„Die Facharztweiterbildung ist kein Wettrennen“

Erstes virtuelles Meet-Up des Marburger Bundes Hessen zum Thema Weiterbildung
09.September 2026
Um den „Weg vom Studium bis zum Facharzt zu beleuchten“, hatte der Marburger Bund (MB) Hessen Anfang September zum ersten virtuellen Meet-Up „MB Weiterbildung kompakt – 60 Minuten für Deine Zukunft!“ eingeladen. Knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung gefolgt. Dr. Jörg Focke, stellvertretender Vorsitzender des MB Hessen, moderierte die Veranstaltung.

„Jetzt seid ihr fertige Ärztinnen und Ärzte – und jetzt beginnt der spannende Teil“, leitete Dr. Tanja Baumgarten, stellvertretende Vorsitzende des MB-Bezirks Darmstadt, ihren Impulsvortrag zum Thema „Facharztweiterbildung: Tipps zur Karriereplanung – vom Studium zum Facharzt/zur Fachärztin“ ein. „Das ist das Wunderbare an unserem Studium: Ihr könnt alles werden.“ Umso wichtiger sei es, sich zu Beginn Gedanken darüber zu machen, in welche Richtung die eigene Weiterbildung gehen soll. „Schaut euch die Fachrichtungen an, die euch interessieren. Geht hospitieren.“

Weiterbildungszeit liegt derzeit bei rund elf Jahren

Bei der Wahl des Fachs sollten junge Ärztinnen und Ärzte auch überlegen, ob sie später ambulant oder klinisch tätig sein möchten und ob sie sich eine Tätigkeit in der Stadt, auf dem Land oder vielleicht sogar im Ausland vorstellen können. Auch die Frage nach einer wissenschaftlichen Karriere und einer Promotion spiele eine Rolle. „Wollt ihr forschen? Wollt ihr euren Doktor machen? Auch das ist zu überlegen. Für manche Kliniken ist ein Doktortitel Einstellungsvoraussetzung“, erklärte Baumgarten.

Die durchschnittliche Weiterbildungszeit liege mittlerweile bei rund elf Jahren – und damit deutlich über den eigentlich vorgesehenen fünf bis sechs Jahren. „Ursachen für die längere Dauer sind zum Beispiel die Work-Life-Balance. Viele arbeiten lieber nur 80 Prozent. Denn unser Job kann sehr stressig sein, unter anderem bedingt durch Personalmangel und fehlende Strukturen“, berichtete die Chirurgin aus Obertshausen.

Umso wichtiger sei es, sich frühzeitig mit den organisatorischen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. „Überlegt euch, was ihr euch für die Weiterbildung bereits anrechnen lassen könnt, und macht euch vor allem mit dem Weiterbildungskatalog und dem eLogbuch auf der Internetseite der Landesärztekammer Hessen vertraut.“

Klinikwechsel während der Weiterbildung empfohlen

Auch das Bundesland, in dem die Weiterbildung absolviert wird, könne einen erheblichen Einfluss auf deren Verlauf haben. „Deshalb solltet ihr einen Wechsel des Bundeslandes während der Weiterbildung vermeiden“, riet Baumgarten. Ein Wechsel der Klinik innerhalb der Weiterbildung könne hingegen durchaus sinnvoll sein. Schließlich unterschieden sich die Abläufe und Strukturen von Haus zu Haus. „Ich selbst habe an einem kleinen Haus angefangen, das ganz andere Abläufe hatte als die große Klinik, an der ich jetzt tätig bin.“

Zum Abschluss gab die Referentin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen persönlichen Rat mit auf den Weg: Sie sollten sich eine Ziel-Mindmap erstellen. „Schreibt es euch auf. Wo seht ihr euch in zehn Jahren? Und klebt euch diese Mindmap an den Kühlschrank.“ Gleichzeitig gelte aber: „Pläne sind dafür gemacht, sich zu ändern, und jeder Umweg erweitert den Horizont.“

Im zweiten Impulsvortrag ging Prof. Dr. Bernd Kronenberger, stellvertretender Vorsitzender des MB-Bezirks Fulda, der Frage nach: „Kommunikation mit der/m Weiterbilder/in: Wie erreiche ich meine Weiterbildungsziele?“ Dabei betonte er die zentrale Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung und ihren Weiterbilderinnen und Weiterbildern.

Ziele benennen, aber kompromissbereit bleiben

„Gerade das Weiterbildungsgespräch wird von beiden Seiten als eher unangenehm empfunden. Wenn man es aber regelmäßig macht, wird es für beide Seiten besser planbar“, empfahl Kronenberger, der selbst als Weiterbilder tätig ist. Eine gute Vorbereitung sei dabei entscheidend: „Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor und haben Sie alle notwendigen Unterlagen dabei – wie eLogbuch, alte Zeugnisse und Protokolle von vorhergegangenen Weiterbildungsgesprächen.“ Wichtig sei es, die eigenen Ziele klar zu benennen, gleichzeitig aber auch kompromissbereit zu bleiben.

Weiterbildung sei nicht mit einer klassischen schulischen Ausbildung vergleichbar – auch, weil die Kliniken, in denen sie stattfindet, Wirtschaftsunternehmen seien. „Sie ist sehr heterogen, sehr individuell und hängt stark vom jeweiligen Weiterbilder und dem Arzt in der Weiterbildung ab“, erläuterte Kronenberger.

Unter Umständen müsse die Weiterbildung deshalb bei mehreren Weiterbildern absolviert werden. Nicht jede Weiterbilderin und jeder Weiterbilder verfüge über sämtliche erforderlichen Ermächtigungen. „Ein Weiterbilder kann nur die Weiterbildungsinhalte bescheinigen, für die er eine Ermächtigung besitzt“, erklärte Kronenberger. Welche Inhalte absolviert werden müssten, sei in der Weiterbildungsordnung festgelegt. Entsprechend wichtig sei es, die einzelnen Leistungen und Inhalte konsequent im eLogbuch zu dokumentieren.

Seine zentrale Botschaft an die jungen Ärztinnen und Ärzte lautete schließlich: „Die Facharztweiterbildung ist kein Wettrennen. Es geht darum, alle notwendigen Inhalte zu absolvieren, um später Patienten kompetent behandeln zu können.“

Den beiden Impulsvorträgen schloss sich eine angeregte Frage- und Diskussionsrunde an. Dabei wurden insbesondere die Themen Weiterbildungsbefugnisse, Weiterbildungsinhalte und eLogbuch noch einmal vertieft.