Franz-Josef Dieste

Ltd. Oberarzt in der Neurologischen Klinik des Helios-Klinikum Berlin Buch

Nach Beendigung meines Studiums im Frühjahr 1988 gehörte ich zur letzten Gruppe von Ärzten vor Einführung des AIP. Entsprechend schwierig gestaltete sich damals in Westdeutschland eine Assistenzarztstelle zu finden, da viele Kliniken statt einem Assistenten lieber drei preiswertere AIPs einstellen wollten.

Dies führte zu einem erheblichen entwürdigenden Bewerbungsmarathon, um im gewünschten Fach als Berufseinsteiger eine Vollzeitstelle zu erhalten. Es war auch nicht unüblich, Angebote als Gastarzt zu erhalten, um dann ggf. doch irgendwann zunächst für einige Monate einen befristeten Vertrag zu bekommen.

In meiner neurologischen Weiterbildung war mein erster Chef Gründungsmitglied des MB gewesen und hat seinen Assistenten einen guten Arbeitsvertrag und Poolbeteiligung an Privatpatienten zukommen lassen, was damals eine Seltenheit darstellte. Die weitere Ausbildung war dann aber durch heute kaum noch vorstellbare Wochenarbeitszeiten von über 100h und Bereitschaftsdienste bis zu 48h ohne Ausgleich gekennzeichnet. Dies war damals leider üblich und wurde kaum hinterfragt.

Auch während der nachfolgenden Jahre haben Stellenmangel, Ausnutzung ärztl. Arbeitskraft, fehlende Bezahlung von Ü-h , ständige Befristung von Arbeitsverträgen

und eine mannigfaltige Bürokratisierung  zum Alltag gehört.

Seit 2004 hat dann im Bereich der Ärzteschaft, zunächst an den Uni-Kliniken ein erhebliches Umdenken eingesetzt, das dann letztendlich zum Abschluß arztspezifischer Tarifverträge geführt hat, was 15 Jahre vorher undenkbar erschien.

Wir haben am HKBB gegen erhebliche Widerstände 2005 zunächst eine Ärzteinitiative gegründet, die durch Demonstrationen den Abschluß eines TV zwischen Helios und dem MB unterstützt hat, nachdem wir in den vergangenen 5 Jahren keinerlei Gehaltssteigerungen bekommen hatten.

Tarifverträge und ihre Umsetzung vor Ort sind verschiedene Dinge. Wir sind daher als Ärzteinitiative v.a aus MBlern mit mehreren Sitzen in den Betriebsrat gewählt worden, um hier als Arbeitnehmervertreter mehr auch rechtliche Durchschlagskraft zu haben. Es gibt immer wieder erhebliche Konflikte, sei es die Bezahlung von Überstunden, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes oder wie akt die Kündigung von 15 ärztl. Kollegen/innen aus angeblich wirtschaftlicher Notwendigkeit, die dann im Gegenzug zur Kündigung der opt-out Regelung von mittlerweile über 190 Kollegen geführt hat.

Die Verbesserung der oben beschriebenen bis in das letzte Jahrzehnt reichenden katastrophalen Arbeitsbedingungen, welche die allermeisten Kollegen/innen meiner Generation in dieser oder ähnlicher Form erleiden mussten  ist neben initialer ärztl. Eigeninitiatve m. E. in erster Linie dem MB und seiner Tarif- und Öffentlichkeitsarbeit zu verdanken.

Ohne eine selbstbewusste und gut organisierte konfliktbereite Organisation der Ärzteschaft im MB werden wir keine weiteren Verbesserungen erzielen und Erreichtes rasch verlieren. Die zunehmende rein wirtschaftliche  Orientierung der Krankenhausträger stellt uns vor die Aufgabe, unsere eigenen berufspolitischen Interessen im Hinblick auf Vergütung, Arbeitszeiten und last not least Patientenorientierung als ganz maßgebliche Berufsgruppe im Krankenhaus mit noch mehr gewerkschaftlicher Schlagkraft zu formulieren und durchzusetzen.


Kurzvita

  • Seit 1994 Tätigkeit zunächst als Facharzt, seit 1995 als ltd. OA  in der Neurologischen Klinik des zunächst städtischen Klinikums Berlin –Buch, seit 2001 als Helios-Klinikum Berlin Buch in privater Trägerschaft
  • Nach einer neurologischen Assistentenzeit in West- und Süddeutschland 1988-92 Wechsel nach Berlin in die Allgemeinpsychiatrie der damaligen KBON. 1994 Facharztprüfung zum Arzt für Neurologie
  • Studium der Humanmedizin in Marburg und Münster 1982-1988
  • Jahrgang 1960, verheiratet, 2 Kinder