Berufsgenossenschaftliche Kliniken

Peinliche Arbeitgeber-Vorstellung in 2. Verhandlungsrunde

Rückfall in traditionelle Muster / Fortsetzung am 29. September

Berlin (hoff).

Mitte August hat in Berlin die zweite Verhandlungsrunde mit den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken stattgefunden. Die Arbeitgeber hatten zuvor angekündigt, ein erstes konstruktives Angebot zu unterbreiten, welches – anders als in früheren Gehaltsrunden – nicht Provokation, sondern eine gute Grundlage für die weiteren Verhandlungen darstelle und die selbst beanspruchte Spitzenposition der BG-Kliniken zum Ausdruck bringe. Was dann auf den Tisch kam, war dann doch eher der peinliche Rückfall in traditionelle Verhaltensmuster:

Peinlich: Die BG-Kliniken bieten eine lineare Erhöhung von insgesamt 3,5 Prozent verteilt auf 30 Monate oder zweieinhalb Jahre (zum Vergleich: die Abschlüsse des Marburger Bundes in anderen Tarifbereichen liegen dieses Jahr bei zum Teil wesentlich kürzerer Laufzeit bei einem Gesamtvolumen von über 5 Prozent).

Peinlich: Die BG-Kliniken setzen sich überhaupt nicht mit der Forderung des Marburger Bundes ausei­nan­der, die Vergütung für Nachtarbeit zu verbessern – sie wurde nicht einmal einer förmlichen Ablehnung für würdig befunden.

Peinlich: Die BG-Kliniken negieren die massiv gestiegene Arbeitsbelastung in den Kliniken der selbst beanspruchten Spitzenversorgung.

Eine gute, konstruktive Grundlage für die weiteren Verhandlungen sieht anders aus, da gibt es für den Arbeitgeber bis zum nächsten Verhandlungstermin einiges aufzuarbeiten.

Zum Angebot selbst: Die Arbeitgeberseite bietet ab dem 1. Juli 2017 für zunächst 15 Monate eine Erhöhung der Gehälter um 1,5 Prozent und dann in einem zweiten Schritt eine Erhöhung um weitere 2 Prozent an. Die Forderungen zur Verbesserung der nächtlichen Zuschläge für Vollarbeit und Bereitschaftsdienst bleibt unbeachtet, denn von einer Arbeitsverdichtung könne keine Rede sein. Da dies auch so bleibe, sei eine lange Laufzeit angemessen.

Umgerechnet auf die angebotene Laufzeit von insgesamt 30 Monaten entspricht es einer Steigerung von durchschnittlich etwa 2,5 Prozent mehr Gehalt. Zum Vergleich: Damit erreicht dieses Angebot nicht einmal drei Viertel des laufzeitbereinigten Durchschnittswertes der Abschlüsse im Öffent­lichen Dienst von Kommunen und Ländern mit jeweils etwa 3,6 Prozent.

Zur Erinnerung: Der Marburger Bund fordert in dieser Tarifrunde eine lineare Anpassung der Gehälter um 5,9 Prozent sowie die Anhebung des Nachtzuschlages für Vollarbeit und Bereitschaftsdienst in der Zeit zwischen 0.00 Uhr und 4.00 Uhr auf 40 Prozent des individuellen Stundenentgelts.

„Zu glauben, dieses Angebot sei auch nur ansatzweise akzeptabel für unsere Mitglieder, zeugt von Realitätsferne“, sagte Rolf Lübke, Verhandlungsführer des Marburger Bunds. „Wir erwarten jetzt von der Arbeitgeberseite, dass sie sich nicht nur bewegt, sondern in der nächsten Runde ein wertschätzendes Angebot macht, das die Realität in den BG-Kliniken beachtet und dem Vergleich zu anderen Klinikträgern standhält. Die heutige Offerte kann nur als peinlich bezeichnet werden.“

Die Tarifverhandlungen werden am 29. September fortgeführt.

Kommentare


Möchten auch Sie mitdiskutieren?!

Dann loggen Sie sich in unsere Web-Community ein. Sind Sie bereits Mitglied, besitzen aber noch keinen Account zur Web-Community? Dann registrieren Sie sich bitte hier.

Login