Rheinland-Pfalz

Ministerin erneuert Masterplan zur Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung

Opposition sieht fehlenden Willen zu mutigen Entscheidungen / Dr. Peter Enders: Nur mehr Studienplätze können Bedarf an Ärzten decken

Mainz, 15.02.2018 – mhe. Vor fast einem Jahrzehnt begründeten das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium, die Kassenärztliche Vereinigung RLP, die Landesärztekammer RLP, die Universitätsmedizin Mainz und der Hausärzteverband RLP den ersten „Masterplan zur Stärkung der ambulanten ärztlichen Versorgung“. Der Mangel an Hausärzten hat sich indes dennoch vergrößert. Nun haben die Akteure Bilanz gezogen und weitere Maßnahmen vorgestellt, die dazu beitragen sollen, die ambulante ärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz zukünftig auf einem hohen Niveau zu gewährleisten. Kritische Worte kamen aus der CDU.

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) betonte, dass ein breites Maßnahmenbündel angefangen bei der Ausbildung über die Fort- und Weiterbildung bis hin zur ärztlichen Berufsausübung erforderlich sei, um den vielfältigen Herausforderungen bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung zu begegnen.

Aus der Opposition hagelte es hingegen deutliche Kritik an der Landesregierung. Dr. Peter Enders (CDU) warf der Gesundheitsministerin fehlenden Willen zu mutigen Schritten vor. Der Bedarf an Ärzten könne nur gedeckt werden, wenn die Zahl der Studienplätze im Fach Humanmedizin erhöht werden. Die Landesregierung zögere diese notwendige Maßnahme hinaus. „Sie will stattdessen aber weiter prüfen, wo es nichts mehr zu prüfen gibt.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion bemerkte weiter, „weder ist eine echte Überarbeitung des ‚Masterplans' erkennbar noch der Wille zu mutigen Schritten, die eine Verbesserung der sich zuspitzenden Situation bei der ärztlichen Versorgung auf dem Land gewährleisten würden.

Fakt ist: Das Durchschnittsalter der Hausärzte liege heute bereits bei 56 Jahren, erinnerte Dr. Peter Enders. Der Anteil von Ärztinnen und Ärzten mit einen Alter von 60 und mehr beträgt je nach Kommune zwischen 23 und 40 Prozent. Darunter sind überdurchschnittlich viele Hausärzte. „Bis zum Jahr 2022 – also in nur fünf Jahren – muss über die Hälfte aller Vertragsarztstellen altersbedingt nachbesetzt werden. Das ist ein überdeutliches Warnsignal und ein Handlungsauftrag“, warnte Enders.

Im Zuge der Pressekonferenz zog der Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. Jürgen Hoffart, eine positive Bilanz zum Quereinstieg in die Allgemeinmedizin, den die Landesärztekammer bundesweit als erste Ärztekammer eingeführt hat. Hoffart verwies ebenfalls auf die erstmals angebotenen Wiedereinstiegskurs für nicht berufstätige Ärztinnen und Ärzte: „Ich freue mich, dass wir vor dem Hintergrund des sehr erfolgreichen Testlaufs eine Neuauflage des Wiedereinstiegskurses vereinbart haben“, sagte Dr. Hoffart.

Die Landesärztekammer setze auch schon bei den Medizinstudierenden an, biete über gemeinsame Informationsveranstaltungen mit der Universitätsmedizin Hilfestellungen für Studierende und ermögliche Einblicke speziell in die Allgemeinmedizin. Positiv werte er die von der Landesregierung angestrebte Regionalisierung von Teilen der Medizinerausbildung. Damit wäre es leichter möglich, Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung in der jeweiligen Region zu gewinnen.

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler erinnerte, dass die Förderprogramme des Landes ausgeweitet worden seien. So könnten seit 1. Januar 2018 in 97 Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden Fördermittel für die Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Anspruch genommen werden. Ein neues Beratungsprojekt, das vom Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Weg gebracht werde, solle den Kommunen eine verlässliche Unterstützung bei Fragen zur Weiterentwicklung der ärztlichen Versorgung in ihrer jeweiligen Region bieten.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP), Dr. Peter Heinz, verwies auf die Einrichtung einer Koordinierungsstelle Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. „Die Arbeit der Koordinierungsstelle ist sehr gut angelaufen und wir sind optimistisch, dass wir mit deren Unterstützung neben den bisher initiierten weitere Weiterbildungsverbünde in Rheinland-Pfalz gründen können“, sagte Dr. Heinz.

An der Universitätsmedizin Mainz hat die Allgemeinmedizin durch die Einrichtung des Zentrums für Allgemeinmedizin und Geriatrie eine deutliche Aufwertung erfahren. Das Zentrum habe seit seiner Gründung viele Initiativen gestartet, um die Sichtbarkeit der Allgemeinmedizin weiter zu erhöhen und Studierende an die Allgemeinmedizin heranzuführen, betonte der Leiter des Zentrums Prof. Dr. Michael Jansky.

„Im Projekt ‚Mainzer Allgemeinmedizin – Begleitetes Studieren‘, das bereits erfolgreich gestartet ist, können Medizinstudierende die Hausarztmedizin über einen längeren Zeitraum hautnah kennenlernen und sich so ein realistisches Bild von der Vielfalt der hausärztlichen Tätigkeit machen. Die Einrichtung des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin trägt zudem dazu bei, die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin zusätzlich zu stärken und sie besser mit der Ausbildung zu verknüpfen.“

„Es ist wichtig, den Studierenden die vielen positiven Facetten der Hausarztmedizin nahe zu bringen. Dies geht nur über möglichst viele praktische Erfahrungen, die bereits im Laufe des Medizinstudiums ermöglicht werden müssten“, sagte Dr. Hans-Dieter Grüninger, stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz.