Resolution der Ärztekammer Westfalen-Lippe

Ärzteparlament verabschiedet Forderungskatalog zum Masterplan 2020

Mehr Studienplätze / Neue Zugangskriterien / Pflichtteile im PJ motivieren nicht

Münster, 21.12.2016 – Nach einer vor allem von den Delegierten des Marburger Bundes geführten kritischen, intensiven Debatte über die geplante Reform des Medizinstudiums im westfälisch-lippischen Ärzteparlament hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe in der jüngsten Kammerversammlung die nachfolgende Resolution zum „Masterplan Medizinstudium 2020“ verabschiedet. Ohne ausdrückliche Nennung der Landarztquote wurden alle Kritikpunkte des MB an der bisherigen Reform berücksichtigt. Die Resolution wurde ohne Gegenstimmen von dem 121-köpfigen Ärzteparlament auf den Weg gebracht. Erst, wenn dieser Forderungskatalog berücksichtigt ist, könne der Masterplan 2020 der Grundstein für eine hochwertige medizinische Ausbildung sein. Der Resolutionstext folgt im Wortlaut: „Die Ärztekammer Westfalen-Lippe setzt sich für eine qualitativ hochstehende Ausbildung des medizinischen Nachwuchses ein, denn diese ist der Grundstein für eine hochwertige Versorgung der Patienten. Die Pläne der Bund-Länder-AG der Wissenschafts- und Gesundheitsminister zur Reform des Medizinstudiums, also der Masterplan 2020, kann und soll die Basis für eine Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte sein, die die notwendige Qualität in der Patientenversorgung gewährleistet.

Einem möglichst frühzeitigen Praxisbezug im Studium kommt eine entscheidende Bedeutung zu, angehende Ärztinnen und Ärzte müssen umfassend auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten vorbereitet werden.

Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe verabschiedet nachfolgenden Forderungskatalog zur Verbesserung der medizinischen Ausbildung:

1. Mehr Studienplätze!
Heute gibt es weniger Medizinstudienplätze als Mitte der 90er-Jahre. Diese künstliche Verknappung ist ein wesentlicher Grund für den Ärztemangel. Derzeit werden jährlich rund 10.600 Studierende zum Medizinstudium zugelassen, es müssten jedoch mindestens 16.000 Studienplätze pro Jahr zur Verfügung stehen.

Der Versorgungsbedarf steigt, auch die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und die geänderten Vorstellungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf einer neuen Ärztegeneration erfordern es, die ärztliche Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Die Bundesländer kommen mit der Schaffung neuer Studienkapazitäten nicht nach, sie erfüllen in diesem wichtigen Bereich der Daseinsvorsorge nicht ihre gesellschaftliche und gesundheitspolitische Verantwortung.

2. Andere Zugangsbedingungen zum Medizinstudium!
Der Nachwuchs in der Patientenversorgung wird dringend benötigt, deshalb muss die derzeit zu starke Fokussierung auf die Abiturnote aufgegeben werden. Das Abitur sollte zwar Basis bleiben, aber die Note hat zu starkes Gewicht. Soziales Engagement und bereits abgeschlossene Ausbildungen in Medizinberufen müssen in einem neuen Kriterienkatalog stärker berücksichtigt werden.

3. Stärkere Universitäten!
Die Hochschulen müssen bei der Studienplatzvergabe gestärkt werden. Sie haben die Möglichkeit, Studierende selbst auszuwählen. Es ist wünschenswert, dass sich die Universitäten dieser Verantwortung stellen und dabei den Aufwand für erweiterte Auswahlgespräche als Chance nutzen, um Studierende auszuwählen, die nach ihrer Ausbildung tatsächlich in der Patientenversorgung arbeiten, statt nach dem Studium sofort in alternative Berufsfelder oder ins Ausland abzuwandern.

4. Praktisches Jahr!
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe stellt fest: Pflichtteile im Praktischen Jahr, egal ob als Tertiale, Quartale oder Prüfungen, führen nicht zu einer Motivation für einen späteren Tätigkeitsbereich. Im Praktischen Jahr soll es auch eine Zeit der freien Orientierung geben. Es gilt darüber hi­naus, die Allgemeinmedizin im Kanon der medizinischen Fächer zu stärken, denn die Allgemeinmedizin ist ein Rückgrat der ambulanten Versorgung. Insbesondere müssen alle Medizinischen Fakultäten über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügen.“