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Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Hauptversammlung Marburger Bund NRW/RLP
Kliniken benötigen rasch faire Tarifkompromisse und bessere Personalausstattung!
Rudolf Henke und Prof. Dr. med. Ingo Flenker eindrucksvoll im Amt bestätigt / Korrektur der Klinikfinanzierung gefordert!
Köln/Mainz. Zum gesundheitlichen Schutz der Ärztinnen und Ärzte und der andern Berufsgruppen in den Krankenhäusern fordert der Marburger Bund Landesverband NRW/RLP eine schnellstmögliche Verbesserung der Personalausstattung in den Kliniken, ferner rasche faire Tarifabschlüsse im Bereich der Universitätskliniken und kommunalen Krankenhäuser sowie eine Korrektur der zu geringen Steigerungsrate bei der Krankenhausfinanzierung für das kommende Jahr.
"Die zunehmende Arbeitsverdichtung und die derzeit rund 1500 unbesetzten Arztstellen in den über 500 Krankenhäusern in NRW und RLP bergen für das Personal zurzeit das hohe Risiko einer ständigen Arbeitsüberlastung und damit des Burnouts. Diese Risiken gilt es zu verringern, forderte der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer (MB-Spitzenkandidat bei den derzeitigen Kammerwahlen), in seinem Hauptvortrag auf der diesjährigen Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund LV NRW/RLP im Mainzer Schloss.
"Wir setzen uns dafür ein, dass in allen universitären und kommunalen Krankenhäusern Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung entwickelt und angewendet werden, um dem Burnout entgegen zu wirken", unterstrichen die in ihrem Ämtern für weitere zwei Jahre eindrucksvoll bestätigten beiden 1. und 2. MB-Landesverbands-Vorsitzenden, Rudolf Henke (Aachen) und Prof. Dr. med. Ingo Flenker (Dortmund).
Gerade die permanent hohen Anforderungen, regelmäßige Überstunden, häufige Nachtarbeit und Bereitschaftsdienste an den Wochenenden und Feiertagen bergen für das ärztliche und nichtärztliche Klinik-Personal eine besondere Gefahr, an Burnout zu erkranken. Dem betriebsärztlichen Dienst komme bei der betrieblichen Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle zu. "Leider wird der Beitrag der Betriebsärzte zur betrieblichen Gesundheitsförderung noch oft unterschätzt", beklagt Prof. Dr. med. Ingo Flenker.
Vor dem Hintergrund eines sich in naher Zukunft noch weiter verschärfenden Ärztemangels müsse aber der Schutz der Arbeitskraft, Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter eine höhere Priorität haben. "Noch werden die Chancen der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Bindung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte zu wenig genutzt", erklärt Rudolf Henke.
Die Delegierten forderten zudem die Krankenhausträger und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf, sich gemeinsam mit dem Marburger Bund NRW/RLP für einen schnellen Kompromiss bei den laufenden Tarifverhandlungen einzusetzen. "Ein einseitiges Tarifdiktat der Arbeitgeber lehnen wir ab!", betont Rudolf Henke. "Wir werden uns erst nach Abschluss der Tarifverhandlungen an gemeinsamen Aktionen zur Korrektur der Krankenhausfinanzierung beteiligen, da die Arbeitgeber erfahrungsgemäß sonst jedes Votum für Verbesserungen gegen uns verwenden würden."
Die vorige Woche veröffentlichte Steigerungsrate der Klinikbudgets um 1,98 Prozent für das Jahr 2012 bleibe deutlich unter der Inflationssteigerung von mindestens 2,4 Prozent, kritisierten die Delegierten. Man müsse beachten, dass diese ohne hin zu geringe Rate nicht nur durch das GKV-Finanzierungsgesetz nochmals um 0,5 Prozent reduziert werde, sondern es ferner in Verhandlungen mit den Krankenkassen zu einer weiteren Absenkung kommen kann. "Die Veränderungsrate erweist sich erneut als untaugliches Instrument der Vergütungssteuerung! Man muss vielmehr von der Bindung an die Grundlohnrate abgehen und dafür den bereits im Jahr 2009 angekündigten Kostenorientierungswert mit einem Ausgleich der tarifvertraglich bedingten Personalkostensteigerung verbindlich einführen", verlangt Prof. Dr. med. Ingo Flenker.
