Ärztekammer Nordrhein – 5. Kammerversammlung

Studenten fordern mehr Praxisnähe im Studium

Themenschwerpunkt „Masterplan Medizinstudium 2010"

Düsseldorf, 13.04.2016 – mhe. Arzt zu sein – das ist zweifellos einer der schönsten Berufe der Welt. „Es ist ein Beruf mit langer Tradition, der über unverwechselbare Alleinstellungsmerkmale verfügt. Schon unsere Medizinstudenten setzen viel Herzblut, Schweiß und hoffentlich wenig Tränen ein, um einen ganz besonderen Beruf zu ergreifen“, erklärte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke in der 5. Kammerversammlung. Diese setzte mit der Reform des Medizinstudiums auf der Tagesordnung für den beruflichen Nachwuchs einen thematischen Schwerpunkt. „Wir stellen uns damit der Verantwortung für die nachwachsende Generation von Ärztinnen und Ärzten.“

„Der Arztberuf ist ein Freier Beruf und kein Gewerbe“, untereich Rudolf Henke. Ärztinnen und Ärzte sind mehr als Experten für Gesundheit und Krankheit, sie sind Personen des Vertrauens für ihre Patienten. Den guten Arzt, die gute Ärztin zeichnet neben der medizinischen Fachkompetenz eine ethisch fundierte Haltung aus. Die Patienten ernst nehmen, Fürsorge und Respekt aufbringen, dialogfähig sein, die eigene Grenzen erkennen – das sind nur einige der wesentlichen Elemente unseres Leitbildes vom Arztberuf, und allein das ist schon ein anspruchsvolles Profil!“

Lauritz Blome von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland bilanzierte als Gastredner die Qualität des derzeitigen Studiums der Humanmedizin: „Das Studium ist ins einer jetzigen Form zwar bis in das kleinste Detail geregelt, gleicht damit aber einem mehr theoretischen als praktischen Abarbeiten von Pflichten, die die Kernkompetenz des Arztberufes nur am Rande streifen. Theorie und Auswendiglernerei stehen im Vordergrund. Das Resultat ist die mehr schlecht als rechte Vorbereitung auf die Assistenzarztzeit, die als das ,große Leiden’ bekannt ist.“

Was muss also geschehen, damit Ärzte schon zu Beginn der Assistenzarztzeit gut ausgebildet sind? Alle sind sich einig, das Studium soll praxisnäher werden. Die Medizinstudierenden wünschen sich, dass das Studium von unnötigem Facharztwissen befreit und auf ein Kerncurriculum fokussiert wird. „Es bedeutet, nicht nur Wissen abzufragen, sondern auch ärztliche Kompetenzen abzuprüfen. Dafür brauchen wir letztlich auch kompetenzorientierte Prüfungen, die fächerübergreifende Fähigkeiten wie etwa das Sonografieren abprüfen“, betont Lauritz Blome.

In den Fokus des Studiums sollte auch kommunikative Kompetenzen stärker genommen werden. „Ohne Grundlagen der ärztlichen Übergabe, Anamnese oder Gesprächsführung anwenden zu können, werden wir unserem Patienten keinen guten Dienst tun. Unser Ziel ist eine möglichst hohe Behandlungsqualität für den Patienten.“

Ins Auge gefasst haben die Medizinstudierenden auch das Zulassungsverfahren: „Unumstritten ist, das derzeit nur die Leistungsfähigsten unter den Abiturienten oder die Geduldigsten einen Studienplatz erhalten.“ Nach der derzeitigen Quotierung können 60 Prozent der Plätze durch individuelle Auswahlverfahren der Hochschulen erfolgen. 20 Prozent gehen an die Besten eines Abiturjahrgangs und 20 Prozent erhalten die Geduldigsten. Immerhin sieben Jahre müssen die Geduldigsten warten.

Kritisch sehen die Medizinstudierenden die Bedeutung der Noten: „Eine gute Abiturnote sagt mitnichten etwas über charakterliche oder persönliche Eignung zum Arztberuf aus. Eine Eins in Kunst versetzt mich eben nicht in die Lage, ein sechsjähriges Studium zu wuppen“, erklärte Lauritz Blome.

„Wir brauchen deshalb eine Zulassung, die unter den besten fünf Bewerbern, die auf jeden Studienplatz kommen, den geeignetsten auswählt und den übrigen faire Möglichkeiten gibt, ihre Chancen zu verbessern ohne untätig warten zu müssen.“

Die Bundesvertretung der medizinstudierenden fordert daher, die Abschaffung der Quotierung und die Einführung einer bundesweit einheitlichen Zulassung, die neben der Abiturnote auch Medizinertests, Freiwilligendienste und Berufsausbildung in Gesundheitsberufen einbezieht. Das Abitur soll einen soliden Stellenwert bei der Zulassung behalten, muss aber durch andere Faktoren auch ausgleichbar sein.“
Die nordrheinische Kammerversammlung fasste drei Beschlüsse zum „Masterplan Medizinstudium 2010“ und zum Praktischen Jahr, die Sie im Wortlaut auf der nächsten Seiten abgedruckt finden.