Marburger Bund NRW/RLP - Hauptversammlung in Mainz

Versorgung von Notfällen muss völlig neu organisiert werden – sektorübergreifend!

Alle bisherigen Reformversuche gescheitert / Notfälle wurden nur in Kliniken verschoben / Klinikärzte überlastet / Notfall-Finanzierung unzureichend

Köln/Mainz, 22.06.2016 – Die Versorgung von Notfällen erfolgt hierzulande strikt getrennt zwischen Krankenhäusern und der ambulanten Notfallversorgung, die die Kassenärztlichen Vereinigungen organisieren. Da bisher alle Versuche der nachhaltigen Neuorganisation an den Grenzen der beiden Sektoren gescheitert sind, ist nach Ansicht des Marburger Bundes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz eine völlige Neustrukturierung der Notfallversorgung erforderlich, entschieden die 150 Delegierten der MB-Hauptversammlung im Kurfürstlichen Schloss in Mainz.

Der Marburger Bund NRW/RLP hält es für dringend erforderlich, im Rahmen der Neustrukturierung neue sektorübergreifende Konzepte der Notfallversorgung zu erproben. Auch sind Modelle außerhalb bekannter Sektorgrenzen zu prüfen. Die MB-Delegierten fordern die Gesundheitsminister von RLP und NRW sowie die Gesundheitsministerkonferenz auf, auf die notwendige Finanzierung von Modellversuchen aus dem Gesundheitsfond hinzuwirken.

Eine gemeinsame, sektorübergreifende Versorgung von Notfällen existiert bisher nur in wenigen Ausnahmefällen. Alle Versuche der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in den vergangenen Jahren innerhalb der Sektorgrenzen Verbesserungen zu erzielen, haben nur zu einer Problemverschiebung geführt. In vielen Bezirken der KV erhöhte sich dadurch nur die Belastung der Klinikärzte deutlich. Die vertragsärztlichen, ambulant geführten Notdienste hingegen wurden entlastet. Die Unterfinanzierung der Notfälle in Krankenhäusern und Notfallpraxen macht zudem eine adäquate ambulante Behandlung oft unmöglich.

Da die Bevölkerung älter und morbider wird und die Zahl an Singlehaushalten zunimmt, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Notfälle in den nächsten Jahren steigen wird. Auch deshalb sind neue Versorgungskonzepte im Rahmen der Notfallbehandlung erforderlich. Durch das vom Gemeinsamen Bundesausschuss bis zum 31. Dezember 2016 vorzulegende gestufte System der vorgehaltenen Notfallstrukturen, wird die Trennung der Sektoren sowie die damit fehlende Qualität nur weiter festgeschrieben.

Es muss vielmehr überprüft werden, ob eine integrierte Notfallversorgung außerhalb der bestehenden Sektorgrenzen der ärztlichen Versorgung und die entsprechende zusätzliche Finanzierung aus dem Gesundheitsfond zu einer Verbesserung der Versorgung führt. Hierbei muss der Anspruch eines jeden Patienten auf qualitativ hochwertige Behandlung zu jeder Zeit und an jedem Ort gesichert sein. Der Marburger Bund bietet hierzu seinen Sachverstand bei der Umsetzung vor Ort an.