Ärztekammer Nordrhein - 6. Kammerversammlung Teil I

Therapeutische Gespräche werden angesichts der Digitalisierung noch an Bedeutung gewinnen

Rudolf Henke: Ärztliches Berufsbild wandelt sich / Realität hat Fernbehandlungsverbot bereits überholt

Düsseldorf, 29.11.2016 – mhe. Es ist wohl keine Frage, an der Digitalisierung kommt niemand vorbei. „Digitale Technologien sind nicht mehr Hilfsmittel zu einem Zweck, sondern sie strukturieren und prägen die Handlungsweisen der Menschen. Der Zugang des Menschen zur Welt vollzieht sich zunehmend über Bildschirme und Dateneinheiten. Derartiges Nutzerverhalten löst einst fest etablierte Grenzen auf, etwa die Grenzen zwischen Medizin und Lifestyle“, sagte der nordrheinische Kammerpräsident Rudolf Henke in seinem Bericht zur Lage vor der jüngsten Kammerversammlung im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Veränderungen betreffen nicht nur Patienten: Sie werden vom Gesundheitsempfänger zum Selbstoptimierer. Für uns Ärzte wandelt sich das ärztliche Berufsbild!“

Die Digitalisierung ist in der Medizin schon angekommen: „Teleradiologie, Telediabetologie, Telechirurgie, Telerehabilation, Telecoaching - ihnen ist gemeinsam, das ärztliche Tätigkeiten mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel über eine räumliche Distanz hinweg auch ohne direkten persönlich erlebbaren Austausch zwischen Ärzten untereinander und zwischen Ärzten und Patienten möglich werden“, erklärte Rudolf Henke weiter. „Zwar setzt uns das Fernbehandlungsverbot in der ärztlichen Berufsordnung klare Grenzen, jedoch sind diese durch die Realität in mancher Hinsicht schon überholt.“

„Ich glaube, das viele der neuen digitalen Anwendungen Fortschritte bringen werden, nehmen wir computergestützte Systeme, die vermehrt Eingang in die medizinische Diagnostik finden. Die Flut an medizinischen Daten lässt sich doch ohne Rückgriff auf Hilfsmittel dieser Art immer schwerer bewältigen.“

Der nordrheinische Kammerpräsident sieht auch vorteilhafte Chancen, dass durch Anwendungen der Digitalsierung die ärztliche Bürokratielast gemindert, die Patientenbehandlung optimiert oder ärztliche Arbeitszeit effektiv gespart wird.
„Nur eins ist zentral, die ganzheitliche Betrachtung des Patienten durch uns Ärztinnen und Ärzte kann man mit der digitalen Technologie nicht ersetzen. Kern ärztlicher Tätigkeit im Rahmen der Digitalisierung bleibt insbesondere das therapeutische Gespräch und die Arzt-Patienten-Interaktion. Und diese sind nicht nur unersetzbar, sondern ich glaube, sie werden im Rahmen der Digitalisierung noch an Bedeutung gewinnen!“

Der Glaube an das technisch Machbare kann aber auch Risiken hervorrufen, mahnte Rudolf Henke, ganz zu schweigen von den Herausforderungen, die sich uns für den Datenschutz und die Datensicherheit im Gesundheitswesen stellen. „Ich erinnere hier nur an die Cyberattacken auf Krankenhäuser.“