Praktisches Jahr

Wenn das Studenten-Lotter-Leben ein Ende findet …

… steht das PJ vor der Tür

Von Stefanie Weber

Puh! Das zweite Staatsexamen ­hätten wir jetzt hinter uns!

Offiziell bist du zwar immer noch Student, aber inoffiziell hat das Studentenlotterleben leider ein Ende. Jetzt heißt es: früh aufstehen und einen geordneten Arbeitsalltag ­haben!

Das PJ bietet die Chance, im Medizinstudium viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Man möchte die wichtigsten Schlüsselkompetenzen erlernen und diese in realitätsgetreuen Tagesabläufen anwenden. Man lernt die sukzessive Übernahme von Verantwortung in Bezug auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Hauptziel dieses Studienabschnitts ist es, die systematische Ausbildung durch einen praxisbezogenen Unterricht am Krankenbett und klinische Besprechungen zu vervollständigen. Doch wie finde ich den geeigneten PJ-Platz für mich und wann muss ich mich eigentlich bewerben? Dementsprechend sollte man sich zeitnah mit der Frage beschäftigen, ob man im In- oder Ausland praktizieren möchte. Nach dem PJ kommt der Sprung in das eiskalte Wasser und man muss eigenständig arbeiten können, eine gute Ausbildung ist deshalb von Vorteil. Allerdings ist es vielleicht auch die letzte Möglichkeit, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Hier gibt es eine Diversität an Möglichkeiten:

  • PJ an der internen Universität
  • PJ an der externen Universität
  • PJ im Ausland

 PJ an der internen Universität

Der einfachste und sicherste Weg ist die Bewerbung an der eigenen Medizinischen Fakultät, um einen PJ-Platz zu ergattern. Die Fakultäten bieten neben dem Universitätsklinikum auch zahlreiche Lehrkrankenhäuser an. Man sollte sich vorab bewusst machen, ob man weiterhin in seiner Universitätsstadt lebt oder in die Peripherie möchte, um auch einmal über den Tellerrand zu schauen und andere Arbeitsweisen und Systeme kennenzulernen. Auf den zahlreichen PJ-Börsen, die oftmals monatlich vor Ort stattfinden, kann man sich die Kliniken und die zukünftigen Arbeitgeber anschauen und im persönlichen Gespräch kennenlernen. Auch ein persönliches Gespräch mit den derzeitigen PJlern vor Ort kann euch einen Eindruck von der Atmosphäre und Stimmung der jeweiligen Stationen vermitteln. Viele Lehrkrankenhäuser in der Peripherie bieten den PJlern auch Unterkünfte in der Nähe des Klinikums an oder es gibt kleine Pendlerpauschalen. Informiert euch rechtzeitig über Unkostenbeiträge und Preis-Leistungs-Verhältnis. In kleineren Häusern hat man oft den Vorteil einer Eins-zu-eins-Betreuung und eines Teachings: Man muss sich jedoch bewusst machen, dass die Freizeitmöglichkeiten begrenzt sein können. Die Vergabe der internen PJ-Plätze erfolgt i. d. R. frühzeitig, sodass man sich bei möglicher Auslandsplanung trotzdem eine Stelle vorab reservieren sollte. Denn die Zu- und Absagen der externen Fakultäten erfolgen oftmals zu einem späteren Zeitpunkt.

