Physikum - das Mysterium!

Von Stefanie Weber

Physikum! Schon am ersten Tag des Medizinstudiums begegnet uns dieses sagenumwobene Wort. Nach dem 4. Semester muss man sein gebündeltes Wissen in Form einer schriftlichen und mündlichen Prüfung ableisten. Man munkelt, es sei extrem schwer und viele würden es nicht schaffen. Wenn man diese Hürde jedoch geschafft hat, geht es dann endlich nach all den langen Lernen und Pauken in den klinischen Abschnitt des Studiums. Hier wird man dann endlich auf den Patienten los gelassen und die „richtige“ Medizin nimmt seinen Lauf. Es gibt also tatsächlich ein Leben nach dem Physikum, wenn man das Grauen der ersten zwei Jahre überstanden hat.

Eh man sich versieht, befindet man sich im 4. Semester und die ersten 2 Jahren vergingen wie im Flug. Neben dem Bestehen der letzten Examina wie Anatomie oder Biochemie muss man sich vor allem mit der Anmeldung beschäftigen und mit der Anerkennung durch das jeweilige LPA. Dazu muss man sich darüber Gedanken machen wie und mit was man am besten lernt. Neben Thieme-Online, der guten alten schwarzen Reihe, haben sich vor allem auch Amboss und Medi-Learn in der Vorklinik mit Lernplänen etabliert. Andere lernen lieber mit umfangreichen Lehrbüchern, Kurzlehrbüchern oder kurz vor Toresschluss mit den Endsportskripten. Aber verliert euch nicht im Wälzern von Standardlehrbüchern. Die Detailfülle dieser Bücher ist zwar hilfreich für das Bestehen der Prüfungen in der Vorklinik, bringt euch aber nichts für die Physikumsvorbereitung. Neben zahlreichen Notizen und schweisstreibenden Stunden der Vorklinik wird man also zusätzlich mit dem Lernaufwand des Physikums belohnt. Hat man das geschafft und nicht aufgegeben, erreicht man den klinischen Alltag im Studium, das „Bonbon“ der Studienzeit.

 

Tipps für eine erfolgreiche Lernzeit:

 

  • Wichtig ist vor allem die Motivation! Bildet Lerngruppen unter Freunden oder Gleichgesinnten und trefft euch regelmäßig zu Besprechungen von Lerninhalten oder Problemen, die während des Studierens der Thematik aufgetreten sind.

 

  • Viiieeelllll Kaffee, gesunde Ernährung, Sport und ein Lernplan helfen euch bei der Gestaltung der Lernzeit. Kalkuliert eurer Lerncurriculum so, dass ihr am Ende noch etwas Zeit für Wiederholungen und Vertiefungen habt. Hilfreich sind auch To-Do-Listen mit Lernzielen für jeden einzelnen Tag, das hilft euch den Überblick nicht zu verlieren.

 

  • Vertieft euer gelerntes Wissen mit MC-Fragen aus alten Examina und besprecht diese auch zusammen mit euren Lernpartnern. Dabei gibt es auf dem deutschen Markt mittlerweile diverse Online-Programme.

 

  • Teilt euch gegenseitig Themen zu und erarbeitet diese selbstständig zu Hause. Bei jedem Treffen kann das Thema mündlich vorgestellt werden, um beispielsweise eine Prüfungssituation zu simulieren.

 

  • Wiederholen! Um das Wissen aus diversen Quellen zu verfestigen, wiederholt das Gelernte in Form von Schlaginformationen oder fragt euch gegenseitig ab. Oft helfen kleine Karteikarten, um nebenbei einige Themen zu verfestigen, die man bereits vor einigen Wochen gelernt hat. Für einige ist auch die Post-it-Methode hilfreich. Klebt sie einfach an Orte, die ihr oft während der Lernzeit besucht. Lest euch die Stichworte laut vor, wenn ihr daran vorbeilauft und wiederholt diese anschliessend mehrfach.

 

  • Trefft euch im Präperiersaal, um die Themen praktisch zu üben und die Strukturen am Körper ausfindig machen zu können oder in den Vorlesungsräumen, Bibliotheken der Uni, die mit einer Tafel ausgestattet sind. Visualisierung hilft das Gelernte besser im Gedächtnis zu behalten und übt die mündliche Prüfungssituation.

