Ameos

„AMEOS Bremerhaven, Geestland lehnt Tarifverhandlungen mit dem MB ab.“

von Dr. Heidrun Gitter

04.04.2017 – Fake News: „Tarifverhandlungen“ bei Ameos

Zwei Jahre hat die Geschäftsführung der AMEOS Klinik Bremerhaven, Geestland es nicht für nötig gesehen, die Entgelte der Ärztinnen und Ärzte anzupassen, obwohl wir schriftlich dazu aufgefordert haben.

Nach dem letzten Schreiben hat die Geschäfts­­führung Ende 2016 Kontakt zum MB LV Bremen aufgenommen hatte, um ein Tarifgespräch zu führen. Wir hatten den Eindruck, dass sie selber gesehen haben, dass es so nicht weitergehen konnte. Schließlich waren schon etliche Ärztinnen und Ärzte wegen der im Vergleich zu anderen Klinken deutlich schlechteren Bezahlung gegangen. AMEOS hat in den vergangenen zwei Jahren keine Tarifanpassungen vorgenommen.  In dem ersten Gespräch, zunächst mit den Vertreter/innen der Ärztinnen und Ärzte der drei Kliniken und der Juristin sowie der 1. Vorsitzenden des MB-LV Bremen, wurde angekündigt, man könne sich zwar 2016 noch nicht bewegen, wolle aber ab 1.7.2017 die Entgelte auf das Niveau des dann gültigen TVÄ/VKA heben. Weitere Anhebungen wolle man verhandeln und man möchte auch über den Manteltarifvertrag verhandeln. Auf unsere explizite Nachfrage, dass man also einen Haustarifvertrag für die drei Klinken Ameos Bremerhaven (Joseph-Hospital und Bürgerpark) und Seepark Geestland verhandeln wolle, wurde dies bestätigt. Über die  Bereitschaftsdienstregelungen des TVÄ/VKA hinsichtlich Arbeitszeit- und Vergütungssystematik -als unsererseits notwendigen Bestandteil eines solchen Tarifvertrages- hinaus, ist es zwingend erforderlich über eine Kompensation der fehlenden Tariferhöhungen der vergangenen Jahre zu verhandeln. Wir hatten hierzu angeboten, offen für spezifische Regelungen zu sein, die den Häusern auch ein Alleinstellungsmerkmal geben könnten, z.B. durch Vereinbarungen zur Übernahme von Fortbildungskosten oder Kosten für Weiterbildungskurse, aber auch Begrenzungen von Rufdiensteinsätzen. Die Vorschläge wurden von der Arbeitgeberseite gerne aufgenommen, man bat um Zusendung des TVÄ/VKA, was auch prompt erfolgte.

Nachdem die endgültige Terminvereinbarung zunächst etwas schwierig war und wir schon eine Verzögerungstaktik vermutet haben, erklärten uns gegenüber sowohl Herr Dr. Timm als auch Herr Dieckmann, mit den Landesverbänden des Marburger Bundes Niedersachsen und Bremen Tarifverhandlungen führen zu wollen und wir vereinbarten einen neuen Verhandlungstermin für den 30.3.17. Man wollte ein mündliches Angebot vorlegen.

 Letzte Woche Donnerstag war es dann soweit. Die Vertreter der Landesverbände des Marburger Bundes Niedersachsen und Bremen als auch die ärztlichen Vertreter waren gespannt ,zumal in den Kliniken bereits verbreitet worden war, dass es ab 1. Juli 2017 Tariferhöhungen geben soll, obwohl wir noch nicht einmal die Verhandlungen begonnen hatten. Bereits nach einer kurzen Vorstellungsrunde eröffnete uns Herr Dieckmann dann, dass man mit dem Marburger Bund keinen Tarifvertrag abschließen wolle! Wir haben darauf festgestellt, dass man dann die Runde auch umgehend verlassen könnte. Wir haben nachdrücklich unser Erstaunen über diesen absolut unüblichen Vorgang zum Ausdruck gebracht, dass man zu Tarifverhandlungen bittet, um diese dann doch nicht führen zu wollen. Dies ist ein Affront sowohl gegenüber den Ärztinnen und Ärzten aber auch gegenüber dem Marburger Bund als Vertreter dieser Beschäftigten.

 Die Arbeitgeberseite will die tariflichen Anpassungen zum 1. Juli 2017 vornehmen, jedoch weder eine Kompensation für die Vergangenheit noch spezielle Regelungen für die Kliniken vereinbaren, wie es beabsichtigt war. Das sind Entgelterhöhungen nach Gutsherrenart. Man zahlt, wenn man meint zahlen zu müssen, und wenn man nicht will, lässt man es einfach. So wie AMEOS es auch in den letzten zwei Jahren gehalten hat. Das ist kein angemessenes Verhalten gegenüber den Ärztinnen und Ärzten, die jeden Tag ihr Bestes geben, um die Patientenversorgung und damit auch den guten Ruf des Hauses zu sichern. Diese Situation kann nur mit einem Haustarifvertrag mit AMEOS beendet werden, mit klaren Spielregeln bezüglich der Tarifentwicklungen.

Im Übrigen: Wie wir noch am Tag nach dem Gespräch erfahren konnten, hat Ameos für die Häuser in Bremerhaven und Debstedt/Geestland unmittelbar vor unserem Gespräch einen Tarifvertrag mit Ver.di abgeschlossen, in dem es vor allem um den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich der Kliniken ging. Offenbar gilt hier nicht der Satz: „Wir verhandeln nicht mit Gewerkschaften.“

Wie geht es nun weiter? Nach kurzer Beratung der Verhandlungskommission sind wir übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass nun der noch bestehende alte Haustarifvertrag, der noch mit dem vorherigen Träger vereinbart worden war, gekündigt werden soll, um die Aufnahme von Tarifverhandlungen erzwingen zu können. Dies ist nun erfolgt. Der Tarifvertrag ist mit Unterschrift der Vorsitzenden der MB Landesverbände Niedersachsen und Bremen gekündigt worden. Auf der schon terminierten Mitgliederversammlung werden wir Sofortmaßnahmen beraten. Nur wenn wir für unser Recht auf einen eigenen arztspezifischen Tarifvertrag auch bei Ameos einstehen und mit intelligenten Mitteln dafür kämpfen, können wir die Arbeitsbedingungen der beschäftigten Ärztinnen und Ärzte in den AMEOS-Kliniken sichern und fortentwickeln.

Die Bürgerinnen und Bürger von Bremerhaven und Umgebung brauchen die ärztliche Versorgung an den Ameos-Kliniken, deshalb ist es im Einklang mit ärztlichem Grundverständnis, sich für Arbeitsbedingungen einzusetzen, die den Weggang von Ärzten verhindert und die Neugewinnung von Nachwuchs ermöglicht!