Hauptversammlung 2017

Notfallversorgung in Not – brauchen wir eine dritte Säule?

Delegierte aus 26 Bezirken treffen sich am 23. September in Köln / Namhafte Referenten

Köln, 14.09.2017 – „Die Notfallversorgung im Spannungsfeld ambulanter und stationärer Versorgung - brauchen wir eine dritte Säule der ärztlichen Versorgung?“ - so lautet das Kernthema der diesjährigen Hauptversammlung des Marburger Bundes NRW/RLP. Über 100 Delegierte aus den 26 Bezirken des Marburger Bundes in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz treffen sich am Samstag in der kommenden Woche (23. September) ab 10:00 Uhr im Marriott Hotel in Köln (Johannisstraße 76-80). Am Tag vor der Bundestagswahl begrüßen die beiden Vorsitzenden des Marburger Bund NRW/RLP, Dr. med. Hans-Albert Gehle und Michael Krakau, in Köln namhafte Referenten: Markus Baacke (Stellv. Ärztl. Leiter Zentrum f. Notaufnahme Brüderkrankenhaus Trier), Dr. med. Andreas Gassen (Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung), Dr. med. Henrik Herrmann (1. Vorsitzender Marburger Bund Schleswig-Holstein), Dr. med. Jochen Jansen (Medisch Manager Ambulancesorg Zuid Limburg) und Thomas Reumann (Präsident Deutsche Krankenhausgesellschaft). Auf der weiteren Tagesordnung stehen das Thema Tarifeinheitsgesetz und die turnusmäßigen Vorstandswahlen.

Wie wohl kaum ein anderes Thema hat in diesem Jahr der Ansturm auf die Ambulanzen der Krankenhäuser gesundheitspolitische Debatten geprägt. Die anfänglich hitzige Debatte hat sich mittlerweile versachlicht. Unsere Vorschläge mündeten in einen konstruktiven Dialog zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Marburger Bund. Diesen wollen wir im Rahmen der Hauptversammlung weiter intensivieren.

Die Versorgung von Notfällen erfolgt traditionell strikt getrennt zwischen Krankenhäusern und der ambulanten Notfallversorgung, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) organisieren. Alle Versuche der Kassenärztlichen Vereinigungen in den vergangenen Jahren innerhalb der Sektorgrenzen Verbesserungen zu erzielen, haben nur zu einer Problemverlagerung geführt. Vielerorts wurde eine Zentralisierung von Notdienstpraxen an Klinikstandorten begonnen. In vielen KV-Bezirken erhöhte sich dadurch nur die Belastung der Klinikärzte deutlich.

Realität ist: Die Zahl der Notfallpatienten wächst unaufhörlich weiter. Eine seit Jahren feststellbare Entwicklung, die nicht nur in Deutschland zu beobachten ist. Kliniken müssen mittlerweile jährlich über acht Millionen Notfälle versorgen, erwirtschaften mit der Versorgung von Notfällen immense Defizite. Die Notfallambulanzen in Krankenhäusern sind hoffnungsvoll überfüllt, Krankenhausärzte enorm überlastet, und dies auch zu den Zeiten, in denen niedergelassene Kollegen ihre Praxen geöffnet haben. Wie sähe eine Lösung aus?

Da bisher alle Versuche der nachhaltigen Neuorganisation an den Grenzen der beiden Sektoren gescheitert sind, ist nach Ansicht des Marburger Bundes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz eine völlige Neustrukturierung der Notfallversorgung erforderlich. Wir brauchen sektorübergreifende, neue Konzepte zur Notfallversorgung.

Welche Folgen hat die bisherige Entwicklung für Krankenhäuser? Kliniken erleiden erhebliche Verluste, denn die durchschnittlichen Kosten eines Notfalls in einer Klinik liegen bei 130 Euro, erstattet werden aber nur 32 Euro. Diese Unterfinanzierung der Notfälle trifft nicht nur Krankenhäusern, sondern auch die Notfallpraxen. Eine adäquate ambulante Behandlung ist dadurch oft unmöglich.

Klinikärzte beklagen aber nicht nur eine enorme Überlastung. Was ist ein echter Notfall, was ist nur ein Bagatellfall? Alleine die Klärung dieser heiklen Frage ist zeitraubend. Sie ist gewiss nicht verantwortungsvoll innerhalb von nur zwei Minuten zu realisieren. In der Summe raubt der ungebremste Ansturm auf die Notfallambulanzen Klinikärzten die Zeit für echte Notfälle und auch die ebenso wertvolle Zeit, die sie eigentlich zur Behandlung der stationären Patienten bräuchten.