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    Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

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Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
Drehscheibe für anregenden Meinungsaustausch
Traditioneller Sommerempfang / MB-Spitzenkandidat Prof. Hessenauer stellt Fünf-Märkte-Konzept vor
Von Michael Helmkamp

Mainz. In der Politik zählen neben zündenden Ideen und klaren Strategien vor allem gute Kontakte und kurze Dienstwege. In Rheinland-Pfalz ist dies im Bereich des Gesundheitswesens kaum noch zu optimieren, denn schon baulich sind die Wege ausgesprochen kommunikationsfreundlich, da sich die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz nur gut einhundert Meter vom traditionsreichen Landtagsgebäude, dem barocken Deutschhaus, entfernt befindet.
Zum siebten Mal veranstaltete nun die rheinland-pfälzische Landesärztekammer im Schatten des über 1000-jährigen Doms im Erbacher Hof ihr Sommerfest - für alle Akteure im Gesundheitswesen, in der Ärzteschaft, Politik, Forschung, Lehre und aus den Kirchen eine beispielhafte Gelegenheit, einen gegenseitig fruchtbaren Dialog zu führen.
Die Zahl der namhaften Gäste allein aus der Politik belegte die ausgezeichnete Resonanz des Sommerempfangs, unter ihnen befanden sich nämlich der Ministerpräsident Kurt Beck und die Landesgesundheitsministerin Malu Dreyer und ihre Kollegin aus dem rheinland-pfälzischen Hochschulressort, Doris Ahnen.
In diesem Kreis stellte der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz und Spitzenkandidat des Marburger Bundes bei den Kammerwahlen im September, Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer, erstmals sein Fünf-Märkte-Konzept vor - eine zukunftsfähige Strategie für eine verlässliche ärztliche Versorgung im ländlichen Raum. "Diese Strategie greift die volkswirtschaftliche Idee der zweiseitigen Märte auf, auf der sich zwei unterscheidbare Nutzergruppen auf einer realen oder virtuellen Plattform zusammen finden."
Das Fünf-Märkte-Konzept bietet eine Ansiedlungsfläche für Supermärkte, Apotheken, Drogerien und Ärztepraxen auf einem gemeinsamen Einkaufsareal. Dies fördert die Inanspruchnahme, da je mehr Teilnehmer einer Gruppe die Plattform nutzen, desto attraktiver wird diese Plattform auch für die Teilnehmer der anderen Gruppe. "Da ein solcher Fünf-Märkte-Ort über eine gute verkehrstechnische Erschließung verfügt, würde er rasch angenommen", ist Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer überzeugt.
"In einem solchen Ärztehaus können zudem Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen Raum- und Personalstrukturen gemeinsam nutzen. Stundenweise könnten auch überregional tätige Fachärzte eingebunden werden. Es sind nicht nur Synergie-Effekte zu erwarten, auch die logistischen Vorteile liegen auf der Hand! Zukunft braucht nicht nur Veränderung, sondern auch vorausschauende Blicke", erklärt Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer. Das Fünf-Märkte-Konzept gibt den Ärzten Planungssicherheit, erlaubt Ihnen auch, ohne große Folgenkosten wieder gehen zu können und gewährleistet zugleich eine verlässliche ärztliche Versorgung im ländlichen Raum."

Die Gefahren des Ärztemangels in dem großflächigen Bundesland Rheinland-Pfalz, dessen Thematisierung durch Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer vor einigen Jahren noch lautstarke Widersprüche in der Landespolitik erzeugte, ist offenbar nun auch im Deutschhaus endlich erkannt worden.
Gemeinsam werden mittlerweile Lösungen und Strategien gesucht. "Ich bin ausgesprochen dankbar, dass wir mit den Sorgen der Ärzteschaft bei Ihnen auf offene Ohren stoßen", bilanzierte Prof. Hessenauer. "Ich schätze die Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihren Mitarbeiter in den Ministerien sehr!"
"Das Fünf-Märkte-Konzept ist eine der guten Ideen, die wir aufnehmen werden, versicherte Gesundheitsministerin Malu Dreyer. "Wie bewältigen wir die immensen Herausforderungen unserer Gesellschaft des immer längeren Lebens?", fragte sie. "Immer weniger junge Menschen müssen die medizinische Versorgung von immer mehr älteren Menschen finanzieren. Dieses Thema dürfen wir nicht unterschätzten.
Die Ministerin erneuerte im Weiteren Ihre Kritik an de m geplanten Versorgungsstrukturgesetz der Bundesregierung. "Der Entwurf hält leider nicht, was er verspricht, nämlich auch künftig eine flächendeckende wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern! Es ist kein Gesamtkonzept. Ich habe erhebliche Zweifel, ob es die medizinische Versorgung nachhaltig verbessert. Der Gesetzentwurf birgt zudem ein hohes Kostenrisiko." Es sei vielmehr ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen, die teils durchaus sinnvoll, aber teils auch regelrecht kontraproduktiv seien.

Während der Bund nur ein Stückwerk liefere, habe Rheinland-Pfalz schon vor vier Jahren gemeinsam mit den Partnern im Gesundheitswesen einen Masterplan geliefert. Kern des Plans ist die finanzielle Förderung von Ärztinnen und Ärzten, die sich in ländlichen Gebieten niederlassen.
In dem im August vorgelegten Entwurf des Versorgungsstrukturgesetzes werde ein wichtiges Anliegen der Länder vom Bund missachtet. "Wir wollen bei der Auswahl der Studierenden neben der Abiturnote verstärkt weitere Auswahlkriterien heranziehen und der Allgemeinmedizin im Medizinstudium ein stärkeres Gewicht geben."
"Wir wollen eine stärkere sektorübergreifende Planung der Versorgung im Lande", erklärte Malu Dreyer und versicherte, "selbstverständlich gehöre die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz in den geplanten neuen Lenkungsausschuss".
Ministerpräsident Kurt Beck zollte anschließend "Dank und hohe Anerkennung" den Ärztinnen  und Ärzten, die im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen tätig sein. Erst wenige Stunden zuvor hatte er sich selber von der Leistungsfähigkeit der medizinischen Versorgung überzeugt, da er sich einen Zeh gebrochen hatte. "In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Vertrauen der Patienten trotz schwieriger Rahmenbedingungen in die Ärzte unverändert groß. Es ist gut zu wissen, da bemüht sich jemand zu helfen. Wir haben eine Reform des Krankenhausplans auf den Weg gebracht, der nicht nur von Planzahlen und Schließungen gezeichnet ist, sondern vielmehr die Versorgungstruktur im ländlichen Raum im Auge hat. Wir dürfen hierzulande nicht zulassen, dass der ländliche Raum ausblutet und entvölkert, wie es etwa in Frankreich geschehen ist. Wir dürfen nicht nur über Kosten reden, sondern wir müssen uns fragen, was uns die Sicherung unserer Gesundheit wirklich wert ist."
Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer zog das Fazit: "Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Arztbe­ruf die Sicherheit und die Attraktivität bekommt, die er braucht und die er verdient, um auch weiterhin sehr gute ärztliche Versorgung anzubieten.“ Dafür sind nach Hessenauers Erfahrung sowohl in den Praxen als auch in den Krankenhäusern nötig: zukunftsfähige Versorgungsstrukturen, intelligente Arbeitszeitmodelle, gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und faire Bezahlung.

 
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