Lieber Reden

Von Dr. M B

Die Welt wird auch dieses Jahr etwas besser. So wird es erneut nicht nur zum Fest der Liebe und danach zum Fest der Böller kommen. Garantiert wird erneut vor möglichen üblen unerwünschten Wirkungen der beiden Feste kräftig gewarnt. Garantiert ist beispielsweise die millionenfache Warnung: „Hoher Alkoholkonsum ist Gift für den Körper.“ Allerdings muss man schon einer sehr bildungsfernen Bevölkerungsschicht angehören, um diesen Hinweis notwendig zu haben. Und selbst in solchen Schichten kann vielfach das eigene Erleben die Aufklärung durch Schrift, Ton und Bild überflüssig erscheinen lassen. Der Kater garantiert, dass die Erinnerungslücken nicht groß genug sein können, um den Kopfschmerz unerklärbar zu machen. Warum werden also immer wieder die gleichen Geschichten erzählt? Vielleicht hilft ein Blick in die Menschheitsgeschichte. Bei der Evolution der Kooperation könnte jedenfalls das Geschichtenerzählen innerhalb des Stammes eine wichtige Rolle gespielt haben. Neuere Untersuchungen bei den Agta, einem Volk von Jägern und Sammlern auf den Philippinen, unterstreichen dies. Demnach handelten dort die mündlich überlieferten Erzählungen meist von korrektem sozialen Verhalten. Darüber hi­naus war kooperatives Verhalten in Gruppen mit besonders begabten Erzählern ausgeprägter als in anderen. Begnadete Erzähler genossen ein erhöhtes Ansehen, was mit größerer Kinderzahl verbunden war (Daniel Smith et al. 2017 Nat. Commun. doi: 10.1038/s41467-017-02036-8). Dampfplaudern könnte also schon lange eine erotisierende Wirkung haben. Cave: Zu viel davon kann auch hier schädlich sein. Aber vielleicht hat die ständige Warnung vor zu viel Alkohol eine irgendwie positive Wirkung. Man muss ja nicht immer Reden oder Trinken. So oder so: Ruhige Notfallaufnahmen und tolle Feiern wünscht

Ihr Dr. MB