Medizinstudierende wollen keine neuen Pflichtabschnitte im Praktischen Jahr

Deutliche Mehrheit gegen Quartalisierung und M3-Prüfung Allgemeinmedizin

18.07.2016 – Drei Viertel der Medizinstudierenden (74%) wollen die derzeitige Struktur des Praktischen Jahrs am Ende des Studiums beibehalten und lehnen eine Quartalisierung des PJ ab. Dies hat eine Befragung des Instituts für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) unter rund 1.800 studentischen Mitgliedern des Marburger Bundes ergeben (MB-Studi-Barometer 2016). Bislang müssen die Studierenden zwei Pflicht-Tertiale in den Kernfächern Innere Medizin und Chirurgie absolvieren und können im Wahl-Tertial frei entscheiden, in welchem weiteren Fach sie den viermonatigen PJ-Abschnitt belegen wollen. Anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz der Länder Ende Juni in Rostock-Warnemünde wurde bekannt, dass die Länderminister eine Umwandlung des PJ in Quartale und einen zusätzlichen Pflichtabschnitt „Ambulante Medizin“ befürworten. Dadurch würden die ohnehin nur geringen Wahlmöglichkeiten im Studium weiter beschränkt.

Stefanie Weber, Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund

Auch die Forderung der Gesundheitsminister nach einer neuen mündlich-praktischen Prüfung im Fach Allgemeinmedizin im abschließenden Staatsexamen lehnen drei Viertel der Medizinstudierenden (75%) ab, wie die vom Marburger Bund beauftragte bundesweite Befragung ergab. „Dieses Votum betrachten wir als klaren Auftrag, weiterhin alles dafür zu tun, neue Obligatorien im Praktischen Jahr zu verhindern. Das bisherige Wahl-Tertial bietet allen Studierenden die Möglichkeit, sich freiwillig für einen ambulanten, beispielsweise hausärztlichen PJ-Abschnitt zu entscheiden. Diese Wahlmöglichkeit gilt es aus der Sicht des Marburger Bundes zu erhalten“, sagte Stefanie Weber, Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund.

Als einziger Verband der Medizinstudierenden sei der Marburger Bund in der Diskussion um den „Masterplan Medizinstudium 2020“ für die Beibehaltung der Tertial-Struktur im PJ eingetreten. „Wir haben frühzeitig vor einer Quartalisierung gewarnt, weil absehbar war, dass damit das Tor zu weiteren Pflichtanteilen im PJ weit geöffnet wird. Leider haben andere Verbände der Medizinstudierenden mit ihrem frühzeitigen Votum für eine Umstellung auf Quartale den Befürwortern neuer Obligatorien im Praktischen Jahr in die Hände gespielt. Diese Blauäugigkeit hat unseren gemeinsamen Bemühungen um eine Reform im Interesse der Medizinstudierenden sehr geschadet“, kritisierte Stefanie Weber.

An dem MB-Studi-Barometer 2016 beteiligten sich Anfang dieses Jahres bundesweit 1.756 studentische Mitglieder des Marburger Bundes. Die Mehrzahl der Befragten befand sich im klinischen Teil des Studiums (57%), etwa ein Viertel (22%) war noch in der Vorklinik und 15 Prozent waren bereits im Praktischen Jahr. Der größere Anteil weiblicher Teilnehmer (57%) gegenüber männlichen Teilnehmern (43%) entspricht weitgehend der aktuellen Verteilung von 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männern im Medizinstudium (Daten des Statistischen Bundesamtes 2014).