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Leichtfertigkeit kann bestraft werden

Haben PJler im Schadenfall wirklich rechtliche Konsequenzen zu fürchten?

Köln (pm).

Viele Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) sind der Ansicht, dass sie während der Ausbildung einem Patienten gegenüber nicht haften. Ein schwerer Irrtum, denn jeder haftet einem Geschädigten gegenüber persönlich für Schäden, die er diesem zugefügt hat. So auch ein PJler.

Wer schuldhaft das Leben, den Körper oder die Gesundheit eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch (§823 I BGB). Das gilt auch für Medizinstudenten. Sie haften grundsätzlich persönlich und finanziell in unbegrenzter Höhe für ihr Handeln. Aber, so die Frage, der PJler ist doch an die Weisungen seiner Vorgesetzten gebunden und er handelt unter Aufsicht und Anleitung des ausbildenden Arztes. Da kann er doch nicht verklagt werden?

Richtig ist, dass im Einzelfall immer zu prüfen sein wird, ob die Verantwortlichen ihrer Anordnungs- und Durchführungsverantwortung sowie ihrer Organisationspflicht nachgekommen sind. Das Ergebnis kann dazu führen, dass der aufsichtsführende Arzt und oder die Klinik haftet. Allerdings wird der Student nur schwer aus der persönlichen Verantwortung he­rauskommen, wenn er leichtfertig einen sehr schweren Fehler gemacht hat. In Haftungsprozessen wird dann auch der PJler mitverklagt, wenn ihm etwas vorzuwerfen ist. Schaut man sich die Fälle, an die vor Gericht verhandelt werden, so ist meist ein Vorwurf typisch: das Handeln auf eigene Faust. Also immer daran denken: PJler sind Auszubildende, die nur auf Anweisung handeln dürfen und bei geringstem Zweifel nachfragen müssen.

Ein Weiteres: Studierende können auch strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Im Strafrecht gibt es die Tatbestände der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung. Und die gelten grundsätzlich für jeden. So hat das Landgericht Bielefeld im Jahr 2013 einen PJler wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hatte einem Säugling ein oral zu gebendes Medikament venös verabreicht. Wie können sich nun Medizinstudierende gegen Schadenersatzansprüche oder Strafverfahren schützen?

Rechtsanwalt Patrick Weidinger, renommierter Experte im Arzthaftungsrecht der Deutschen Ärzteversicherung, gibt folgende Ratschläge: „An allererster Stelle sollten Studierende natürlich Sorge tragen, dass erst gar nichts passiert. Dazu gehört, dass PJler aktiv eine ausreichende Einarbeitung und Ausbildung einfordern und bei allen Unklarheiten sofort nachfragen. Außerdem müssen immer die Namen der erreichbaren Ansprechpartner erfragt und Informationen über das Notfallprozedere eingeholt werden. Besonders wichtig ist es auch, zu verinnerlichen, dass man als Studierender nicht behandeln darf. Handlungsanweisungen müssen genauestens abgesprochen werden. Ahnt der PJler, dass ihn ein Auftrag überfordert, sollte er dies zur Sprache bringen und die Ausführungen gegebenenfalls ablehnen. Sehr wichtig ist es auch, so viel wie möglich zu dokumentieren.“

Gut und umfassend geschützt zu sein, geht ganz einfach: Eine passende eigene Versicherung. Dann lebt sich’s am sorgenfreisten. Aber als Erstes sollte man immer prüfen, ob man über das Krankenhaus versichert ist. Für welche Fälle und mit welcher Summe. Empfehlenswert ist, sich das schriftlich bestätigen zu lassen. Fehlt über das Lehrkrankenhaus ein entsprechend umfassender Versicherungsschutz, ist eine spezielle PJ-Haftpflichtversicherung sinnvoll. Sie bietet Schutz wenn

  • keine Betriebshaftpflichtversicherung des Lehrkrankenhauses besteht,
  • ein Wechsel des Lehrkrankenhauses zu einem Wegfall einer Betriebshaftpflicht führt,
  • ein Strafverfahren eingeleitet wurde, die Schadenbearbeitung durch spezialisierte Juristen des Versicherers erfolgen soll.

Diese komplette Palette hat man bei einer Privathaftpflichtversicherung – z.B. wenn der PJler noch bei den Eltern mitversichert ist – in der Regel nicht. Der Spezialversicherer Deutsche Ärzteversicherung bietet mit seiner PJ-Haftpflicht für den Studenten die passende Absicherung, deren Umfang und Leistung unter www.aerzteversicherung.de/Produkte/Berufshaftpflicht/Student-im-PJ aufgeführt sind.

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