Dr. Marco Danne

Oberarzt für Neurochirurgie in der Neurochirurgischen Klinik des Unfallkrankenhauses Berlin

Schon zu Beginn meines Medizinstudiums bin ich Mitglied des Marburger Bundes geworden. Um ehrlich zu sein zunächst nur, um die vielen Vorteile und versicherungstechnischen Vergünstigungen für Studenten zu nutzen. Nach dem Studium schloss sich die Weiterbildungszeit zum Facharzt für Neurochirurgie in der Charité an.

Der Marburger Bund – ein zuverlässiger Partner bei der Tarifarbeit

Hier erlebte ich neben der an „moderne Sklaverei" erinnernden AiP-Phase dann auch die nüchterne Realität der Berliner Tarif- und Arbeitszeitpolitik als Assistenzarzt.

Im Jahre 2005 - auf dem Höhepunkt der Unzufriedenheit der Ärzteschaft – wurde mit Hilfe des Marburger Bundes der erste bedeutsame Ärztestreik an der gesamten Charité organisiert, der letztendlich eine neue Phase in der Tarifpolitik einleitete. Der Marburger Bund wurde unsere „Gewerkschaft". Es wurde erstmals ein arztspezifischer Tarifvertrag ausgehandelt. An diesem Punkt wurde mir bewusst, dass ich über die Tarifarbeit des Marburger Bundes die Tarifpolitik aktiv mit gestalten könnte. In der Folge wurde es uns an der Charité auch möglich, das EuGH-Urteil zur Arbeitszeit durch Entwicklung klinik- und fachabteilungsspezifischer Arbeitszeitmodelle tatsächlich umzusetzen. Dies wiederum führte auch zu einer Optimierung der Zeiterfassungssysteme. Letztendlich resultierte die weitgehende Zufriedenheit der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen.

Nach meinem Wechsel an das Unfallkrankenhaus Berlin 2008 sah ich mich aber nun wieder mit einem völlig veralteten Haustarifvertrag aus dem Jahre 1997 konfrontiert. Der Unmut der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen war enorm und deutlich bei der täglichen Arbeit zu spüren. Auch hier war es uns aber 2010 möglich im Rahmen der Tarifkommission des Marburger Bundes, einen neuen Tarifvertrag zu gestalten, der in den nachfolgenden Tarifverhandlungen an anderen Krankenhäusern und Klinikkonzernen quasi als Mustertarifvertrag verwendet werden konnte. Neben der Vereinfachung der Tarifstruktur mit mehr Transparenz, einer adäquaten linearen Gehaltserhöhung und einer optimalen Vergütung von Bereitschaftsdiensten konnten aber auch viele sinnvolle und familien- bzw. arbeitnehmerfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. 2012 gelang uns das erneut.

In den letzten 10 Jahren hat die interessierte und aktive Ärzteschaft im Bereich der Tarifpolitik schon sehr Vieles bewegen können. Große Aufgabe stehen ihr aber auch noch weiterhin bevor. Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen, dass eine aktive Mitgestaltung am Ende nicht nur lohnenswert, sondern auch durchaus erfüllend und sehr interessant ist.

Mit dem Marburger Bund als verlässlichen Partner unter anderem bei der Tarifarbeit und bei Tarifverhandlungen kann viel erreicht werden. Allerdings funktioniert das System nur, wenn viele Kolleginnen und Kollegen auch bereit sind, aktiv an der Gestaltung unserer ärztlichen Tätigkeit teilzunehmen. Jeder kann und sollte in irgendeiner Form dazu beitragen, dass wir uns ohne existenzielle Sorgen ausschließlich unserer Hauptaufgabe widmen können, der Behandlung unserer Patienten.


Kurzvita

  • seit 2011 Oberarzt.
  • Seit 2008 Tätigkeit als Facharzt für Neurochirurgie in der Neurochirurgischen Klinik des Unfallkrankenhauses Berlin
  • Promotion an der Charité – Berliner Hochschulmedizin
  • 2002 – 2008 Weiterbildung zum Facharzt für Neurochirurgie in der Neurochirurgischen Klinik, Charité – Campus Benjamin Franklin
  • 1995 – 2002 Studium der Humanmedizin an der Freien Universität Berlin / Charité – Berliner Hochschulmedizin
  • geboren 1975 in Berlin.

  • seit 2013 Prüfer für den Fachbereich Neurochirurgie.
  • Seit 2012 Delegierter des Marburger Bundes und seit 2013 Vorstandsmitglied des Landesverbandes Berlin/Brandenburg
  • Seit 2011 Mitglied im Weiterbildungsausschuss IV der Ärztekammer Berlin und
  • Seit 2010 Mitglied der Tarifkommission des Marburger Bundes im Unfallkrankenhaus Berlin.
  • 2006 – 2008 Beauftragter Polypoint-PEP-System und Arbeitszeitmodell- und Dienstplangestaltung. 2007 – 2008 Mitglied des Klinik- und Institutrates der Neurochirurgischen Klinik der Charité und des Zentrumsrates CC15 der Charité.