• Frontalangriff auf die Patient*innenversorgung

    Pressemitteilung
    MB warnt vor Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit
    26.Januar 2026
    Hannover
    Mit deutlicher Kritik reagiert der Marburger Bund Niedersachsen auf die aktuelle politische Debatte zur Abschaffung des grundsätzlichen Rechtsanspruchs auf Teilzeitarbeit. Was unter dem Deckmantel der Fachkräftesicherung diskutiert wird, droht gerade im Gesundheitswesen zum Brandbeschleuniger für den ärztlichen Personalmangel zu werden.
    Vor einem "Brandbeschleuniger für den ärztlichen Personalmangel" warnen Hans Martin Wollenberg und Andreas Hammerschmidt.
    Vor einem "Brandbeschleuniger für den ärztlichen Personalmangel" warnen Hans Martin Wollenberg und Andreas Hammerschmidt.

    Der Marburger Bund Niedersachsen warnt davor, dass eine solche Maßnahme die ohnehin prekäre Situation in den niedersächsischen Kliniken massiv verschärfen würde. Für viele Mediziner*innen sei Teilzeit kein Komfort, sondern eine Notwendigkeit zur Selbsterhaltung.

    „Die Forderung nach einer Abschaffung des Rechts auf Teilzeit ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die das Gesundheitssystem unter Aufbietung ihrer letzten Reserven aufrechterhalten. In den Kliniken ist Teilzeit oft die einzige Notbremse, um der permanenten Überlastung und dem Burnout zu entgehen. Wer diese Bremse löst, nimmt sehenden Auges in Kauf, dass noch mehr Kolleginnen und Kollegen den Arztkittel ganz an den Nagel hängen und der Gesundheitsversorgung dauerhaft verloren gehen,“ erklärt Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen.

    Besonders kritisch wird diese Entwicklung für die zukünftige Attraktivität des ärztlichen Berufes gesehen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die nachfolgende Generation an Medizinerinnen und Medizinern ein zentrales Entscheidungskriterium für oder gegen die Arbeit im Krankenhaus.

    „Besonders für die junge Generation an Ärztinnen und Ärzten ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine unverhandelbare Bedingung. Teilzeit im Krankenhaus bedeutet in der Realität nicht selten schon eine 40-Stunden-Woche, wenn man die Überstunden und Dienste einrechnet. Wenn wir den Rechtsanspruch auf Teilzeit opfern, machen wir den Arztberuf für den Nachwuchs unattraktiv. Die Folge wäre ein noch dramatischerer Fachkräftemangel, den auch zusätzliche gesetzliche Mehrarbeit nicht kompensieren kann,“ warnt der Zweite MB-Landesvorsitzende Andreas Hammerschmidt.

    Anstatt über Arbeitszwang nachzudenken, fordert der Landesverband die Politik auf, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Ärztinnen und Ärzte freiwillig ihre Stundenanteile erhöhen können. Dies könne nur unter anderem durch eine massive Entlastung von bürokratischen Aufgaben und eine verlässliche Dienstplanung geschehen.

    „Wir brauchen keine gesetzlichen Verschärfungen, sondern Arbeitsbedingungen, die eine gesunde Berufsausübung ermöglichen“, betont Hammerschmidt abschließend. „Ein Ende des Rechts auf Teilzeit würde die Abwanderung aus der Patient*innenversorgung massiv beschleunigen – das kann sich ein Flächenland wie Niedersachsen mit seiner ohnehin angespannten Versorgungslage nicht leisten.“

    Fotos

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