Kampf „mit dem Rücken an der Wand“

Von Name ist der Redaktion bekannt

Als Facharzt für Psychiatrie und praktischer Arzt habe ich rund 30 Jahre Erfahrung mit klinisch-psychiatrischen Notaufnahmen und auch mit körperlich-medizinischen Notfällen. Durchgehend habe ich in zahlreichen Diensten alleine in der Klinik gearbeitet und oft „mit dem Rücken an der Wand“ gekämpft, wie auch noch die heutigen jüngeren Kollegen dies tun.

Das Problem ist eigentlich nicht schwer vermittelbar: Die Arbeitgeber wollen am liebsten nichts bezahlen (wie ich dies noch in den Zeiten der sogenannten Ärzteschwemme in den 1980er Jahren erlebt habe) und schon gar nicht zwei gleichzeitig diensttuende Ärzte. Also kommt man regelmäßig in Situationen, in denen mehrere Notfälle gleichzeitig zu einer Aufnahme (oder mindestens Abklärung der Notwendigkeit einer Aufnahme) anstehen und oft noch gleichzeitig stationäre Notfälle abgeklärt werden müssten (so habe ich erlebt, dass ein Kollege zwei Reanimationen gleichzeitig hätte durchführen müssen, der zweite Patient kam zu kurz und verstarb, die Angehörigen klagten etc.).

Von Arbeitgeberseite wird regelmäßig die Schutzbehauptung aufgestellt, wir säßen ja die meiste Zeit nur herum, was ist das denn für ein Schwachsinn und warum wird der nicht aggressiv vom MB angeprangert? Man möchte entgegnen: Wollen Sie denn, dass ihre herzinfarkt gefährdete Mutter von einem sich langweilenden Kollegen mit großer Neugier untersucht und behandelt oder von einem Kollegen, der gerade anderweitig beschäftigt ist, ignoriert wird?

Bereits 1980 habe ich es als Auslandsfamulant in der Klinik eines Minenkonzerns in Chile erlebt, dass mehrere hochkompetente Fachärzte der verschiedensten Disziplinen gleichzeitig einen hereingebrachten Notfallpatienten angeschaut haben, sich zum Teil scherzhaft darum stritten, wer den Patienten nun behandeln darf und dieser dann erstklassig sofort adäquat behandelt wurde. Wo bleibt bei uns dieser Fortschritt in der Medizin?

Stattdessen hörte ich immer wieder von meinen (meist älteren) Patienten, dass sie schon viele Ärzte erlebt hätten, aber noch nie so ausführlich untersucht worden seien, was für mich etwas schmeichelhaft wirkte, aber peinlich ist für das System.