Interview mit San.-Rätin Dr. Petra Ullmann

San.-Rätin Dr. Petra Ullmann

 

„Für Krankenhäuser muss eine ausreichende Finanzierung sichergestellt werden.“

 

 

 

MB Saarland: Wie besorgt sind Sie über die Entwicklung in der Krankenhauspolitik?

Dr. Petra Ullmann: Die Entwicklung besorgt mich sehr. Laut dem Krankenhausreport 2013 droht jedem vierten Krankenhaus die Insolvenz. Dabei sind kommunale Krankenhäuser deutlich stärker betroffen. Grund ist eine ungenügende Finanzierung der Krankenhausleistungen und der Krankenhausinvestitionskosten. Dieser langsame Tod von Krankenhäusern scheint dabei durchaus von der Politik gewollt, denn geplante Krankenhaus- und Abteilungsschließungen kosten ja unter Umständen Wählerstimmen.

Wir sehen hier im Saarland, mit seiner hohen Krankenhausdichte, einen zwingenden Handlungsbedarf der Politik die Krankenhausplanung zu korrigieren und dem Wildwuchs von Fachabteilungen die Zustimmung zu verweigern. Für Krankenhäuser, die in den Bedarfsplan aufgenommen sind, muss eine ausreichende Finanzierung sichergestellt werden.

Wie sieht es mit der Qualitätssicherung aus, deren Förderung ja auch zu den Aufgaben der Ärztekammer gehört?

Im Koalitionsvertrag sind erfreulicherweise die Qualitätssicherung und der Qualitätsnachweis als Steuerungselement bei der Zulassung und Finanzierung von Krankenhäusern hervorgehoben. Allerdings obliegt die Kontrolle dieser Qualität in Zukunft in erster Linie dem GBA und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Die Krankenkassen werden dadurch wohl in Zukunft über die Krankenhausplanung bestimmen. Diese Entwicklung müssen wir in der Kammer gegenüber den politischen Entscheidungsträgern kritisch hinterfragen.

Wie stellt sich die Situation gerade in den Krankenhäusern dar?

Die DRG gehören endlich auf den Prüfstand. Die unzureichende Finanzierung durch die DRG und die fehlenden Investitionsmittel haben massive Auswirkungen auf die Versorgungsqualität und den Berufsalltag von Ärztinnen und Ärzten und Pflegekräften in den Kliniken. Es kommt zu einer immensen Arbeitsverdichtung. Die psychische und physische Überlastung durch die zunehmende “Patientenabfertigungspraxis“ ist groß und führt zu Erkrankungen und Abwanderung der Fachkräfte. Das flächendeckend angewendete DRG-System zur Abrechnung stationärer Leistungen muss korrigiert und durch ein differenziertes, dem Versorgungsbedarf entsprechendes Abrechnungssystem ersetzt werden.