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Ausgabe
02,
10. Februar 2012
| Mehr Freiheit erwünscht Von Dr. Lutz Retzlaff* |
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Wenn die Medizinischen Fakultäten mit ihrem Widerstand gegen die neue Approbationsordnung verhindern wollen, dass das Medizinstudium schlechter wird, so ist dies sicher ein ehrenwertes Anliegen. Mit ihrem Widerstand gegen die Regelungen, die den erlauchten Kreis der Lehrkrankenhäuser erweitern sollen, setzen sie sich jedoch dem Verdacht aus, rein eigennützig zu handeln. Und die Länder scheinen sie dabei unterstützen zu wollen.
Die Universitäten müssten laut Referentenentwurf eine Vereinbarung mit allen geeigneten Krankenhäusern abschließen, die gewährleisten können, dass das Logbuch der jeweiligen Universität eingehalten wird, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke. Damit habe die Universität letztlich auch Einfluss auf die Auswahl der Lehrkrankenhäuser. Das Logbuch ist jedoch nicht das Einzige, worauf sich die Qualitätssicherung künftig stützen könnte.
Auch die Medizinstudierenden haben ein intrinsisches Interesse an guter Lehre. Sie werden nicht dorthin strömen, wo nur Aufwandsentschädigungen locken. Dieser Teil der medizinischen Laufbahn ist viel zu wichtig, um ihn unter dem schlechten Ruf einer x-beliebigen Klitsche leiden zu lassen. Schon heute berichten zahlreiche PJ-Studierende, die Lehre sei schlecht. Und sie wollen sich dies nicht länger bieten lassen. Sie wollen ihre Lehrstätte selbst frei wählen können. Wer will ihnen dies verwehren?
Die Medizinischen Fakultäten. Sie wollen die Studierenden in Einrichtungen zwingen, die den Fakultäten genehm sind. Diese argumentieren, sie seien nicht in der Lage, mit der geforderten Zahl an Lehrkrankenhäusern Vereinbarungen zu schließen. Sie sehen sich jedoch offenbar in der Lage, die Qualität der bestehenden Lehrkrankenhäuser zu überwachen. Flächendeckend bewiesen haben sie dies nur mit Abstrichen. Eindeutig bewiesen haben aber einige, dass sie sich vehement gegen das Zahlen einer Aufwandsentschädigung wehren können. Das kann jedoch wohl kaum das sein, was unter Qualitätssicherung zu verstehen ist.
Aber vielleicht ist der Preis für eine gute Lehre den Blockadeländern zu heiß. Tatsächlich wird die Lehre durch die Neuregelungen wohl nicht billiger. Das liegt eher weniger an möglichen Aufwandsentschädigungen. Vielmehr müssten alle interessierten Krankenhäuser eine gute Lehre anbieten. Dies könnte kosten, wenn auch jetzige Lehrkrankenhäuser attraktiver werden müssten. Einige bislang vernachlässigte Häuser haben schon jetzt begriffen, dass sie attraktiv sein müssen. Ihnen böten sich neue Chancen. Wenn die Länder aber nur die Risiken der Reform sehen, vergeben sie die Chance, das Medizinstudium in die Fläche zu bringen. Alle Beteiligten sollten an einem Strang ziehen und die Reform rasch umsetzen. Schließlich geht es nicht nur um mehr Mobilität, sondern auch um die Abschaffung des Hammerexamens und vieles mehr.
*Dr. Lutz Retzlaff ist freier Redakteur bei der MBZ, E-Mail: retzlaff@marburger-bund.de