PJ an der externen Universität

Studenten haben die Möglichkeit, sich neuerdings über das PJ-Portal extern an einem akademischen Lehrkrankenhaus, einer Lehrpraxis oder einem Universitätsklinikum zu bewerben – das bietet den Vorteil, neue Einblicke zu erlangen oder heimatnaher zu leben, und ermöglicht eine gewisse Mobilität (Internet: www.pj-portal.de). Hier können sich Medizinstudierende aller bundesweiten Fakultäten bis dato an den Universitätskliniken Berlin, Bochum, Bonn, Erlangen, Göttingen, Halle, TU München, Münster, Rostock und Würzburg einbuchen. Die Heimatuniversität wird von dem PJ-Portal automatisch informiert. Viele Medizinstudierende knüpfen so schon in ihrem PJ Kontakte für ihre erste Stelle in der Weiterbildung. Um sich für die richtige Stelle zu entscheiden, kann man Erfahrungsberichte bei www.pj-ranking.de/ einsehen und die positiven und negativen Erlebnisse bewerten. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Auswahl sind ebenso die Konditionen, wie Arbeitszeiten und Aufwandsentschädigungen. An einigen Universitäten erhält man beispielsweise bis zu 600 Euro, an anderen leider keinen Cent. Über das PJ-Portal erhält man bestimmte Einbuchungszeiten, die man nicht verpassen sollte. Bei allen anderen Universitäten muss man sich individuell über deren Homepage über die Bewerbungsverfahren und -fristen informieren. Bei einigen muss man sich online bewerben, bei anderen muss man die Bewerbung auf dem postalischen Weg zusenden. Wichtig ist jedoch, dass man sich die PJ-Plätze seiner eigenen Universität sichert, um bei möglicher Absage externer Universitäten einen gesicherten Platz zu reservieren. Nach Zu- oder Absage kann man dann den gewünschten PJ-Platz annehmen. Dabei sollte man sein zuständiges Prüfungsamt informieren und eine Bestätigung der Anerkennung einfordern.

PJ im Ausland (im Internet unter PJ im Ausland

Ein Ausbildungsplatz im Ausland ist für viele Medizinstudierende eine Möglichkeit neue Gesundheitssysteme und Herangehensweisen und Kulturen kennenzulernen,  des Weiteren kann man seine Sprachfertigkeiten verbessern und sich die Option offen halten, später im Ausland zu arbeiten und leben. Die Plätze im Ausland sind jedoch sehr begehrt und erfordern einigen bürokratischen Aufwand. Einige Länder vor allem im deutsch- und englischsprachigen Bereich sind schnell vergriffen. Insbesondere in der Schweiz muss man sich vor allem an den grossen Kliniken mindestens zwei Jahre vorher bewerben.  Einige Universitäten orientieren sich an einer Liste von Krankenhäusern im Ausland, bei denen die Ausbildung des Praktischen Jahres anerkannt wird. (http://www.brd.nrw.de/index.jsp) . Diese Liste gibt einen zunächst auch eine Idee über Länder, in die man reisen kann und an die man vielleicht gar nicht zuerst gedacht hat. Der Auslandsaufenthalt ist jedoch kostspielig. Viele Krankenhäuser verlangen Studiengebühren, so dass man sich vor allem über mögliche Stipendien vorab informieren sollte (Erasmus+, DAAD). Natürlich kann man auch eigenständig ausgesuchte Krankenhäuser anschreiben, allerdings muss man sich bei seinem LPA  unbedingt versichern, dass die Ausbildung derer anerkannt wird. Denkt auch daran, wie ihr euer PJ im Ausland strukturiert - ihr solltet euch vorab folgende Fragen stellen:

-          Wie viele Tertiale kann ich laut meinem LPA im Ausland machen?

-          Kann ich mein Tertial in zwei Teile splitten (2x8 Wochen) und kann ich diesen Zeitraum im Ausland auch realisieren?

-          Wie viele Tertiale muss ich an meiner Heimatuniversität absolvieren?

-          Wann ist der beste Zeitpunkt für meine Bewerbung?

-          Gibt es Online-Bewerbungsportale oder reicht eine formlose Bewerbung via E-Mail?

