Interview mit Ursula Emmerich-Körner

Ursula Emmerich-Körner
Fachärztin, Neurologie, SHG-Kliniken Sonnenberg

 

Die Bürokratie im Krankenhaus nimmt immer mehr zu.“

 

 

 

MB Saarland: Wo sehen Sie derzeit die größten Belastungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte?

Ursula Emmerich-Körner: Es herrscht eine große Belastung aufgrund des wachsenden ökonomischen Drucks im Gesundheitswesen. Zudem nimmt die Bürokratie im Krankenhaus immer mehr zu. Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken müssen derzeit etwa ein Drittel ihrer täglichen Arbeit mit reinen Verwaltungsaufgaben verbringen. Wir müssen wieder mehr Zeit für unsere Patienten haben. Dazu muss die Arbeit besser organisiert werden, nichtärztliche Tätigkeiten müssen auf andere Berufsgruppen delegiert werden.

Wie kann man dies ändern?

Das Wohl der Patienten muss Vorrang vor ökonomischen Interessen haben. Es kann nicht sein, dass immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit versorgt werden müssen. Es darf nicht primär um betriebswirtschaftliche Erwägungen gehen, sondern im Vordergrund muss eine angemessene medizinische Versorgung der Patienten stehen. Dazu brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen, Entlastung sowie ausreichend Personal.

Welche Aufgabe hat dabei die Kammer?

Wir müssen die ärztlichen Belange wieder selbst in die Hand nehmen und dürfen uns diese nicht von der Politik diktieren lassen. Die Arbeit in der Kammer spielt dabei eine wichtige Rolle. So legt sie zum Beispiel die Berufsordnung fest, die die Grundlage unseres Handelns ist. Wichtig ist, dass dort weiterhin an ethischen Grundprinzipien, die sich nicht an Wirtschaftlichkeit orientieren, festgehalten wird.