Beteiligung am Kuchen …

Von Angelika Steimer-Schmid

Wie konnte es eigentlich passieren, dass sich in Sachen Vergütung wahlärztlicher Leistungen der Grundsatz „Wer die Leistung erbringt, muss dafür auch die Vergütung bekommen“, so gegen die Ärzteschaft gekehrt hat? Wie kann es sein, dass sich in der aktuellen Situation großen Ärztemangels noch immer Krankenhausverwaltungen die Vergütung der Wahlleistungen in die Tasche stecken, bestenfalls Chefärzte über zum Beispiel Bonusregelungen, geknüpft an wirtschaftliche Ziele partizipieren lassen, aber all jene, die ganz oft tatsächlich die Leistung erbringen, von diesem Topf ausgrenzen?

Natürlich beginnt es bei der Information darüber, dass eine Beteiligung an wahlärztlicher Vergütung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste. Nach 15 Jahren DKG-Doktrin in den Krankenhausleitungen sind es aber immer weniger Ärztinnen und Ärzte, die diese Zusatzeinnahmen vergangener Tage noch kennen. Wie sonst kann so oft in der MBZ-Umfrage geäußert werden, dass mit dem Chefarztwechsel diese Einnahme plötzlich, ohne Vorankündigung, ohne Erklärung entfällt oder nur noch Minimalbeträge für viel Arbeit fließen.

Das setzt sich fort in dem Abschluss eines entsprechenden Arbeitsvertrages. Und das geht schon beim Arzt in der Weiterbildung los, der eigentlich gar nicht zur Erbringung wahlärztlicher Leistungen he­rangezogen werden darf, de facto aber häufig genug für den Chef Privatpatienten behandeln muss. Das wiederum bedingt eine entsprechende Arbeitsvertragsberatung. Die bietet der MB allen seinen Mitgliedern kostenlos im Rahmen der Mitgliedschaft. Dieses wertvolle Angebot der Arbeitsvertragsprüfung muss aber auch genutzt werden. Das setzt wiederum voraus, dass die Beteiligung an den wahlärztlichen Erlösen kein Tabuthema zwischen Chefs und Nachgeordneten ist, dass darüber klar kommuniziert wird, über das Ob, das Wie und das Wann.

Es gibt, auch das belegt die MBZ-Umfrage, sehr wohl noch faire und zufriedenstellende Beteiligungen nachgeordneter Ärztinnen und Ärzte. Es geht also: Wo ein Wille, da ein Weg! Es gibt zum Beispiel Betriebsvereinbarungen, die das regeln. Da sind also die Betriebsräte gefordert – und die Beteiligung muss sich nicht nur auf nachgeordnete Ärztinnen und Ärzte beschränken, sondern kann auf alle beteiligten Beschäftigten ausgeweitet werden. Es gibt Krankenhausgesetze in einigen Bundesländern, die Erlösbeteiligung ausdrücklich vorsehen, die gilt es zu nutzen. In Einzelfällen sorgt auch mal eine Ärztekammer dafür, dass es im Rahmen des Berufsrechts kollegial zugeht. Alles Ansätze, die eine faire Zuteilung gemäß dem Motto „Wer die Leistung erbringt, muss auch die Vergütung dafür bekommen“ möglich machen.

Der Marburger Bund hat das Thema auf der Agenda und setzt sich zum Ziel, hier für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen. Dahin führen wie angesprochen einige Wege, an denen die Betroffenen auch entsprechend mitwirken können.