Landesärztekammer Rheinland-Pfalz

Zehn Prozent mehr Studienplätze und neue Kriterien für Studienplatzauswahl

Kammerpräsident Dr. med. Günther Matheis: „Wir müssen mehr Anstrengungen für den Ärztenachwuchs unternehmen!“

Mainz, 09.12.2016 – Bei der Gestaltung des Medizinstudiums besteht Handlungsbedarf. Darin sind sich die drei Landesärztekammern im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz einig. Der derzeit diskutierte „Masterplan Medizinstudium 2020“ braucht daher Ergänzungen und Nachbesserungen, denn der offenkundige Ärztemangel in Deutschland werde sich zunehmend verschärfen. Allein in Krankenhäusern werden nach Prognose der Unternehmensberatung Roland Berger bis 2030 etwa 111.000 Ärztinnen und Ärzte fehlen. Auch im niedergelassenen Bereich werden Haus- und Fachärzte fehlen. Die hessische, rheinland-pfälzische und saarländische Ärzteschaften fordern daher die zuständigen Bundes- und Landespolitiker auf, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen.

Kammerpräsident Dr. med. Günther Matheis

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz müssten demzufolge 40 zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden, erklärte Dr. Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Durch die im „Masterplan Medizinstudium 2020“ zudem vorgesehene stärkere Praxisorientierung im Studium brauchen insbesondere die Medizinischen Fakultäten, Universitätskliniken und akademischen Lehrkrankenhäuser mehr Ressourcen: Die personellen, räumlichen und organisatorischen Bedingungen eines qualitätsvollen Medizinstudiums müssen vorgehalten sein, fordert Matheis gemeinsam mit den Präsidenten der Ärztekammer Hessen und Saarland.

Des Weiteren müsse Ziel des Auswahlverfahrens für Medizinstudierende grundsätzlich die Aufdeckung echter Talente und Befähigungen zum Arztberuf sein. Die Abiturnote alleine sei kein faires Auswahlkriterium, sind sich Matheis, Mischo und von Knoblauch zu Hatzbach einig. Denn nicht nur die Abiturnote mache einen guten Arzt aus. Stattdessen sollten beim Auswahlverfahren das Persönlichkeitsprofil des Studienplatzbewerbers, einschlägige Berufsausbildungen sowie soziales Engagement wie etwa Freiwilligendienste stärker berücksichtigt werden.

Für die drei Ärztekammer-Präsidenten ist klar: „Eine hochwertige, ärztliche Ausbildung mit im Studium motivierten Studierenden ist das Fundament einer guten Patientenversorgung!“ Auch vor dem Hintergrund des europäischen Einigungsprozesses müsse es für das Bildungsland Deutschland Selbstverpflichtung sein, genügend Ärztinnen und Ärzte selbst auszubilden und nicht Ärztinnen und Ärzte in großer Zahl aus dem Ausland anzuwerben.

Zehn Prozent mehr Studienplätze bedeuten für den Bereich der Ärztekammer des Saarlandes mindestens 30 neugeschaffene Studienplätze an der Medizinischen Fakultät in Homburg, sagte San.-Rat. Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes. Für Hessen liege die erforderliche zusätzliche Studienplatzzahl bei 185, erklärte Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen.

Mit dieser signifikanten Erhöhung der Studienplätze sollte auch eine rechtssichere Neuberechnung der Studienplätze für den gesamten Verlauf des Studiums erfolgen. Die bislang üblichen Teilzulassungen führen bei den Betroffenen zu unnötigen und höchst belastenden Exmatrikulationen, so die drei Präsidenten gemeinsam.

Hinzu komme, dass die prekäre Finanzlage vieler Krankenhäuser nicht nur die Patientenversorgung und die Arbeitsbedingungen für das Personal erschwere, sondern auch die Ausbildung der Studierenden und die Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte.

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung formulierte in ihrem Koalitionsvertrag 2013 eine Reform des Medizinstudiums. Um dies zu verwirklichen, wurde im Frühjahr 2015 eine Konferenz ins Leben gerufen, die sich mit der Erstellung eines „Masterplan Medizinstudium 2020" befasst. An dieser Bund-Länder-AG nehmen Gesundheits- und Wissenschaftsminister des Bundes und der Länder teil, um zusammen den entsprechenden Gesetzesentwurf entwickeln. Die Gesundheitsministerkonferenz hat in diesem Sommer einige Eckpunkte hierfür benannt.