Zur Bewerbung im Ausland müsstet ihr euch zeitnah über die Anforderungen informieren:

-          Auslandskrankenversicherung, Unfallversicherung, Gesundheits- und Führungszeugnis

-          Visum

-          Sprachzertifikat

-          Stipendien

-          Studiengebühren

-          Lebenslauf und Anschreiben

-          Unterkunft

-          Bestätigungen vom Betriebsarzt (Gültigkeit 3 Jahre)

Wenn Du dich zum PJ angemeldet hast, musst du parallel zum Wahlverfahren auch noch eine Untersuchung beim Hochschularzt durchführen lassen. Diese Untersuchung dient dem Zweck, dass vor Antritt des PJ dein Gesundheitszustand festgestellt, und eventuelle Infektionen mit Hepatitis o.ä. ausgeschlossen werden. Dies kann wichtig für dich werden, wenn du dich während des PJ infizierst, da die Erkrankung in diesem Fall, d.h. wenn sie ursächlich mit dem PJ verbunden ist, als Berufskrankheit anerkannt werden kann. Die Untersuchung ist auf jeden Fall obligatorisch für dich. Nach der Untersuchung beim Hochschularzt erhältst du ein Gesundheitszeugnis.

Während deiner Zeit im Ausland ist auch dein Versicherungsschutz sehr wichtig. Solltest du selbst einmal krank werden oder aus Versehen auf der Arbeit ein teures Gerät kaputt machen, droht ohne Versicherung schnell der finanzielle Ruin. Du solltest dir darum definitiv Gedanken um eine Auslandskrankenversicherung, eine Berufshaftpflichtversicherung und eventuell über eine Unfallversicherung für deinen Auslandsaufenthalt machen. Der Marburger Bund bietet Studenten eine kostenlose Berufshaftpflichtversicherung bei der Deutschen Ärzteversicherung an. Studenten zahlen auch keine Mitgliedsbeiträge im Marburger Bund.

Setzt euch zeitnah mit euren Wunschkrankenhäusern im Ausland in Verbindung, um vorab alle bürokratischen Erfordernisse regeln zu können. Denkt daran mit euren PJ-Koordinatoren -Verantwortlichen alles vorab zu besprechen und anerkennen zu lassen, nicht dass es am Ende ein böses Erwachen gibt und eine Anerkennung durch das zugehörige LPA nicht mehr möglich ist.

 Weitere Tipps

Einige Universitäten verlangen sogenannte Logbücher zur Dokumentation der abgeleisteten Tätigkeiten. Hier werden vorab mit dem auszubildenden Arzt oder Oberarzt Lernziele vereinbart, die am Ende evaluiert und abgezeichnet werden müssen. Die Logbücher sind bundesweit jedoch unterschiedlich strukturiert und können bei den jeweiligen Online-Portalen eurer Universitäten heruntergeladen werden. Für die PJ-Studierenden sind regelmäßig im Umfang von 90 Minuten/Woche Lehrveranstaltungen im Sinne einer „klinischen Konferenz“ abzuhalten. Ziel der klinischen Konferenzen ist die Vertiefung der im Rahmen der praktischen Ausbildung kennengelernten Krankheitsbilder. Den Studierenden soll Gelegenheit gegeben werden, an der Gestaltung dieser klinischen Konferenzen mitzuwirken (z. B. durch Vorstellung eigener Patientenfälle). Zur Ausbildung gehört ferner die Teilnahme der Studierenden an klinischen Besprechungen einschließlich der arzneimitteltherapeutischen und klinisch-pathologischen Besprechungen. Der Besuch der „klinischen Konferenz“ und der klinischen Besprechungen einschließlich der arzneitherapeutischen und klinisch-pathologischen Besprechungen wird im PJ-Log­buch dokumentiert. Die genannten Lehrveranstaltungen können für alle PJ-Studierenden gemeinsam angeboten werden, je nach fakultätsinterner Regelung.

Denkt daran, euch für jedes Semester mit dem Studienbeitrag zurückzumelden, denn man ist nach wie vor, auch im Ausland, an seiner Universität immatrikuliert – verpasst hier nicht die Fristen, denn sonst droht die Exma­trikulation kurz vor dem finalen Staatsexamen. Außerdem steht die Anmeldung zur M3-Prüfung während des PJ ins Haus – checkt eure E-Mails und eure Post regelmäßig, um diese wichtige Registrierung nicht zu verpassen.

Viel Spaß und Erfolg im letzten Abschnitt eures Medizinstudiums.

 

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