In weiteren Beschlüssen fordert der Marburger Bund NRW/RLP ferner u.a.:
- dass die sorgfältige Prüfung der Berufsqualifikationsnachweise von Ärzten in Europa uneingeschränkt bei den jeweiligen Aufnahmestaaten bleibt,
- dass es keinen partiellen Zugang zu automatisch anerkannten Gesundheitsberufen geben darf, da es dem hierzulande bewährten Berufskonzept widerspricht, wenn nur in Teilbereichen qualifizierte Personen den Zugang für qualifizierte Berufstätigkeit erhalten würden,
- die Einrichtung eines europäisches Frühwarnsystems bei Verlust der Berufserlaubnis zur größtmöglichen Gewährleistung von Patientensicherheit, damit Ärzte, die von einer ärztlichen Tätigkeit suspendiert wurden, nicht in anderen Staaten weiterhin praktizieren können,
- dass die Mindestausbildungsdauer für die medizinische Grundausbildung weiterhin sechs Jahre und 5500 Stunden umfasst und keine Bachelor-/Masterstruktur im Studium der Humanmedizin eingeführt wird,
- dass in allen Kliniken eine dreigegliederte Gefährdungsbeurteilung bei der Arbeitszeit eingeführt wird,
- dass die Landesärztekammern durch die Länder unmittelbar an der geplanten fachgebietsübergreifenden Bedarfsplanung und der spezialärztlichen Versorgung im ambulanten und stationären Sektor beteiligt werden,
- dass die Landesärztekammern als Vertretung aller Ärzte bei der Einrichtung regionaler Ausschüsse zur sektorübergreifenden Bedarfsplanung eingebunden werden und die Ausschussbeschlüsse auch bindend sein sollen,
- die Rücknahme der geplanten Absenkung der Veränderungsrate um 0,5 Prozent für 2012 und die Koppelung des Basisfallwertes an den zugesagten Orientierungswert mit einem Ausgleich der tarifvertraglich bedingten Personalkostensteigerungen,
- die Streichung der im GKV-Finanzierungsgesetz vorgesehenen Absenkungen des Landesbasisfallwertes bei Leistungssteigerungen der Kliniken,
- die Einbindung der Reha-Kliniken in die Versorgungskette, um das Wunsch- und Wahlrecht der Patienten umzusetzen,
- dass auch Kliniken in unterversorgten Regionen den ärztlichen Personalmangel durch deutliche finanzielle Anreize - über den vereinbarten Tarifgehältern - abmildern können und dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten,
- für die Landesärztekammern den Zugang zu den sog. Routinedaten bei der Abrechnung medizinischer Leistungen, damit die Kammern ihre Aufgabe der Sicherstellung der Qualität der gesundheitlichen Versorgung adäquat wahrnehmen können.
"Die zunehmende Arbeitsverdichtung und die derzeit rund 1500 unbesetzten Arztstellen in den über 500 Krankenhäusern in NRW und RLP bergen für das Personal zurzeit das hohe Risiko einer ständigen Arbeitsüberlastung und damit des Burnouts. Diese Risiken gilt es zu verringern, forderte der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer (MB-Spitzenkandidat bei den derzeitigen Kammerwahlen), in seinem Hauptvortrag auf der diesjährigen Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund LV NRW/RLP im Mainzer Schloss.
"Wir setzen uns dafür ein, dass in allen universitären und kommunalen Krankenhäusern Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung entwickelt und angewendet werden, um dem Burnout entgegen zu wirken", unterstrichen die in ihrem Ämtern für weitere zwei Jahre eindrucksvoll bestätigten beiden 1. und 2. MB-Landesverbands-Vorsitzenden, Rudolf Henke (Aachen) und Prof. Dr. med. Ingo Flenker (Dortmund).
Gerade die permanent hohen Anforderungen, regelmäßige Überstunden, häufige Nachtarbeit und Bereitschaftsdienste an den Wochenenden und Feiertagen bergen für das ärztliche und nichtärztliche Klinik-Personal eine besondere Gefahr, an Burnout zu erkranken. Dem betriebsärztlichen Dienst komme bei der betrieblichen Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle zu. "Leider wird der Beitrag der Betriebsärzte zur betrieblichen Gesundheitsförderung noch oft unterschätzt", beklagt Prof. Dr. med. Ingo Flenker.
Vor dem Hintergrund eines sich in naher Zukunft noch weiter verschärfenden Ärztemangels müsse aber der Schutz der Arbeitskraft, Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter eine höhere Priorität haben. "Noch werden die Chancen der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Bindung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte zu wenig genutzt", erklärt Rudolf Henke.
