Mehr Hände – mehr Zeit!

Von Angelika Steimer-Schmid

#MehrZeit – mehr Zeit brauchen Ärztinnen und Ärzte auch 2018 für viele wichtige Dinge! Die Kampagne #MehrZeit, die der MB 2017 gestartet hat, legt den Finger dort in die Wunde, wo der Zeitmangel besonders weh tut: bei der Betreuung der Patienten, bei der Weiterbildung, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit der besorgniserregenden Entwicklung bei den Organspende-Zahlen in Deutschland kommt ein weiteres Themenfeld hinzu, dem sich die MBZ unter dem Aspekt „Mehr Zeit“ in dieser Ausgabe besonders widmet.

Wenn es Fakt ist, dass in Bayern aufgrund der Landesgesetzgebung und den Konsequenzen daraus – Transplantationsbeauftragte sind für ihre verantwortungsvolle, schwierige und zeit­intensive Tätigkeit geregelt freigestellt – die Zahl der Organspenden entgegen dem bundesweiten Trend um 18 Prozent steigen, dann braucht es doch gar kein Nachdenken, um zu erkennen, dass dies richtig ist, um das Drama um immer weniger Organtransplantationen zielführend anzugehen. Warum schlafen also noch die anderen Bundesländer, indem sie unpräzise Landesgesetzgebungen haben?

Wenn es stimmt, dass die Spendenbereitschaft in den zurückliegenden Jahren laut DSO quasi unverändert bei rund 70 Prozent liegt, dann kann es nicht anders sein, als die Politik auf Landesebene – bundesgesetzgeberisch ist der Rahmen definiert – dafür in die Verantwortung zu nehmen. Länder, stellt die Transplantationsbeauftragten an den Kliniken im angemessenen und geregelten Umfang frei. Der Verzicht auf Regelungen bedeutet im Krankenhaus, dass das Team, das den Transplantationsbeauftragten stellt, ungeregelt Mehrarbeit leistet – und weniger Zeit für anderes hat. Das ist im Klinikalltag einfach nicht mehr drin. Zahlt darüber hi­naus den Transplantationsbeauftragten ihre Fortbildung für diese schwierige Aufgabe, zahlt den Kliniken den enormen finanziellen Aufwand für Transplantationen in angemessenem Umfang! Menschen zur Organspende aufzurufen, dann aber finanz- und organisationspolitisch nicht für die geeigneten Rahmenbedingungen zu sorgen, ist unredlich!

Trotzdem braucht es genug zuverlässig und schnell erkennbare Spender. Die DSO hat inzwischen den Erwerb eines Organspendeausweises so einfach wie nur irgend denkbar gestaltet: Auf die Website gehen   (www.dso.de), sich die pdf herunterladen, ausdrucken, ausfüllen und ab zu den Unterlagen, am besten ins Portemonnaie zu Ausweis oder Führerschein. An dieser Stelle kann jede Leserin, jeder Leser der MBZ sich prüfend fragen, wo der eigene Ausweis ist. Denn natürlich bedarf es nach aktueller Gesetzeslage einer klaren Willensbekundung zur Organspende. Eben am besten mit dem Organspendeausweis!

24 Stunden, sieben Tage die Woche – mehr Zeit steht nicht zur Verfügung, um kranke Menschen zu behandeln. Es braucht folglich für immer mehr Patienten mehr Hände, die diese Arbeit leisten. Und das gilt eben auch bei den Transplantationsbeauftragten. Wenn sich CDU/CSU und SPD jetzt in Koalitionsverhandlungen befinden, sollten sie dies bei ihren weiteren gesundheitspolitischen Überlegungen an erste Stelle stellen – weiter hinter der Systemfrage.