Herr Beinsen, wir freuen uns, Sie kennenzulernen! Bitte erzählen Sie uns ein bisschen von sich. Wie sind Sie zur Medizin gekommen und warum möchten Sie Arzt werden?
Ich bin Jonas Beinsen, 27 Jahre alt und komme gebürtig aus der Region Hannover. Derzeit studiere ich im 6. Semester Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Zur Medizin gekommen bin ich vor allem über meine Tätigkeit im Rettungsdienst. Die unmittelbare Arbeit mit Menschen in oft herausfordernden Situationen hat mich früh geprägt und mir gezeigt, wie wichtig neben fachlichem Wissen auch Ruhe, Verantwortung und Empathie im Umgang mit Patientinnen und Patienten sind. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie viel Vertrauen Menschen medizinischem Personal entgegenbringen, häufig in sehr verletzlichen Momenten.
Gleichzeitig fasziniert mich an der Medizin die Verbindung aus wissenschaftlichem Arbeiten und direktem menschlichem Kontakt. Für mich ist das Medizinstudium deshalb nicht nur fachlich spannend, sondern auch persönlich sehr erfüllend.
Parallel zum Studium arbeite ich weiterhin als Notfallsanitäter im Rettungsdienst. Gerade zu Beginn des Studiums war die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit mitunter herausfordernd, gleichzeitig hat mich diese Zeit aber auch in meiner Entscheidung bestärkt, den ärztlichen Weg weiterzugehen. Die Erfahrungen aus dem Rettungsdienst haben meinen Blick auf Teamarbeit, Verantwortung und den Umgang mit Menschen nachhaltig geprägt und begleiten mich bis heute im Studium.
In welchen Bereichen engagieren Sie sich und was motiviert Sie?
Ein Bereich, der mich besonders geprägt hat, ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Über mehrere Jahre hinweg habe ich mit großer Freude Kinderfreizeiten begleitet und betreut. Dabei ging es mir weniger um ein klassisches „Ehrenamt“, sondern vor allem darum, gemeinsam mit den Kindern eine unbeschwerte und schöne Zeit zu gestalten und zu genießen. Sei es bei gemeinsamen Aktivitäten, Ausflügen oder einfach im alltäglichen Miteinander während der Freizeiten.
Besonders schön fand ich dabei zu erleben, wie schnell Gemeinschaft entstehen kann und mit wie viel Begeisterung und Offenheit Kinder solchen Angeboten begegnen. Die Arbeit hat mir deshalb nicht nur viel Freude bereitet, sondern war für mich auch persönlich sehr bereichernd.
Darüber hinaus unterstütze ich gelegentlich die medizinische Absicherung größerer Veranstaltungen im Sanitätsdienst. Besonders schätze ich dabei die gemeinsame Arbeit im Team sowie die besondere Atmosphäre solcher Veranstaltungen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, um eine gute Zeit zu verbringen und unbeschwert feiern zu können.
Was bedeutet die Auswahl beim Förderprogramm für Sie?
Die Auswahl für das Förderprogramm bedeutet mir sehr viel, vor allem, weil sie für mich mit einer spürbaren Entlastung im Alltag verbunden ist. Ich komme aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt und hatte zu Beginn des Studiums keine BAföG-Förderung, obwohl die finanzielle Situation für mich durchaus herausfordernd war. Um mein Studium zu finanzieren, habe ich daher parallel in Teilzeit im Rettungsdienst gearbeitet.
Gerade im vorklinischen Studium war diese Doppelbelastung aus Studium und Arbeit zeitweise sehr intensiv. Oft ging es dabei weniger um langfristige Planung, sondern eher darum, den Alltag organisatorisch und finanziell überhaupt gut bewältigen zu können.
Das Stipendium hat mir in dieser Situation nicht nur finanziell geholfen, sondern vor allem auch ein Stück Stabilität gegeben. Ich konnte meine Arbeitszeit reduzieren und habe dadurch mehr Raum für das Studium, aber auch für Erholung und mein ehrenamtliches Engagement gewonnen. Das hat meinen Studienalltag insgesamt deutlich nachhaltiger und ausgeglichener gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar und sehe die Förderung gleichzeitig auch als Motivation, diesen Weg konsequent weiterzugehen.
Sie sind bereits seit einigen Semestern studentisches Mitglied beim Marburger Bund Niedersachsen. Warum haben Sie sich für eine Mitgliedschaft entschieden und welche Vorteile sehen Sie hier bereits für Studierende?
Die Mitgliedschaft entstand zunächst vor allem aus Interesse an berufs- und gesundheitspolitischen Themen sowie den Angeboten für Studierende. Gerade im Medizinstudium halte ich es für wichtig, sich früh mit den Arbeitsbedingungen und Herausforderungen des ärztlichen Berufs auseinanderzusetzen. Zudem schätze ich den Austausch und die Unterstützung speziell für Medizinstudierende.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch führte Greta Becker, MB Niedersachsen.
