Als Studierender im Marburger Bund

Von Victor Banas

Was bedeutet es, als Studierende/-r im Marburger Bund zu sein? Als ich 2014 hier anfing, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mein lokales Engagement in der Fachschaft zu optimieren. Wir kamen in Hamburg bei der PJ-Aufwandsentschädigung nicht weiter, waren wenige, konnten nicht verhandeln. Wir hatten schlicht keine Druckmittel. Die anderen Medizinfakultäten hatten ganz ähnliche Probleme. Wir mussten uns also besser vernetzen, übergreifende Lösungen finden. Wir mussten größer denken.

Der Marburger Bund ist in 14 Landesverbänden organisiert. Jede Uni hat ihre Kontaktstudenten, die vor Ort Ansprechpartner für Kommilitoninnen und Kommilitonen sind, Aktionen organisieren, Augen und Ohren des Landesvorstandes und des Sprecherrats auf Bundesebene sind. Sie bekommen die Probleme vor Ort aus erster Hand mit. Der Landesverband ist erster Ansprechpartner und unterstützt die Studierenden, wo es nötig ist.

Auch als Studentenvertreter im Bundesvorstand gibt es einiges zu tun. Im Vorstand, im ganzen Verband, sitzen sehr unterschiedliche Charaktere, die sich gut ergänzen. Die Kollegen hören zu, sind konstruktiven Argumenten zugänglich, sind überlegt, aber auch durchaus streitbar.Wenn wir anderer Meinung sind, sprechen wir das an. So finden wir fast immer eine Lösung, mit der alle leben können. Diese unbeirrbare Lösungsorientierung imponiert mir, gleichzeitig steht man loyal und ehrlich füreinander ein. Diese Mischung macht die Atmosphäre sehr konstruktiv und familiär.

Diese Stimmung findet sich auch im Sprecherrat wieder. Der Sprecherrat der Medizinstudierenden im Marburger Bund trifft sich regelmäßig mit seinen Uni-Vertretern aus ganz Deutschland. Auch hier sitzen kluge Köpfe, die einen immer wieder zum Umdenken bringen. Zusammen mit dem Vorstand bringt der Sprecherrat seine Anträge in die Hauptversammlung des Marburger Bundes ein. So geben wir den Studierenden eine starke Stimme.

Unsere Anträge zur Stärkung der Ethik im Medizinstudium, der Ablehnung der Landarztquote und der Beteiligung von Studierenden an der Expertenkommission, die sich mit der Umsetzung der Studienreform Masterplan 2020 beschäftigt, wurden von der Hauptversammlung des MB und auch dem Deutschen Ärztetag beschlossen. Die letzte Hauptversammlung stand zudem im Zeichen eines internen Wandels: Die Studierenden im Marburger Bund wollten ihre ohnehin schon gelebten demokratischen Rechte festschreiben:

Arbeitsrechtliche Beratung, Stimmrecht und einen festen Platz in den Vorständen der Landesverbände für gewählte studentische Vertretende.

Ein Wahlsystem, das bei den Kontaktstudierenden beginnt. Jeder kann Kontaktstudierende/-r werden, jeder kann mitbestimmen und seine Vertretung im Sprecherrat wählen.

Der oder die Vorsitzende des Sprecherrates soll folgerichtig qua Satzung in den Bundesvorstand kooptiert werden.

Mitspracherecht wird Mitbestimmungsrecht. Die mehr als 200 Delegierten aus 14 Landesverbänden, aus denen sich die Hauptversammlung zusammensetzt, stimmten mit überwältigender Mehrheit dafür – ohne eine einzige Gegenstimme. Das oberste Beschlussorgan des Marburger Bundes stärkt seinen Studierenden den Rücken. Auch wenn solche Veränderungen Zeit brauchen, der Grundstein ist gelegt: Der Marburger Bund hat den Blick in die Zukunft gerichtet und die jungen, zukünftigen Kollegen sind ein Teil davon.

Der nächste Schritt ist jetzt die Öffnung nach außen:Wir versuchen, unter anderem zusammen mit der BVMD einen Konsens zu finden und uns gemeinsam, als starke Studierendenvertretungen, Schulter an Schulter zu stellen.

Der Marburger Bund ist also gut gerüstet für die Zukunft., Aber auch die Herausforderungen sind vielfältig: Die Verfassungsentscheidungen zum Tarifeinheitsgesetz und zur NC-Frage werden uns in den nächsten Monaten beschäftigen. Wohin geht unser Weg als Gewerkschaft und Interessenvertretung? Wie können wir dem Nachwuchsproblem in den Verbänden und in den Kammern nachhaltig begegnen? Wir sind schon auf einem guten Weg, aber zum Gestalten brauchen wir jede einzelne Hand.«