Aktueller Kommentar des Präsidenten der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz

Wir haben den schönsten Beruf der Welt!

Kammerpräsident Dr. med. Günther Matheis: Wir stehen vor großen Herausforderungen / Engagieren wir uns gemeinsam

30.11.2016 – Berufspolitisch bin ich seit Jahrzehnten im Marburger Bund verankert. Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren in der Vertreterversammlung der Bezirksärztekammer (BZÄK) Trier und später auch im Ärzteparlament der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz aktiv. Ich war zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender der BZÄK Trier, wurde dann deren Vorsitzender und bin dort aktuell im Amt bestätigt worden. Mit meiner Wahl zum neuen Präsidenten der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz werde ich – wie angekündigt – das Amt des Vorsitzenden der BZÄK Trier niederlegen, um mich dem Amt und den Aufgaben des rheinland-pfälzischen Kammerpräsidenten mit voller Kraft widmen zu können.

Kammerpräsident Dr. med. Günther Matheis

Wir haben in der fünfjährigen Amtsperiode einiges auf der Agenda. Ich darf daran erinnern, dass in Rheinland-Pfalz nicht mehr wir, sondern die Pflegekammer die größte Heilberufskammer ist. Das Thema Substitution wird ganz sicher starker auf uns zukommen. Hier müssen wir konstruktiv zusammenzuarbeiten, aber Klartext reden, wenn es um den Arztvorbehalt geht.

Wir müssen in Rheinland-Pfalz immer wieder vortragen, dass es Qualität in Kliniken nicht zum Dumpingtarif geben kann. Nur, wenn die Personaldecke stimmt, kann auch die Qualität auf Dauer stimmen. Krankenhäuser müssen einfach so ausgestattet werden, dass sie als Dauerarbeitsplatz attraktiv sind, denn Qualifikation und Zahl der Ärztinnen und Ärzte sowie Mitarbeiter aus anderen Gesundheitsberufen sind wesentliche Bestimmungsfaktoren für Qualität. Fehlt Klinikbeschäftigten die Zeit, so leiden unsere Patienten da­runter.

In der stationären Versorgung sind Bund und Land in der Pflicht, für einen dauerhaft tragfähigen Finanzierungsmodus, mehr Investitionsmittel und eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung zu sorgen. Das Krankenhausstrukturgesetz wurde zwar nachgebessert, aber es hat immer noch bedeutende Problemfelder. Der Gesetzentwurf setzt auf finanzielle Zuschläge für Leistungen, die in außerordentlich guter Qualität erbracht werden, und auf Abschläge bei schlechter Qualität. Was manchem zunächst plausibel erscheinen mag, wirft bei näherer Betrachtung die Frage auf: Wieso sollte ein Krankenhaus besser werden, wenn man ihm finanzielle Mittel entzieht?

2018 soll das Landeskrankenhausgesetz novelliert werden. Sie dürfen sicher sein, dass ich für uns Ärztinnen und Ärzte mit Nachdruck da­rauf hinweisen werde, dass gute Versorgung ist auf Dauer nicht möglich ist ohne angemessene Ausstattung mit hochqualifiziertem Personal.

Wir müssen den Vorbehalten junger Ärztinnen und Ärzte vor einer eigenverantwortlichen Tätigkeit in der eigenen Praxis entgegentreten. In der ambulanten Praxis brauchen wir gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte in ausreichender Zahl. Dazu muss dieser Beruf durch Fortbildungsmöglichkeiten attraktiv gehalten werden, um mit anderen Ausbildungsberufen im Wettbewerb um die besten jungen Leute bestehen zu können.

Auch angesichts der sinkenden Zahl von Arztstunden, die für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung stehen, ist die Entlastung von Bürokratie ein wichtiges Ziel. Hier sind Deregulierung, aber auch arztentlastende Strukturen in der Verwaltung notwendig.

Oberste Priorität für unsere Ärztekammer ist und bleibt eine gute Versorgung der Patienten. Deshalb ist es für uns so wichtig, die Freiberuflichkeit zu stärken. Wir brauchen Therapiefreiheit statt bürokratischer Gängelung und ökonomischen Druck. Therapiefreiheit ist keineswegs ein ärztliches Privileg, sondern ein Recht der Patienten, weil nur mit ihr eine individuelle Behandlung in einem therapeutischen Bündnis möglich ist. Therapiefreiheit ist das Recht der Patienten auf ärztliche Kompetenz.

Und für mich ganz wichtig: die ärztlichen Körperschaften müssen wieder enger zusammen rücken. Wir müssen der Politik demonstrieren, dass sich die beiden wichtigsten Institutionen – die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung – in ihrem unterschiedlichen Aufgabenbereich ergänzen, komplementär wirken und nicht diametral ausei­nan­der driften und in Wirklichkeit viele gemeinsame Interessen verfolgen. Ob angestellt oder selbstständig, wir müssen wieder lernen, mehr mitei­nan­der als überei­nan­der zu reden.

Und vielleicht gelingt es auch, die Landesärztekammer an der sektorenübergreifenden Koordination der Bedarfsplanung stärker zu beteiligen, sodass aus einem Benehmen ein Einvernehmen wird. Denn die Kammer ist das zentrale Bindeglied zwischen allen Ebenen der ärztlichen Versorgung unserer Patienten.

Wir haben im Grunde den schönsten Beruf der Welt: Engagieren wir uns in den nächsten fünf Jahren für unsere urärztlichen Belange, damit wir unsere Patienten nach besten Kräften behandeln können. Ich freue mich auf die Herausforderungen. Und ich freue mich, wenn wir gemeinsam zum Wohle aller Ärztinnen und Ärzte in Rheinland-Pfalz erfolgreich agieren werden. Dazu lade ich Sie herzlich ein.