Organspende

Von Rudolf Henke

Vor einigen Tagen habe ich in Münster an einer Begegnung von Transplantationsbeauftragten nordrhein-westfälischer Krankenhäuser teilgenommen, zu dem neben der Arbeitsgemeinschaft der Transplantationsbeauftragten auch die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe eingeladen hatten. Die dortigen Überlegungen sind wichtig genug, um sie auch an dieser Stelle zu reflektieren.

Die aktuellen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), veröffentlicht im November, sind erneut alarmierend. Im Jahr 2017  ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Spender nochmals um 5,2 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der gespendeten Organe ging  im gleichen Zeitraum um 7 Prozent  zurück. Im gesamten Jahr 2017 waren 797 Spender zu verzeichnen. Das ist der niedrigste Stand an Spendern seit 20 Jahren. 2007 waren noch 1.313 Spenderinnen und Spender zu verzeichnen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den realisierten Spenden im unteren Bereich: 2014 spendeten bundesweit pro eine Million Einwohner postmortal nur 10,7 Menschen ihre Organe – obwohl wesentlich mehr über einen Organspenderausweis verfügen. Neben den weltweit höchsten Spenderquoten in Spanien mit 35 Menschen pro eine Million Einwohner sind auch in vielen anderen europäischen Ländern (mit Widerspruchs- bzw. Informationsregelung) deutlich höhere Spenderzahlen zwischen 20 und 30 Personen pro eine Million Einwohner zu verzeichnen.

Auswertungen haben gezeigt, dass es häufig zur Therapielimitierung kommt, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht. Dann werden keine Gespräche mehr mit den Angehörigen geführt, die die Möglichkeit einer Organspende klären. Oft werden auch die Transplantationsbeauftragten gar nicht mehr hinzugezogen. 

Ganzes Bündel an Problemen

Die zunehmende Arbeitsverdichtung auf den Intensivstationen, der Personalmangel und wirtschaftliche Druck in den Kliniken sowie der bürokratische Aufwand im Organspendeprozess wirken sich offenbar negativ auf die Durchführung der Organspende aus. Gerade das Alter der Organspender erhöht die Komplexität sowie den Zeitaufwand des Prozessablaufs. In den pauschalen Kostenerstattungen zur Todesfeststellung durch die Krankenhäuser ist dies bisher nicht berücksichtigt.

Nach den Zahlen der DSO müssen pro Tag drei Patienten aufgrund fehlender Organe sterben. Das können wir auch als Ärzteschaft nicht tatenlos hinnehmen.

Damit in den Krankenhäusern mehr Organspender identifiziert werden, muss die Rolle der Transplantationsbeauftragten (gesetzlich) gestärkt werden.

Wir müssen uns daher aktuell über Fragen der einheitlichen rechtlichen Regelung der Tätigkeit bzw. der Freistellung und der Honorierung im Sinne einer Professionalisierung der Aufgabe der Transplantationsbeauftragten Gedanken machen. 

Einen konkretisierenden Fortschritt bedeutet hierbei die „bayerische Lösung“: In Bayern werden die Beauftragten seit vergangenem Jahr kalkulierbar freigestellt. Dabei müssen auch die Kliniken stärker in die Pflicht genommen und die Rahmenbedingungen der Arbeit der Transplantationsbeauftragten mit verbindlichen Regelungen im Landeskranken­hausgesetz festgeschrieben werden.

Ich halte die „bayerische Lösung“ für gut, weil sie den komplexen Aufgaben der Transplantationsbeauftragten im Organspendeprozess besser Rechnung trägt. Diese Aufgaben umfassen unter anderem die Kontrolle der Zusammenarbeit zwischen Entnahmekrankenhäusern Transplantationszentren und der DSO, Dokumentationsaufgaben, sowie die wichtige Begleitung von Angehörigen. Damit die Transplantationsbeauftragten diese Aufgaben umfänglich erledigen können, braucht es verbindliche Regelungen zu deren Freistellung und Honorierung. 

Auch die Klinikleitungen müssen aktiv einbezogen werden, um die krankenhausinternen organisatorischen Prozesse hinsichtlich eines Verbesserungspotenzials zu analysieren und die Frage der Organspende besser und automatisiert in den Abläufen zu verankern. Letztlich ist auch eine weitere Sensibilisierung des ärztlichen und pflegerischen Personals notwendig, um die Arbeit der Transplantationsbeauftragten zu erleichtern und weiter zu unterstützen.