Caritas-Regionalkommission NRW

Unselige Blockade der Dienstgeber

Vorerst bleibt 14.000 Ärzten die faire Vergütungserhöhung vorenthalten

Köln, 22.07.2013 – mhe. Der Sparkurs in den katholischen Krankenhäusern hat schon eine längere, traurige Tradition. Bis in die neunziger Jahre hinein hat der Deutsche Caritasverband die Vergütungen seiner Angestellten noch regelmäßig analog zu den jeweiligen Tariferhöhungen für Angestellte im öffentlichen Dienst erhöht. Diese Nachtarifierung ist aber längst einer sich ständig wiederholenden unseligen Blockade der Dienstgeber gewichen.

Nicht wenige Mitarbeiter im Bereich der Caritas erleben diesen Zustand seit Jahren als eine Form der „Ausbeutung im Namen des Herrn". Diese Äußerungen lassen sich sowohl in vielen Internet-Foren als auch in sonstigen Medien finden. Offene Arztstellen an katholischen Kliniken belegen, dass Caritas-Mitarbeiter verständlicherweise zunehmend dorthin flüchten, wo ihre ärztliche Arbeit besser honoriert wird.

Blicken wir zurück: Jahrelang hatten sich katholische Gremien und Kliniken geweigert, unsere ärztliche Leitwährung – den TV-Ärzte/VKA – anzuerkennen. Nach und nach gingen dann die katholischen Kliniken im Wettbewerb um die besten Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt ihren eigenen Weg, waren durch unsere tariflichen Erfolge „gezwungen", mindestens die Grundgehälter an das bessere Niveau unseres VKA-Tarifvertrages anzupassen, um so überhaupt noch neue Ärzte gewinnen zu können oder die Abkehr beschäftigter Ärzte von ihrem Haus zu verhindern. Die in unserem Landesverband lange Zeit geführte Positivliste verlängerte sich rasch, wenngleich seinerzeit längst noch keine gleichwertige Entlohnung der Caritas-Ärzte mit den Kollegen an kommunalen Kliniken stattfand.

Nach der Atomisierung der Caritas-Landschaft in eine wegweisende Bundeskommission und sechs untergeordnete Regionalkommissionen und der letztendlichen Übernahme unseres TV-Ärzte in der Anklage 30 der AVR Caritas erleben wir wiederkehrend auf zweierlei Ebenen einen unchristlichen Sparkurs. Zum einen übernimmt die Bundeskommission unsere fortgeschriebenen Tarifabschlüsse für Ärzte nicht vollständig, zum anderen nutzen einzelne Regionalkommissionen ihre komfortabel eingegrenzten Entscheidungsbefugnisse derart, dass die Caritas-Mitarbeiter an vielen Stellen nicht nur immer wieder Abstriche bei bestimmten Vergütungsbestandteilen hinnehmen müssen, sondern - wie zuletzt in der für Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen zuständigen Regionalkommission Mitte - sogar die Tariferhöhungsrunde für ein Jahr nahezu komplett ausgesetzt wird. Wir haben dieses Vorgehen der Caritas wiederholt als unverfrorenen Sparkurs der Dienstgeber öffentlich kritisiert.

Die Folge ist, dass hierzulande mittlerweile im gesamten Caritas-Bereich Vergütungsunterschiede für Ärzte manifestiert wurden, die für einen Arzt bei gleicher Tätigkeit pro Jahr mehrere Tausend Euro Differenz bedeuten. Die verantwortlichen Dienstgeber in den paritätisch besetzten Caritas-Kommissionen bringen die betroffenen katholischen Kliniken so wissentlich in eine existenzielle Lage.

Bei gleichen Finanzierungsbedingungen wie etwa der kommunalen Kliniken sparen die Dienstgeber ausschließlich zulasten ihrer ärztlichen Mitarbeiter an den Personalkosten. Dass jetzt auch die Caritas-Regionalkommission NRW, die für über 14.000 Ärzte in gut 250 Kliniken zuständig ist, den Dritten Weg als unfairen Sparkurs versteht, muss alle Betroffenen alarmieren.

Bis vor Kurzem hatten weder die einzelnen Caritas-Mitarbeiter, noch wir als gewerkschaftliche Interessenvertretung eine Chance, wirksamen Einfluss auf die Vergütungsentwicklung auszuüben. Jetzt fragen wir uns, will die Kirche uns mit ihrem Vorgehen Streiks aufzwingen?

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Rudolf Henke.