Reformbaustelle Masterplan: Forderungen des Marburger Bundes

Die Medizinstudierenden im Marburger Bund haben große Erwartungen an den Masterplan Medizinstudium 2020 geknüpft, der im Koalitionsvertrag 2013 angekündigt und in den vergangenen Monaten in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe beraten wurde. Vor allem die dringend notwendige Ausweitung der Studienplatzkapazitäten, eine stärkere Vereinheitlichung der Auswahlkriterien bei der Studienplatzvergabe, mehr Praxisorientierung schon in der Vorklinik und eine angemessene PJ-Aufwandsentschädigung waren den Studierenden in allen Verbänden wichtige Anliegen.

Nun allerdings wurde anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) am 29./30. Juni in Rostock-Warnemünde bekannt, dass die Entwurfsfassung des Masterplans Maßnahmen enthalten soll, die den Wünschen und Bedürfnissen der Medizinstudierenden diametral entgegenstehen. So soll die bisherige Tertial-Struktur des Praktischen Jahrs (zwei Pflicht-Tertiale in den Fächern Innere Medizin und Chirurgie, ein Wahl-Tertial) zugunsten einer Quartalisierung aufgegeben und ein weiterer Pflichtabschnitt (Ambulante Medizin) in Verbindung mit einer mündlich-praktischen Pflichtprüfung im Fach Allgemeinmedizin (M3-Prüfung) eingeführt werden. Der Zweck der Übung ist klar: Die Studierenden sollen durch die neue Pflichtprüfung gedrängt werden, ein PJ-Quartal in der hausärztlichen Praxis zu verbringen. Politischer Aktionismus statt vernünftige Nachwuchssicherung.

Dabei ist allen Verantwortlichen längst klar: Die Gründe für den Mangel an Hausärzten in bestimmten Regionen sind vor allem in den Arbeitsbedingungen und den grundsätzlichen Lebensbedingungen vor Ort zu suchen. Das Medizinstudium ist der falsche Ort, versorgungspolitische Versäumnisse aufzuarbeiten. Die Medizinstudierenden wollen frei darüber entscheiden, welche Fachrichtung sie nach dem Studium wählen. Schon jetzt gibt es mit der Pflichtfamulatur und dem Blockpraktikum im Studium ausreichend Gelegenheit, die Allgemeinmedizin besser kennenzulernen. Zusätzliche Einschränkungen ihrer ohnehin geringen Wahlfreiheit lehnen die Medizinstudierenden einmütig ab (MB-Studi-Barometer 2016).

Dieses Votum betrachten wir als klaren Auftrag, alles dafür zu tun, neue Obligatorien im PJ zu verhindern. Das bisherige Wahl-Tertial bietet allen Studierenden die Möglichkeit, sich freiwillig für eine ambulanten, beispielsweise hausärztlichen PJ-Abschnitt zu entscheiden. Diese Wahlmöglichkeit gilt es aus der Sicht des Marburger Bundes zu erhalten.

In der aktuellen Reformdebatte fordern wir:

  • 10 Prozent mehr Medizinstudienplätze, um die Kapazitäten dem steigendem Bedarf anzupassen.
  • Eine bessere Finanzierung, um gute Lehre mit ausreichend Zeit und Personal zu sichern.
  • Einheitliche Standards für das Auswahlverfahren zum Medizinstudium mit weniger Gewicht für den NC.
  • Eine gründliche Evaluation der Reformstudiengänge.
  • Erhalt der bisherigen PJ-Struktur  – Keine Einschränkung studentischer Wahlfreiheit.

Positionspapiere des MB zum Thema Masterplan:

 

Pressemitteilungen des MB zum Thema Masterplan:

 

MB-Studi-Barometer 2016

 

Postkartenaktion „Kommt nicht in die Tüte“

 

MB-Flugblatt zum Aktionstag der Fachschaften „MM 2020“ am 18. Mai 2016