Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz - Hauptversammlung 2016

Angestellte Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ dürfen nicht länger schlechter gestellt werden!

Vertragsbedingungen im ambulanten Bereich müssen auf das Niveau tarifgebundener Arbeitsverhältnisse angehoben werden

Köln/Mainz, 01.08.2016 – Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die in Praxen oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellt sind, ist in den vergangen Jahren erheblich gestiegen. Jedoch erfüllen die Arbeitsverträge für angestellte Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich die Tarifstandards für Ärzte bei weitem nicht, dies ergab eine stichprobenartige Überprüfung von 100 Arbeitsverträgen in der Rechtsabteilung des Marburger Bundes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz.

In vielen der zur Rechtsprüfung vorgelegten Verträgen liegt das vereinbarte Gehalt für die in Praxen und MVZ angestellten Ärztinnen und Ärzte weit unterhalb der tarifgebundenen Arztgehälter in den Krankenhäusern. 90 Prozent der Verträge sehen beim Gehalt keinerlei Entwicklungsperspektiven vor. In 71 Verträgen werden ausdrücklich Überstunden verlangt, zumeist jedoch ohne dass eine konkrete Grenze genannt wird. In zwei Dritteln aller Arbeitsverträge gibt es für die geleisteten Überstunden weder Freizeitausgleich noch eine Vergütung. 

In den Teilzeitverträgen wurden keine konkreten Wochenarbeitstage festgelegt, Ärztinnen und Ärzte müssen somit höchst flexibel auf Anweisung arbeiten. Für die Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt sieht kein einziger Arbeitsvertrag die erforderlichen zeitlichen oder inhaltlichen Regelungen zur Weiterbildung vor. Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung sind im ambulanten Bereich ebenfalls weitestgehend „unbekannt“ und ein Krankengeldzuschuss wurde nur in drei Fällen vereinbart.

Der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz hält es für dringend erforderlich, dass die einzelvertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen im ambulanten Bereich angestellter Ärztinnen und Ärzte auf das Niveau tarifgebundener Arbeitsverhältnisse angehoben werden, beschlossen die über 150 Delegierten auf der Hauptversammlung im Kurfürstlichen Schloss in Mainz. 

Letztlich wird den im ambulanten Bereich angestellten Ärztinnen und Ärzten nur ein echter Tarifvertrag den im stationären Bereich tätigen Kolleginnen und Kollegen vergleichbare Vertragskonditionen ermöglichen.

Der Marburger-Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz wird in einem ersten Schritt mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein, Westfalen-Lippe und Rheinland-Pfalz Kontakt aufnehmen, um auf die Diskrepanz der Arbeitsbedingungen angestellter Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich hinzuweisen und um darauf hinzuwirken, dass in den Musterverträgen der Kassenärztlichen Vereinigungen die einzelvertraglichen Regelungen dem Tarifstandard angepasst werden.

Der Marburger-Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz fordert aber auch die angestellte Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich auf, zur Wahrung und Stärkung ihrer eigenen Interessen, sich an den Wahlen zu den Vertreterversammlungen der drei Kassenärztlichen Vereinigungen und in den Kreisstellen in diesem Jahr zu beteiligen.