Interview mit Eva Groterath

San.-Rätin Eva Groterath
Oberärztin, Pädiatrie, Klinikum Saarbrücken, im Vorstand der Ärztekammer

 

„Der ökonomische Druck wächst.“

 

 

 

MB Saarland: Warum ist die Ärztekammer für Ärztinnen und Ärzte wichtig?

Eva Groterath: Die Ärztekammer ist die Vertretung aller Ärztinnen und Ärzte. Wir Ärzte haben die Möglichkeit über diese Selbstverwaltung unsere Sachkunde und Erfahrung einzubringen und die Arbeit in der Ärztekammer aktiv zu gestalten, denn dort werden Entscheidungen über die grundsätzlichen Belange der Ärzteschaft getroffen, etwa die Weiterbildungsordnung festgelegt.

Gerade in diesen gesundheitspolitisch schwierigen Zeiten ist die Ärztekammer eine einflussreiche Institution. Sie vertritt im Dialog mit der Politik die ethischen Leitlinien der Ärzteschaft und verteidigt die unabhängige ärztliche Entscheidung zum Wohl der Patienten. Daher ist es wichtig, dass angestellte Ärztinnen und Ärzte dort aktiv sind, um so ihre Interessen zu vertreten.

Welchen Einfluss hat die Ärztekammer auf die tägliche Arbeit der Ärztinnen und Ärzte?

Im Alltag der Ärztinnen und Ärzte ist die Ärztekammer nicht unmittelbar präsent. Kolleginnen und Kollegen verbinden meist etwas Negatives mit der Kammer, wie Gebühren und Regelungen. Da wir aber alle Pflichtmitglieder sind, ist es wichtig, dass wir uns auch engagieren. Dabei brauchen wir die Erfahrung der älteren, ebenso wie neue Ideen der jüngeren Kollegen.

Welche Schwierigkeiten wird es für den ärztlichen Beruf in Zukunft geben?

Durch den Ärztemangel und andere gesundheitspolitische Entwicklungen wächst der ökonomische Druck. Diesem Druck standzuhalten und dabei insbesondere das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nicht zu gefährden, ist eine unserer großen Aufgaben für die Zukunft. Der Patient verlässt sich auf unsere unabhängige ärztliche Entscheidung, die ausschließlich seinem Wohl dienen soll. Dieses Vertrauensverhältnis darf durch den Fokus auf betriebswirtschaftliche Interessen nicht zerstört werden.