„Ich wünschte, mein Tag ­hätte 30 Stunden …“

Mach-mit-Aktion des ­Marburger Bundes

Von Elisabeth Urich

Was ich nicht alles noch machen würde, wenn ich mehr Zeit hätte ... – noch eine Fremdsprache lernen (Spanisch klingt schön), Klavier spielen, definitiv mehr zum Sport gehen, mehr Zeit mit Freunden verbringen …

Tatsächlich aber sage ich viel häufiger, als ich möchte, „Sorry, aber ich schaffe es heute Abend nicht mehr – theo­retisch gerne, aber … – ne, da komme ich aus dem Nachtdienst – die sechs Wochen gehen gar nicht, da ist Prüfungsphase.“ In dem fast 100-jährigen Bestehen der medizinischen Bibliothek fiel, glaube ich, noch nie der Satz: „Jetzt da ich mit Lernen komplett fertig bin, weiß ich gar nicht, was ich tun soll.“ Irgendwie gibt es immer noch was zu erledigen, irgendwas, das übrig ist – die niemals endende to-do-Liste des Lebens.

Die Marburger-Bund-Kampagne „Zeit für …“ setzt sich mit genau dieser tagtäglichen Diskrepanz auseinander. Während im Krankenhaus eher Fragestellungen zu Ruhezeiten und Arbeitsschutz sowie individualisierten Arbeitszeitmodellen von Bedeutung sind, spielen Psychohygiene und Stressbewältigung im Privaten eine wichtige Rolle. Nicht nur auf das Fachliche lässt sich eben das Mantra „Mediziner lernen niemals aus“ beziehen.

Das bislang für mich persönlich Hilfreichste und Wichtigste, was ich je zum Thema Zeitmanagement gelernt habe, ist es, sich Zeit für Freude an der Medizin zu nehmen. Selbstverständlich ist es wichtig zu priorisieren, effizient zu arbeiten, Lerntechniken zu finden, um das Stoffpen­sum zu bewältigen, Schlafhygiene zu praktizieren und so weiter – all das ist aber nur so lange sinnig, wie uns Medizin als Studienfach und Berufsweg erfüllt.

Nehmt euch also Zeit für die Begeisterung an der Medizin! Lest und lernt nicht nur, was ihr müsst, sondern was euch interessiert. Natürlich fallen dadurch Biochemie und Derma nicht einfach weg und am Ende des Semesters müssen die Prüfungen schon noch irgendwie geschrieben werden – am Ende des Studiums bleibt aber die Medizin übrig.

Ich habe pure Empathie für alle Studierenden mit „Hassfächern“ und ich finde bei Gott auch nicht alles, was wir im Studium lernen, spannend. Gelegentlich lernen wir auch eben nur für Prüfungen – das alleine macht für mich aber Medizin nicht aus.

Medizin ist für mich so viel mehr: die Erinnerungen an einige tolle und einige verrückte Patienten; das erste Mal Blut abnehmen (und es klappt!); Lieblingsfrakturen; Aha-Momente, in denen alles dann den Sinn ergibt, spannende medizinische Innovationen (diese neuen Blutzuckermesspatches sind so was von cool) und so viel mehr. Diese Momente und diese Begeisterung sind es, warum ich Medizin studiere.

Lasst bei all dem Alltagsstress und Lerndruck euch noch die Freiheit und die Zeit, um Medizin zu lieben. Nehmt euch die Zeit für die Freude am Fach!

Und nehmt euch kurz Zeit für die Marburger-Bund-Kampagne „Zeit für …“. Um was geht es dabei? Unter www.marburger-bund.de/­studi-umfrage-zeit findet ihr eine elektronische Pinnwand, auf der ihr eure „Zeit für …“- Anregungen und -Wünsche hinterlassen könnt. „Zeit für …“ – da kann es um das Studium gehen, aber auch um eure Vorstellungen für euer zukünftiges Arztdasein. Oder was ganz anderes? Die interessantesten Beiträge werden im nächsten Uni-Spezial zu Beginn des Herbst-Semesters veröffentlicht.

Wir sind sehr gespannt auf eure Antworten!

Mehr Zeit für ... – was fällt dir dazu ein? Schreib es uns unter:
www.marburger-bund.de/studi-umfrage-zeit

Zur Autorin

Die Autorin Elisabeth Urich ist Mitglied im Sprecherrat der Medizinstudierenden und im MB-Landesvorstand Berlin/Brandenburg

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