 

  • Legt euren Schwerpunkt auch auf das Fach Physiologie, weil es anders als in den Fächern Anatomie und Biochemie hier insbesondere auf Verständnis und Logik ankommt und man mit reinem Auswendiglernen nicht weiterkommt. Auch ist es gerade für die mündliche Prüfung wichtig, das Erklären der physiologischen Abläufe verstanden zu haben.

 

  • Gönnt euch Pausen!!!!!! „Powernapen“ ist Gold wert, jeden Tag zwanzig Minuten Schlafen hilft ungemein zwischen den Lernsessions. Auch solltet ihr schauen, dass ihr einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus entwickelt und ausreichend Schlaf erhaltet.  Denn im Tiefschlaf wird das Gelernte vom Hippocampus in den Kortex übertragen.

 

  • Verbannt Social-Media! Zeitdiebe wie Handy und Tablets sollten während eurer konzentrierten Lernphase nicht griffbereit liegen. Schaltet sie aus oder stumm oder verbannt sie einfach aus eurer näheren Umgebung. Als Belohnung kann man dann während der Pausen wieder aktiv surfen und chatten.

 

  • Wer richtig ausgebrannt ist, sollte einfach mal einen Tag blaumachen, damit man am nächsten Tag wieder mit reichlich Energie durchstarten kann.

 

 

Buchempfehlungen

 

  • Anatomie

Duale Reihe Anatomie, G.Aumüller, Springer Verlag, 1. Auflage 2007

Prometheus Lernatlas der Anatomie, 3 Bände

Taschenbuch Anatomie, Benninghoff, Drenckhahn, Verlag Urban u. Fischer, 2008

 

  • Embryologie

Kurzlehrbuch Embryologie, N.Ulfig, Thieme Verlag, 2005

 

  • Histologie

Taschenlehrbuch Histologie, Renate Lüllmann-Rauch, Thieme Verlag, 2.Auflage, 2006

(meines Erachtens das beste Buch der Vorklinik)

 

  • Physiologie

Für das Fach Physiologie benutzte ich mehrere Bücher, weil es bis zu diesem Zeitpunkt kein Buch gab, das alle Themen ausreichend gut und verständlich erklärte:

Physiologie, Klinke, Pape, Silbernagel, Thieme Verlag, 5. Auflage2005 (inzwischen gibt es eine 6.Auflage, eine sehr gute Überarbeitung, fabelhaft strukturiert)

Duale Reihe Physiologie, Jan C. Behrends, Thieme Verlag, 1. Auflage 2010

Kurzlehrbuch Physiologie, J.Huppelsberg, Kerstin Walter, Thieme Verlag, 3.Auflage 2009

Für eine wenige Themen las ich das Buch Physiologie des Menschen, Schmidt, Lang, Springer Verlag, 30.Auflage, 2007

Medi-learn Skriptenreihe „Physiologie“

 

  • Biochemie

Duale Reihe Biochemie, J.Rassow, K.Hauser…, Thieme Verlag, 2.Auflage, 2008

Medi-learn Skriptenreihe „Biochemie“

Biochemie und Pathobiochemie, Löffler, Petrides, Springer Verlag, 8.Auflage, 2006 (Nur für einzelne Themen, wenn Detailaussagen gesucht werden. Ich habe es z.B. verwendet für das Thema „Extrazelluläre Matrix“)

 

Neben dem erfolgreichen Büffeln solltet ihr euch ausreichend Entspannungsphasen schaffen. Anschliessend ist eure Aufnahmefähigkeit einfach enorm verbessert und eure Konzentrationsfähigkeit gesteigert.

Vergammelt nicht eure Zeit, steht zeitig auf, putzt die Zähne, duscht euch und geht aus dem Haus. Körperpflege scheint für einige Physikumskandidaten nicht selbstverständlich zu sein. Es kann daher sehr hilfreich sein, seinen Lernplatz von zu Hause auszulagern, etwa in Bibliotheken. Dies kann Depressionen vorbeugen, wenn man sich mit Gleichgesinnten trifft, um die Lebenssituation zu verbessern.

Am Ende heisst es vor allem Kreuzen, Kreuzen, Kreuzen…¨!!! Das können wir Medizinstudenten schliesslich am allerbesten. Einige Fragen des IMPPs wiederholen sich nämlich gnadenlos, auch wenn diese in verschiedenen Variationen auftreten und nicht leicht zu erkennen sind.

 

Viel Erfolg!

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