MB-Studi-Barometer 2016

Glasklare Aussagen der Studenten!

Keine Pflichtabschnitte für Allgemeinmedizin im PJ / Großer Ärger bei der Fachgesellschaft

Berlin (ass/hjf/lure).

Der Ärger über die Ergebnisse des MB-Studi-Barometer 2016 muss sehr groß sein, wenn die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) dazu eigens eine dreiseitige Stellungnahme verfasst, um zentrale Aussagen der befragten Medizinstudierenden als „nicht objektiv“ abzuqualifizieren (DEGAM-Stellungnahme vom 14.03.2016). Was war passiert?

Der Marburger Bund hatte vor allem mithilfe seines Newsletters für Medizinstudierende und dem Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) eine Online-Umfrage durchgeführt. Rund 1.800 Medizinstudierende nahmen vom 15. Dezember 2015 bis 24. Januar 2016 teil. Klar wurde: „Das Fach Allgemeinmedizin genießt bei den Medizinstudierenden einen guten Ruf und gilt vielen von ihnen als persönliche Perspektive. Eine Stärkung des Fachs erwarten sie nicht von weiteren Regulierungen in der ärztlichen Ausbildung, sondern von einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Tätigkeit als Allgemeinarzt“, wertete Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger-Bund-Bundesverbands.

Die von der Bundesregierung im „Masterplan Medizinstudium 2020“ vorgesehene Stärkung des Fachs Allgemeinmedizin im Medizinstudium trifft auf große Skepsis bei den Studierenden. Drei Viertel (74 Prozent) halten eine stärkere Einbindung der Allgemeinmedizin in das Studium für nicht notwendig. Auf besonders große Ablehnung stößt die von der DEGAM erhobene Forderung nach einem Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr (PJ), z.B. ein PJ-Quartal Allgemeinmedizin: 86 Prozent der Medizinstudierenden lehnen einen derartigen Pflichtabschnitt ab, nur 14 Prozent sind dafür. Auch der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eingebrachte Vorschlag einer obligatorischen Prüfung im Fach Allgemeinmedizin am Ende des Studiums wird von drei Viertel der Medizinstudierenden (75 Prozent) verworfen.

„Für Studierende ist entscheidend, dass sich die Rahmenbedingungen der hausärztlichen Tätigkeit verbessern. Der Nachwuchs für die Allgemeinmedizin ist durchaus vorhanden. Ein Einzelkämpferdasein in eigener Praxis mit unsicheren finanziellen Rahmenbedingungen kann sich aber kaum einer der Medizinstudierenden vorstellen“, bekräftigte Stefanie Weber, Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im MB.

Besonders interessant ist dabei, dass bei den Studierenden der Uni Frankfurt die Studienreformideen ihres Universitätsprofessors für Allgemeinmedizin und Direktors des In­stituts für Allgemeinmedizin Prof. Ferdinand Gerlach, der auch DEGAM-Chef ist, strikte Ablehnung erfahren. Die Frankfurter Studierenden haben dort eine stärkere Einbindung des Fachs Allgemein­medizin mit 81 Prozent noch deutlicher abgelehnt als die übrigen Studenten. Das ist nicht so überraschend, weil an der Uni Frankfurt schon einiges für das Fach unternommen wird. Überraschend ist aber, wie deutlich die Frankfurter Medizinstudierenden einen Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin im PJ ablehnen: 93 Prozent sind dagegen – deutlich mehr als der Rest (86 Prozent).

Das hat die DEGAM scheinbar nicht zum Nachdenken gebracht – im Gegenteil. Sie betont die Qualität der Frankfurter Ausbildung und nennt keine andere Quelle außer sich selbst. Vielleicht interessiert sie sich auch gar nicht für die Meinung Studierender. In ihrer Stellungnahme beklagt sie, dass diese sowieso zusätzlichen Verpflichtungen im Studium in aller Regel zunächst generell kritisch gegenüberstehen. Genau diese möchte die Fachgesellschaft gerne durchsetzen.

Weitere Infos

Die Erwiderung des MB auf die DEGAM steht im Internet unter http://weiter.es/mb/-zgcB

Kommentare


Möchten auch Sie mitdiskutieren?!

Dann loggen Sie sich in unsere Web-Community ein. Sind Sie bereits Mitglied, besitzen aber noch keinen Account zur Web-Community? Dann registrieren Sie sich bitte hier.

Login