129. Hauptversammlung

Ärzte: Medizinstudium stärker am späteren Arbeitsalltag ausrichten

Marburger Bund lehnt Landarztquote im Auswahlverfahren ab

Hamburg, 21.05.2016 – In der aktuellen Debatte über die geplante Reform des Medizinstudiums (Masterplan Medizinstudium 2020) darf der Fokus nicht aus­schließlich auf die landärztliche Versorgung gelegt werden. "Zu einem guten Arzt werden angehende Mediziner durch eine breit gefächerte Ausbildung und nicht durch verpflichtende Abschnitte in der Allgemein­medizin. Jede Form von Zwang wird nicht zu dem vom Gesetzgeber gewünschten Ergebnis führen", bekräftigte der Marburger Bund auf seiner 129. Hauptversammlung in Hamburg. Auch die Einführung einer „Landarztquote“ im Rahmen der Vorabquote des Zulassungsverfahrens zum Medizinstudium lehnten die Delegierten ab. Stattdessen forderten sie ein von Versorgungsgesichtspunkten vollständig unabhängiges Auswahlverfahren.

Ziele der Reform müssten eine Verbesserung der ärztlichen Ausbildung insgesamt unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus Modellstudiengängen und eine kurzfristige Erhöhung der Studienplatzkapazitäten um mindestens 10 Prozent sein. Das Medizinstudium sollte von Beginn an universell und kompetenzbasiert gestaltet werden und müsse sich mehr am späteren Alltag in den Kliniken und Einrichtungen der ambulanten Versor­gung ausrichten. "Die Studierenden müssen fächerübergreifend ausgebildet werden und von Beginn an mit Patienten und realen Behandlungsgeschehen in Berührung kommen", forderte der größte deutsche Ärzteverband.