PWG Die
„Permanent Working Group of European Junior Doctors“ (PWG), die Vereinigung
europäischer Mediziner in Weiterbildung, hat ihr Symposium auf Einladung
des Marburger Bundes in Berlin ausgetragen. Dieser hat damit erneut sein
Engagement für Assistenzärzte auch auf internationaler Ebene bewiesen. Die PWG ist
eine Verbindung der Ärzteverbände in Europa, die für die Interessen der
europäischen Ärzte in Weiterbildung eintritt. Sie ist 1976 im deutschen Bad
Nauheim gegründet worden und repräsentiert junge Ärzte aus 23 europäischen
Ländern. Sie fördert den Informationsaustausch und macht gezielt auf die
Arbeitssituation der Assistenzärzte aufmerksam. Dieses
internationale Gremium hat noch einmal klar gemacht, dass es gegen eine
Opt-out-Regelung ist, und es hielt fest, dass Bereitschaftsdienst Arbeitszeit
ist. Eine Unterteilung in aktive und
inaktive Zeiten, die von der Europäischen Kommission und dem Rat der
Europäischen Union gefordert wird, lehnt die PWG ab. Sie unterstützt damit die
Position des Marburger Bundes, der wie die PWG befürchtet, dass die
Unterteilung der Bereitschaftsdienste in „aktive“ und „inaktive“ Phasen erneut
zu überlangen Arbeitszeiten führen würde. Während der PWG wurde die
Aufzeichnung der Pressekonferenz vorgeführt, in der der Rat erklärte, dass bei
dem Kommissionsvorschlag zur Arbeitszeitgestaltung erneut keine Einigung
hergestellt werden konnte. Klar wurde, dass eine Einigung eine Verschlechterung
der europäischen Regelungen für die Arbeitsbedingungen mit sich gebracht hätte. Diese
Meinung teilte auch Dr. Frank Ulrich Montgomery, MB-Vorsitzender: „Die geplante
Änderung der Richtlinie ist ärzte- und patientenfeindlich. Aus diesem Grund
begrüßen wir, dass der Rat vorerst zu keiner politischen Einigung gekommen
ist.“ In seinem
Vortrag beim PWG-Symposium berichtete Montgomery über die Ärztestreiks in
Deutschland, die auch im Ausland sehr aufmerksam verfolgt wurden: „Unsere
Erfahrungen mit den Arbeitsniederlegungen haben gezeigt, dass Ärzte sich erfolgreich
gegen schlechte Arbeitsstrukturen
wehren können. Dieses Wissen möchten wir gerne unseren europäischen Kollegen
mitteilen und so Mediziner europaweit ermutigen, schlechte Arbeitsbedingungen
zu boykottieren.“ Laut
Montgomery gibt es allerdings kein in ganz Europa gültiges Streikrezept. Er
riet: „Sie müssen ein echtes Anliegen haben, bevor sie die Protestaktionen
starten.“ Auch dann reicht es nicht aus, nur mehr Geld zu fordern. Der Nutzen
für die Patienten muss klar sein, denn: „Sie benötigen die Unterstützung der
Bevölkerung.“ Bei den
deutschen Streiks wurde nicht nur Lohnerhöhung gefordert, sondern auch gegen
überlange Arbeitszeiten protestiert. Folge: Die Bevölkerung blieb während der
gesamten Dauer der Streikaktion aufseiten der Ärzte. Dies war nur mithilfe der
Medien möglich. Hier zeigten die deutschen Krankenhausärzte viel Fantasie. Ihre
Aktionen sorgten für die Bilder, die die Medien benötigen. Die Errungenschaft
der Streiks gilt es nun zu bewahren – auch auf europäischer Ebene. Ein
Mitspieler im europäischen Konzert ist der Europäische Gewerkschaftsbund für
den öffentlichen Dienst (EGÖD), den Tamara Goosens, Referentin für Gesundheit
und soziale
Dienste, vorstellte. Er sitzt in Brüssel und vertritt die Interessen von mehr
als 200 nationalen Gewerkschaften mit rund acht Millionen Mitgliedern. Der EGÖD
ist der größte Gewerkschaftsverband innerhalb des Europäischen
Gewerkschaftsbundes (EGB) und verfügt über den eigenen Ausschuss für Gesundheit
und soziale Dienste. Zu allen europäischen Organen unterhält der EGÖD intensive
Kontakte und wird als Sozialpartner auf europäischer Ebene anerkannt. Ein
wichtiges Anliegen des EGÖD ist es, den sozialen Dialog im Krankenhausbereich
zu fördern und auszubauen. Der soziale Dialog ist ein Mechanismus, der den
Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern auf europäischer Ebene die Gelegenheit
bietet, gemeinsam über Entwicklungen und Herausforderungen im Krankenhaussektor
zu diskutieren, Informationen zu teilen undgelungene Verfahrensweisen hervorzuheben. Die Europäischen Kommission
unterstützt den sozialen Dialog, der seinerseitsEinfluss auf politische Initiativen in der
Europäischen Union nimmt. Auch hier arbeitet der Marburger Bund mit. Eine
weitere europäische Frage gewinnt in letzter Zeit wieder an Aktualität: die
Gesundheitsdienstleistungen. Mit ihrer Ende September herausgegebenen Mitteilung
hat die Europäische Union den Startschuss für ein Konsultationsverfahren
gegeben, dass bis zum 31. Januar läuft. Es wurde
beschlossen, dass die PWG einen Vertreter in die Arbeitsgruppe des Ständigen
Ausschusses der Europäischen Ärzte (CPME) entsendet, der derzeit an einer
Stellungnahme arbeitet. Der Kommission geht es im Wesentlichen um zwei Ziele:
Zum einen will sie Rechtssicherheit bei der grenzüberschreitenden
Gesundheitsversorgung erreichen und zum anderen soll die Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedstaaten in den Bereichen gefördert werden, in denen ein
gemeinschaftliches Vorgehen vorteilhaft erscheint. Eine für Ärzte spannende
Frage ist dabei, ob die Freizügigkeit von Beschäftigten des Gesundheitswesens
und die Niederlassung von Dienstleistungserbringern in einem anderen
Mitgliedstaat ausreichend durch das bestehende Gemeinschaftsrecht geregelt ist. Natürlich
steht das Thema Mobilität auch auf der Agenda der PWG. Sie will eine Datenbank
etablieren, aus der zum Beispiel die im jeweiligen Land notwendigen
Grundvoraussetzungen für die Arbeit als ausländischer Arzt hervorgeht. (MB/22.01.07)
Europaweiter Kampf gegen überlange Arbeitszeiten
Ärzte in Weiterbildung sprechen sich gegen opt-out aus