Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister,
ich stehe heute hier nicht nur als Oberärztin der Inneren Medizin, Nephrologie und Palliativmedizin, sondern vor allem als Ärztin, die jeden Tag erlebt, was politische Entscheidungen für Patientinnen und Patienten bedeuten.
Und ich bin überzeugt: Unser Gesundheitssystem hat enormes Potenzial. Wir haben engagierte Beschäftigte, hohe medizinische Qualität und viele Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen. Aber dafür brauchen wir auch politische Entscheidungen, die diese Arbeit stärken – nicht zusätzlich erschweren.
Welche Medizin wollen wir künftig in Deutschland? Eine Medizin unter permanentem Spardruck – oder eine Versorgung, die sich am Menschen orientiert?
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geht aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Statt nachhaltiger Reformen erleben wir kurzfristige Einsparungen zulasten der Krankenhäuser und der Beschäftigten. Aber wer am Personal spart, spart am Ende an Zeit, Zuwendung und Versorgung. Schon heute arbeiten viele Teams am Limit.
Was passiert, wenn Tarifsteigerungen nicht mehr vollständig refinanziert werden? Stellen bleiben unbesetzt – die Belastung steigt weiter - Fachkräfte verlassen den Beruf. Und wer trägt die Folgen? Unsere Patientinnen und Patienten.
Gleichzeitig greift die Politik in die Tarifautonomie ein. Welches Signal senden wir damit den Menschen, die seit Jahren unter enormem Druck arbeiten? Wie wollen wir Fachkräfte halten, wenn ihre Arbeit immer mehr entwertet wird?
Hinzu kommt: Gesellschaftliche Aufgaben werden weiter aus den Beiträgen der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Warum wird diese Verantwortung nicht ehrlich aus Steuermitteln getragen?
Und während überall gespart wird, fehlen weiterhin echte Strukturreformen: bessere Notfallversorgung, weniger Bürokratie, stärkere Prävention. Denn eines ist doch klar: Kürzungen allein sind keine Gesundheitsreform.
Ich frage Sie: Wie soll gute Medizin funktionieren, wenn diejenigen, die sie leisten, immer weiter belastet werden?
Deshalb braucht es jetzt ein Umdenken. Die Politik muss die Praxis stärker einbeziehen, problematische Regelungen überarbeiten und Versorgung langfristig sichern – nicht kurzfristig verwalten.
Denn am Ende geht es nicht um Zahlen. Es geht um Menschen. Und darum, ob wir auch morgen noch gute Medizin machen können.
Vielen Dank.
