüfstand der geladenen und von Herrn Felsberg vorgestellten Expertinnen und Experten: Aus der Charité die Sozialmedizinerin Frau Prof. Kuhlmey und der Leiter des Institutes für Public Health, Herrn Prof. Kurth, vom Öffentlichen Gesundheitsdienst, die Geschäftsführerin des BV des ÖGD und von der AOK der Geschäftsführer Versorgung, Herr Möhlmann.

In ihrem anschließenden Grußwort befürwortete Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich (Vizepräsidentin der BBAW) die Haltung des Marburger Bundes, dass die Medizin als soziale Wissenschaft verstanden wird und freute sich über die mittlerweile entstandene Tradition, dass das Forum Wissen und Gesundheit erneut in der Berlin-Brandenburgischen Akademie stattfindet. Herr Czaja eröffnete die Runde mit einem Resümee des bisher Erreichten und betonte insbesondere, dass in dieser Wahlperiode eine Vielzahl von Arztsitzen in schlechter versorgten Gebieten entstanden sind, in Bezug auf das Präventionsgesetz nannte er noch Umsetzungsbedarf bei einigen Beteiligten. Die Zusammenlegung von Gesundheit und Soziales in einem Ressort in Berlin bezeichnete er als vollen Erfolg. Isenberg kritisierte das System der GKV sowie der einseitigen Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge und bezeichnete dies als unsolidarisch. Dr. Jonitz sprach sich dafür aus, dass Prävention kein rein medizinisches Thema sei, sondern als breit angelegte Politik verstanden werden müsse. Auch die Position des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der jahrzehntelange Stellenabbau in diesem Gebiet wurden diskutiert.

Der Zusammenhang zwischen niedriger Bildung und Gesundheit ist klar erkennbar, darüber waren sich alle Beteiligten einig. Als Basis für die Entwicklung der Gesundheit ist eine gute Prävention essentiell. Es kann nicht allein Aufgabe der Ärzte und der Medizin sein, präventiv tätig zu werden, sondern es ist vielmehr eine gesamtpolitische Aufgabe. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle, so unter anderem auch Bildung und Arbeit. Herr Czaja setze den Schlusspunkt, dass Prävention Aufgabe der öffentlichen Hand ist und das Land bereit ist, materielle Mitverantwortung für die Prävention zu übernehmen.

Hannes Heine resümierte den Abend mit 3 Forderungen:

  1. Wir brauchen eine Kampagne für den öffentlichen Gesundheitsdienst, für die 3. Säule der Gesundheitsversorgung, die gerade den sozial Schwachen zu Gute kommt
  2. Wir brauchen eine Bildungsoffensive in unserer Stadt mit Gesundheitsthemen bis hin zu einem Gesundheitsunterricht an den Schulen
  3. Das Land Berlin muss noch mehr auf Prävention setzen. Denkbar sind im Rahmen des Präventionsgesetzes Angebote von Ärztenetzwerken, die sich dem Präventionsschwerpunkt im Vorfeld der Krankheitsbehandlung widmen.

Einig waren sich alle: Medizin ist eine soziale Wissenschaft...und auch in einem zukünftigen Senat gehören die Ressorts Gesundheit und Soziales zusammen.

Und: Berlin ist arm, aber noch nicht gesund genug....da bleibt noch viel zu tun.

Das nächste Forum Wissen und Gesundheit findet am 10.10.2016 um 19:00 in der BBAW zum Thema
„Ärztliche Weiterbildung" statt. Alle sind wieder herzlich eingeladen!

Sebastian Hofer
Verbandsjurist


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