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Marburger Bund Umfrage 2007
Zusammenfassung des Ergebnisberichtes
Umfrage über die ärztliche Arbeitssituation in kirchlichen Krankenhäusern
Hintergrund
Der Marburger Bund (MB) hat das Institut für
Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) beauftragt, eine repräsentative Umfrage über die
Arbeitssituation seiner Mitglieder durchzuführen. Ein entsprechender
Umfragebogen wurde hierfür der Marburger Bund Zeitung im Juni 2007 beigefügt,
der die rund 110 000 MB-Mitglieder erreichte. Bereinigt um die Medizinstudenten
sowie die arbeitslosen, verrenteten und sich in der Familienpause befindenden
Ärzte wurden zur Auswertung genau 80 836 zurzeit angestellt und beamtet tätige
MB-Mitglieder zugrunde gelegt. Von diesen 80 836 Ärzten beteiligten sich knapp
19 000. Dies entspricht einer überdurchschnittlich hohen Rücklaufquote von 23%.
Neben dem Erfassen der Ergebnisse über die allgemeine Arbeitssituation ging es
auch darum, Vergleiche zwischen verschiedenen Trägern herzustellen. Besonders
interessant ist hierbei der Vergleich der Arbeitsbedingungen von Ärzten in
kirchlichen Kliniken mit denen, die in Häusern tätig sind, die einen
arztspezifischen Tarifvertrag des Marburger Bundes anbieten.
Ergebnisse der Umfrage
- 66 Prozent der Ärzte in kirchlichen Kliniken bemängeln, dass
ihre Höchstarbeitszeitgrenzen nicht eingehalten werden. In Häusern, die einen
arztspezifischen Tarifvertrag des Marburger Bundes (MB-Tarifvertrag) anwenden,
beklagen dies 57 Prozent der Mediziner.
- Bei 42 Prozent der Ärzte in konfessionellen Häusern liegt die
durchschnittliche Wochenarbeitszeit zwischen 60 und 79 Stunden
(MB-Tarifvertrag: 39 Prozent).
- 79 Prozent der Mediziner leisten zwischen 50 und 79
Wochenarbeitsstunden. Dafür ist eine persönliche Einwilligung der Ärzte
Voraussetzung. Dieses so genannte opt-out haben aber nur 21 Prozent der
Mediziner in konfessionellen Kliniken unterzeichnet.
- Auch die Anzahl illegal geleisteter Bereitschaftsdienste ist
in Kirchenkrankenhäusern höher. So leisten knapp 60 Prozent der Ärzte monatlich
zwischen fünf und neun Bereitschaftsdienste (MB-Tarifvertrag: 48 Prozent).
- 60 Prozent der Ärzte in konfessionellen Kliniken geben an,
dass die Arbeitszeiten nicht systematisch erfasst werden (MB-Tarifvertrag: 44
Prozent).
- 96 Prozent der Kirchenärzte leisten wöchentlich teilweise über
30 Überstunden. Dabei werden nur sechs Prozent der erbrachten Mehrarbeit
vergütet (MB-Tarifvertrag: 12 Prozent).
- 93 Prozent der Ärzte in kirchlichen Kliniken müssen täglich
bis zu vier Stunden allein für bürokratische Verwaltungstätigkeiten aufwenden.
Sieben Prozent der Mediziner wenden pro Tag sogar mehr als vier Stunden für
patientenfernen Papierkram auf.
- 74 Prozent der Ärzte in konfessionellen Kliniken geben an,
dass ihr Arbeitgeber keine ausreichenden familienfreundlichen
Arbeitsbedingungen anbieten (MB-Tarifvertrag: 72 Prozent).
- Jedem zweiten Arzt in einem Kirchenkrankenhaus ist eine
Verkürzung der Arbeitszeit „sehr wichtig“ bis „am wichtigsten“. Nur fünf
Prozent wollen mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten, 95 Prozent hingegen maximal
50 Stunden pro Woche.
- Lediglich
jeder fünfte Arzt empfindet seine Arbeitssituation als „gut“ bzw. „sehr gut“.
Für jeden Dritten ist sie nur „durchschnittlich“ und fast jeder zweite bewertet
seine Arbeitsbedingungen „schlecht“ bis „sehr schlecht“. Folglich verwundert es
nicht, dass mehr Ärzte in kirchlichen Kliniken (54 Prozent) ihren Job am
liebsten an den Nagel hängen würden als in den übrigen Kliniken der Republik
(53 Prozent).
Alle Infos zur Umfrage
(MB/09.11.2007)