Die Delegierten forderten zudem die Krankenhausträger und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf, sich gemeinsam mit dem Marburger Bund NRW/RLP für einen schnellen Kompromiss bei den laufenden Tarifverhandlungen einzusetzen. "Ein einseitiges Tarifdiktat der Arbeitgeber lehnen wir ab!", betont Rudolf Henke. "Wir werden uns erst nach Abschluss der Tarifverhandlungen an gemeinsamen Aktionen zur Korrektur der Krankenhausfinanzierung beteiligen, da die Arbeitgeber erfahrungsgemäß sonst jedes Votum für Verbesserungen gegen uns verwenden würden."
Die vorige Woche veröffentlichte Steigerungsrate der Klinikbudgets um 1,98 Prozent für das Jahr 2012 bleibe deutlich unter der Inflationssteigerung von mindestens 2,4 Prozent, kritisierten die Delegierten. Man müsse beachten, dass diese ohne hin zu geringe Rate nicht nur durch das GKV-Finanzierungsgesetz nochmals um 0,5 Prozent reduziert werde, sondern es ferner in Verhandlungen mit den Krankenkassen zu einer weiteren Absenkung kommen kann. "Die Veränderungsrate erweist sich erneut als untaugliches Instrument der Vergütungssteuerung! Man muss vielmehr von der Bindung an die Grundlohnrate abgehen und dafür den bereits im Jahr 2009 angekündigten Kostenorientierungswert mit einem Ausgleich der tarifvertraglich bedingten Personalkostensteigerung verbindlich einführen", verlangt Prof. Dr. med. Ingo Flenker.
In weiteren Beschlüssen fordert der Marburger Bund NRW/RLP ferner u.a.:
- dass die sorgfältige Prüfung der Berufsqualifikationsnachweise von Ärzten in Europa uneingeschränkt bei den jeweiligen Aufnahmestaaten bleibt,
- dass es keinen partiellen Zugang zu automatisch anerkannten Gesundheitsberufen geben darf, da es dem hierzulande bewährten Berufskonzept widerspricht, wenn nur in Teilbereichen qualifizierte Personen den Zugang für qualifizierte Berufstätigkeit erhalten würden,
- die Einrichtung eines europäisches Frühwarnsystems bei Verlust der Berufserlaubnis zur größtmöglichen Gewährleistung von Patientensicherheit, damit Ärzte, die von einer ärztlichen Tätigkeit suspendiert wurden, nicht in anderen Staaten weiterhin praktizieren können,
- dass die Mindestausbildungsdauer für die medizinische Grundausbildung weiterhin sechs Jahre und 5500 Stunden umfasst und keine Bachelor-/Masterstruktur im Studium der Humanmedizin eingeführt wird,
- dass in allen Kliniken eine dreigegliederte Gefährdungsbeurteilung bei der Arbeitszeit eingeführt wird,
- dass die Landesärztekammern durch die Länder unmittelbar an der geplanten fachgebietsübergreifenden Bedarfsplanung und der spezialärztlichen Versorgung im ambulanten und stationären Sektor beteiligt werden,
- dass die Landesärztekammern als Vertretung aller Ärzte bei der Einrichtung regionaler Ausschüsse zur sektorübergreifenden Bedarfsplanung eingebunden werden und die Ausschussbeschlüsse auch bindend sein sollen,
- die Rücknahme der geplanten Absenkung der Veränderungsrate um 0,5 Prozent für 2012 und die Koppelung des Basisfallwertes an den zugesagten Orientierungswert mit einem Ausgleich der tarifvertraglich bedingten Personalkostensteigerungen,
- die Streichung der im GKV-Finanzierungsgesetz vorgesehenen Absenkungen des Landesbasisfallwertes bei Leistungssteigerungen der Kliniken,
- die Einbindung der Reha-Kliniken in die Versorgungskette, um das Wunsch- und Wahlrecht der Patienten umzusetzen,
- dass auch Kliniken in unterversorgten Regionen den ärztlichen Personalmangel durch deutliche finanzielle Anreize - über den vereinbarten Tarifgehältern - abmildern können und dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten,
- für die Landesärztekammern den Zugang zu den sog. Routinedaten bei der Abrechnung medizinischer Leistungen, damit die Kammern ihre Aufgabe der Sicherstellung der Qualität der gesundheitlichen Versorgung adäquat wahrnehmen können.

